Warum Kommunikations-Profis neidisch auf Alexander Wilke sind

01.02.2018
 

Alexander Wilke von Thyssen Krupp ist bei den jüngsten PR Report Awards als "Kommunikator des Jahres" ausgezeichnet worden. Als ganzheitlich denkender Kommunikationsmanager und einer der wichtigsten Kulturveränderer des Essener Dax-Konzerns stehe er für die Zukunft der Profession. "PR Report"-Chefredakteur Daniel Neuen hätte vor vier Jahren noch nicht gedacht, dass Wilke so eine Wandlung durchmacht. 

Als ich Alexander Wilke zum ersten Mal traf, war er alles andere als locker. Berlin, Humboldt-Universität, an einem Abend vor ziemlich genau vier Jahren. Draußen war es nass und neblig, drinnen ging es um ein für Thyssen-Krupp ziemlich peinliches Thema: Pressereisen.

Zur Erinnerung: Luxustrips mit Journalisten bescherten dem damals schwer kriselnden Unternehmen Ende 2012 einen Skandal, über den Wilkes Vorgänger stolperte. Aufgeschrieben hatte das alles Jörg Eigendorf, damals noch in Diensten der "Welt". Erst saß Wilke mit Chefankläger Eigendorf auf dem Podium der Uni und erklärte, dass Pressereisen künftig nur noch nach einem strengen Regelwerk stattfinden würden: weniger Luxus, viel mehr Compliance. Hinterher regte er sich über einen Artikel im "PR Report" auf, der sich seiner Meinung nach zu sehr mit den Schatten der Vergangenheit beschäftigt hatte. Wilke, damals in der typischen Corporate-Uniform (Anzug, Krawatte), wirkte ziemlich unentspannt.

"King of Cool"

Dass mir derselbe Wilke Jahre später als "King of Cool" unter den Dax-PR-Chefs mit Löcher-Jeans, Turnschuhen und dem Hemd aus der Hose auf Konferenzen begegnen würde, hätte ich damals nicht gedacht. Dass er als "Kommunikator des Jahres" bei den PR Report Awards 2017 ausgezeichnet werden würde, auch nicht.

Doch die meisten Schatten der Vergangenheit, die vor vier Jahren noch so präsent waren, scheinen verjagt. Die diesjährige Jury zeichnete Wilke mit dem Preis für die hervorragende Positionierung des Konzerns, der Marke und des Vorstandsvorsitzenden Heinrich Hiesinger aus (siehe auch "Manchmal gehe ich ihm auf den Senkel", Seiten 18-25): "Mit Leidenschaft, Mut, Beharrlichkeit und Kreativität hat Wilke der einstigen Skandalfirma neue Glaubwürdigkeit verschafft - das alles mit knappen Ressourcen und ohne sexy Produkt." Als ganzheitlich denkender Kommunikationsmanager und einer der wichtigsten Kulturveränderer des Essener Konzerns steht er für die Zukunft der Profession.

Bei der Verleihung im ausverkauften Kosmos in Berlin würdigte Hiesinger seinen Kommunikationschef mit einer persönlichen und bewegenden Laudatio - und sorgte nach Ansicht vieler für den emotionalen Höhepunkt der Gala. Einige Gäste raunten sich hinterher sogar zu, dass sie so einen Vorstandsvorsitzenden auch gerne hätten.

In Hiesingers Liebeserklärung war auch der Spruch des Abends enthalten: "Man darf keine Angst vor blauen Flecken haben." Das war auf Wilke gemünzt, aber auch auf die gesamte Zunft der Kommunikation. Und passte hervorragend zum PR Report Camp, das am Tag der Awards Premiere feierte.

Dabei zeigten vor allem einige Vertreterinnen des Nachwuchses, dass sie keine Angst haben: weder vor großen Namen noch davor, den Mund aufzumachen. Ziemlich selbstbewusst machten sie deutlich, dass sie die Einstiegsgehälter, die vor allem die eine oder andere Agentur zahlt, für zu niedrig erachten. Nicht unbedingt zur Freude der renommierten PR-Profis bei den Podiumsdiskussionen, die - nicht ganz zu Unrecht, aber aus der Perspektive des Arbeitgebers wohl auch nicht ganz uneigennützig - dazu rieten, am Berufsanfang nicht zu sehr auf das Geld zu achten.

Mein persönlicher Höhepunkt des Tages war übrigens am Vormittag: die Schlange vor dem Einlass. Ganz viele Studierende, Young Professionals und PR-Profis waren unserer Einladung zum Camp gefolgt, ganze Busladungen trafen vor dem Kosmos ein. Vielen Dank an alle!

Autor: Daniel Neuen

kress.de-Tipp: Der hier zitierte Text ist das Editorial des "PR Report 6/2017". Auf mehr als 100 Seiten erwarten Sie diese Inhalte. Hier können Sie den "PR Report" als E-Paper oder Printausgabe bestellen. Oder im iKiosk.

Hintergrund: Der "PR Report" erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "PR Report"-Chefredakteur ist Daniel Neuen, Herausgeber Johann Oberauer.

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