"Wir fragen unsere kressköpfe": Wie Christian Böhm das Best-Ager-Netzwerk wize.life auf Trab bringen möchte

 

Ein Job im rasanten 11/16-Takt: Christian Böhm, lange in Diensten von "Welt kompakt" und "Wams", startet bei dem sozialen Netzwerk wize.life als Social-Media-Chef durch. Im "kressköpfe"-Interview erzählt er, warum er für den Job Leidenschaft für bulgarische Volkstänze, aber Teamgeist und Sendungsbewusstsein mitbringen muss. Und wie sehr ihm Playmobil-Piraten helfen, sich nicht von Facebook einschüchtern zu lassen.

kress.de: Herr Böhm, wie erklären Sie älteren Mitmenschen, vielleicht sogar den eigenen Verwandten, dass es sich lohnt, sich beim Netzwerk wize.life zu engagieren? 

Christian Böhm: Wer glaubt, ältere Menschen – wir nennen sie Best Ager – sind Langweiler, die den ganzen Tag an Ilja Rogoff, Treppenlifte oder Seniorennachmittage denken, war noch nie auf wize.life. Unsere Community geht extrem hohes Tempo. Man könnte es mit dem Gankino vergleichen, einem bulgarischen Volkstanz im 11/16-Takt. Immer überraschend, nie langweilig.

kress.de: Ist denn in Zeiten der Facebook-Dominanz aus Ihrer Sicht überhaupt noch Platz für ein deutsches Social-Network und was macht wize.life aus Ihrer Sicht anders und attraktiver?

Christian Böhm: Wir positionieren uns nicht gegen Facebook, Google oder Amazon, sondern docken unser Portal an den Großen an, wo es uns sinnvoll erscheint. Wir haben außerdem festgestellt, dass gerade late adopter sozialer Netzwerke auf Facebook verloren und ohne Ansprache sind. Bei uns können sie sofort in öffentlichen Bereichen mitmischen. 

"Die Firmenkultur von wize.life ist geprägt von Optimismus. Im Mediengeschäft ist dieser Optimismus leider zunehmend Mangelware."

kress.de: Wie lange mussten Sie sich selbst mit der Materie beschäftigen, bevor Sie sich einen Ruck für den Wechsel zu wize.life gaben?

Christian Böhm: Die Firmenkultur von wize.life ist geprägt von Optimismus. Im Mediengeschäft ist dieser Optimismus leider zunehmend Mangelware. Weil ich aber lieber Spaß habe, als im Chor der Pessimisten mitzusingen, ging der Ruck sofort durch mich und ich musste mir nicht extra einen geben. Schon jetzt gehört wize.life zu den 20 interaktivsten Medienmarken in Deutschland. Ich möchte mithelfen, zu den absoluten Top Playern vorzustoßen.

kress.de: Bei der "WamS", aber auch in Ihren eigenen Büchern und in Ihrer früheren Focus-Online-Arbeit kennt man Sie als Autor gerne auch mal für die längeren Stücke, die einen größeren Bogen schlagen. Wie schwer fällt Ihnen die Umstellung auf die kürzeren, zum Weiterleiten und Empfehlen geeigneten Stücke?

Christian Böhm: Ich bin unheimlich dankbar für insgesamt sieben Jahre, die ich für die "Welt Kompakt" und "Welt am Sonntag" in München arbeiten durfte. wize.life und die neue Aufgabe im Social-Team sind aber genau das, worauf ich im Moment so richtig Bock habe. Wie heißt es so schön: Es kommt nicht auf die Länge an. In der Kürze liegt die Würze. Fünf Euro ins Phrasenschwein!

kress.de: Mit Ihrem Erfahrungshintergrund: Was muss wize.life redaktionell noch stärker bieten, um seine Ziele umfassender zu erfüllen?

