Ketchum-Pleon-Chefin Victoria Wagner geht

30.01.2018
 

Paukenschlag beim Agenturriesen Ketchum: Chefin Victoria Wagner wird den einstigen Branchenprimus im Sommer verlassen. Sie erklärte auf Anfrage des "PR Report", sie habe sich entschieden, zum 30. Juni 2018 auszusteigen. Die Hintergründe. 

"Ich habe gekündigt, weil ich künftig wieder deutlich unternehmerischer tätig werden möchte", erklärte Wagner dem PR Report. "Bei einem börsennotierten Unternehmen stehen die Bedürfnisse der Anleger im Fokus, da ist der unternehmerische Spielraum relativ begrenzt, vor allem wenn das Umfeld und die Kunden zunehmend unter Druck stehen."

Wagner hatte erst im Sommer 2016 die Nachfolge von Dirk Popp angetreten, unter anderem um die drei deutschen Ketchum-Agenturen Ketchum Pleon, Brandzeichen und Emanate unter einem gemeinsamen Dach zusammenzuführen.
 
Sie kündigte damals auch an, die Agentur wieder zum Marktführer hierzulande machen zu wollen. Zunächst ging es indes um Restrukturierung. Im Umsatzranking für das Jahr 2016 rutschte die Firma auf den dritten Platz hinter Fischer-Appelt ab.
 
Zudem sorgte Ketchum Pleon mit Entlassungen und einer Serie von Abgängen namhafter Mitarbeiter für Gesprächsstoff - von Gründer Joachim Klewes über Kreativkopf Christof Biggeleben und Managing Partner Rüdiger Maeßen bis hin zum Public-Affairs Veteranen Peter Strieder, um nur einige zu nennen.
 
Wagner gilt in der Branche vor allem als Marken- und Lifestyle-Expertin, weshalb Beobachter von Anfang an Zweifel streuten, ob sie eine breit aufgestellte Agentur wie Ketchum Pleon führen könne.
 
Ketchum-CEO Barri Rafferty sagte indes: "Vickys Führung war entscheidend für die Festigung der Position von Ketchum im deutschen Markt. Sie hat Ketchum in Deutschland zu einer stärkeren, breit aufgestellten und kreativen Agentur gemacht; ihr Beitrag wird einen nachhaltigen Einfluss auf die Organisation haben. Die starke Führungsriege und ein engagiertes Team werden die Agentur weiter voranbringen und unseren Kunden die Leistungen bieten, die sie benötigen." Rafferty, die Ende November 2017 zum weltweiten CEO von Ketchum aufstieg, ist die erste Frau an der Spitze einer der globalen Top-5-Agenturen.
 
Wagner sagte: "Nach Restrukturierung und Neuausrichtung, der Etablierung eines gemeinsamen, starken Executive Boards und Leadership Teams für die Gruppe, der Entwicklung unserer Strategie für die nächsten Jahre sowie der erfolgreichen Zusammenführung der drei Agenturen ist die Gruppe gut für die Zukunft aufgestellt. Daher verlasse ich die Agentur mit einem guten Gefühl und bin sicher, dass sich Ketchum Deutschland weiterhin erfolgreich entwickeln wird."
 
Wirtschaftlich sei die Agentur trotz der Restrukturierung stabil, der Umsatz im vergangenen Jahr bewege sich auf dem Niveau des Jahres 2016. Für diesen Zeitraum hatte Ketchum knapp 49 Millionen Euro gemeldet. Wagner weiter: "Die Basis für Wachstum im Jahr 2018 ist gesetzt, auch weil wir im vierten Quartal einen Etat von Henkel gewonnen haben. Die Agentur ist im Plan."
 
Die CEO-Position soll im Februar besetzt werden. Übergangsweise führt das fünfköpfige Executive Board die Agentur weiter. Es besteht aus Simone Hoch (COO), Sabine Hückmann (CIO), Nadine Schulz (CMO), Kerstin Steglich (CCO) und Horst Wettlaufer (CFO).
 
Wagner sagte, dass sie sich die Gründung einer neuen Agentur gut vorstellen könne. 2004 hatte sie ihre Agentur Brandzeichen gegründet. Die Schmiede ist spezialisiert auf Markenkommunikation und galt als wirtschaftliche Erfolgsgeschichte. 2013 verkaufte Wagner Brandzeichen an Ketchum.

Hintergrund: Der "PR Report" erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "PR Report"-Chefredakteur ist Daniel Neuen, Herausgeber Johann Oberauer.

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