"Seine große Leidenschaft war immer die Recherche": Thomas Leif ist tot

17.01.2018
 

Der Chefreporter des SWR, Thomas Leif, ist tot. Er wurde 58 Jahre alt. Mehr als 30 Jahre arbeitete er für den SWF und späteren SWR. Die Netzwerk-Recherche-Vorsitzende Julia Stein erklärte: "Thomas Leif war die Triebfeder für die Gründung von Netzwerk Recherche und als dessen Vorsitzender zehn Jahre lang maßgeblicher Impulsgeber des Vereins."

Geboren wurde Thomas Leif in Daun in der Eifel. Er studierte in Mainz Politikwissenschaften und promovierte in Frankfurt am Main. 1986 fing Leif beim damaligen Südwestfunk in Mainz als Redakteur an. In den vergangenen 20 Jahren wirkte er als Chefreporter des SWR. Bekannt wurde Leif unter anderem als Moderator der Polit-Talkshow "2+Leif" und durch seine Reportage-Reihe "Leif trifft...".

Auch für die ARD produzierte Thomas Leif Dokus, Feature und Magazinbeiträge. "Beraten & verkauft" heißt sein Buch über Geschäfte von Unternehmensberatungen. Seit 2009 war Leif Honorarprofessor für Politik an der Universität Koblenz-Landau.

Leif engagierte sich für den kritischen Journalismus. Unter anderem im Mainzer Mediendisput. Bei Netzwerk Recherche war er der Gründungsvorsitzende. Julia Stein, Vorsitzende der Journalistenvereinigung, erklärte an diesem Dienstag: 

"Thomas Leif war die Triebfeder für die Gründung von netzwerk recherche und als dessen Vorsitzender zehn Jahre lang maßgeblicher Impulsgeber des Vereins. Damit haben Thomas Leif und seine Mitstreiter etwas Bleibendes geschaffen. Wir empfinden Anerkennung und Dankbarkeit vor dieser großen Leistung."

Weiter heißt es bei netzwerk recherche: "Die von Thomas Leif angestoßenen Debatten prägten und prägen das Selbstverständnis von netzwerk recherche. Ohne diese Diskurse wäre netzwerk recherche nicht die Organisation, die sie heute ist. In Leifs Amtszeit hat die Journalistenvereinigung unter anderem den Medienkodex veröffentlicht, dessen Passus 'Journalisten machen keine PR' eine überfällige Debatte über die Trennung von Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit entfachte. Thomas Leif engagierte sich auch immer wieder für eine Stärkung des Recherche-Journalismus. Schon in den ersten Jahren nach der Gründung entwickelte sich deshalb die nr-Jahreskonferenz beim NDR in Hamburg zu einer der größten europäischen Tagungen für journalistische Recherche. Zahlreiche Fachtagungen und Publikationen wie die Reihe "nr-Werkstatt" entstanden auf Leifs Initiative.

Seine große Leidenschaft war immer die Recherche. Er war streitbar, stellte sich jeder Diskussion. Ungezählt sind die Stunden, die Thomas Leif ehrenamtlich für das netzwerk recherche gearbeitet hat. Dieses Verdienst bleibt. Und das netzwerk recherche wird ihm dafür immer sehr dankbar sein."

Für kress.de schrieb Leif im Jahr 2016 den Essay Dunkelziffer Armut - die mediale Vernachlässigung der Vernachlässigten.

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