Christian Böhm: Dank unseres Content-Chefs und Co-Geschäftsführers Florian Festl sind wir trotz relativ kleinem Team redaktionell bereits sehr gut aufgestellt. Ich werde daran arbeiten, unserem Tempo an mancher Stelle noch etwas mehr Tiefe zu geben.

kress.de: Wenn Sie Ihren eigenen Werdegang betrachten: Wie spannend ist für Vollblut-Journalisten das Social-Media-Geschäft und in wie weit haben sich längst völlig neue Berufsbilder eröffnet?

Christian Böhm: Bis vor zwei Jahren war mir Social Media Wurscht. So ignorant war ich! Heute sind soziale Medien für mich nicht nur Distributionskanäle für Inhalte, sondern Gradmesser, was Leser wirklich interessiert. Naturgemäß denken wir bei wize.life unsere Artikel aus dieser Sicht. Wir sehen ja in Echtzeit, was draußen ankommt. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Denke auch im Print-Geschäft möglich sein müsste. So könnte man etwa anhand von Social-Charts auch die gedruckte Ausgabe planen.

kress.de: Ein gesundes Maß an Eitelkeit und Sendungsbewusstsein gehört zum Beruf dazu. In wie weit hilft das als Social-Media-Verantwortlicher?

Christian Böhm: Ich bilde mir ein, wenig eitel zu sein und halte mich auch nicht für einen geeigneteren Ministerpräsidenten-Kandidaten als Markus Söder. Gerade als Social-Media-Verantwortlicher darf nicht das eigene Ego im Vordergrund stehen.

"Guter Journalismus ist in erster Linie Teamarbeit."

kress.de: Was halten Sie von der immer wieder hörbaren Forderung, dass moderne Journalisten sich heute selbst zur "Marke" machen müssten?

Christian Böhm: Guter Journalismus ist in erster Linie Teamarbeit. Wenn es jemand schafft, sich als "Marke" zu etablieren, dann gratuliere ich recht herzlich. Im Vordergrund sollte das jedoch nicht stehen.

kress.de: Was muss ein Kreativer von außen mitbringen, um Sie etwa für einen Themenvorschlag zu begeistern? Wie offen ist wize.life für Autoren?

Christian Böhm: Wir geben außer Themen zu Gesundheit und Reise relativ wenig nach außen. Grundsätzlich gilt natürlich immer: nicht langweilen.

kress.de: Ist eigentlich jeder Social-Media-Verantwortliche ein Medien-Junkie, der seine "Sucht" zum Beruf macht?

Christian Böhm: "Sucht" klingt so negativ, aber ja. Wobei ich natürlich nur für mich sprechen kann.

kress.de: Wie sieht eigentlich Ihre eigene Mediennutzung aus? Welche Titel oder Marken nehmen Sie sich persönlich frühs als erstes vor?

Christian Böhm: "Bild", "Welt", Focus Online, Spiegel Online, SZ.de, BR24, "tz", Sport1 – entweder auf Facebook und Twitter oder direkt. Am Schreibtisch gucke ich dann als Erstes in Storyclash, welche Themen im Social Web einen Lauf haben.

kress.de: Wenn Sie auf Ihre eigene bisherige Karriere zurückblicken: Wo haben sie am meisten gelernt und was hilft nun beim neuen Job?

Christian Böhm: Schnelligkeit bei Focus Online, Kreativität bei der "Welt Kompakt", Themenentwicklung bei der "WamS".   

kress.de: Wie laden Sie privat Ihre Batterien auf?

Christian Böhm: Beim Playmobil-Piraten spielen mit meinem Sohn. Und falls der doch mal vor meiner Frau und mir einschläft, gerne mit einer Serie auf Netflix. Im Sommer dann Grillen und Garteln.

kress.de: Sie führen ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Christian Böhm: Super wichtig, hoffe ich dereinst verkünden zu können. Da mein Profil noch relativ frisch ist, wäre jede Aussage im Moment noch verfrüht.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Christian Böhm: Für mich ist es Ansporn, was alles möglich ist. Bezogen auf mich, vor allem aber auf die Branche, egal ob Print, Online oder TV. 

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