Bruno Schnell gestorben: Ein Verleger mit Haltung

 

Trauer um Bruno Schnell: Der Herausgeber und Verleger der "Nürnberger Nachrichten" ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Im Herbst 2016, zum Jubiläum von "kress", hatte ihn die kress-Redaktion unter die 50 wichtigsten Medienmacher aus 50 Jahren gewählt. In der Begründung hieß es damals, dass Schnell ein "Medienhaus formen konnte, das es so kein zweites Mal in Deutschland gibt."

Mit Bruno Schnell verliert die deutsche Medien-Landschaft eine ihrer markantesten Persönlichkeiten. Über sechs Jahrzehnte lang hat der am 27. Februar 1929 geborene Schnell die Entwicklung der "Nürnberger Nachrichten" (NN), der "Nürnberger Zeitung" (NZ) und ihrer Außenausgaben in Nordbayern geprägt. Bruno Schnell verstarb bereits am 27. Januar. Auf seinen Wunsch wurde er im engsten Familienkreis beigesetzt. Er hinterlässt seine Frau und drei Kinder.

Schnell begann seine Karriere am 1. Dezember 1947 als Direktionsassistent im Verlag Nürnberger Presse.  Ende der 1950er Jahre rief er das sogenannte "Nürnberger Modell" ins Leben: Die NN kooperierten mit einigen kleineren Heimatzeitungs-Verlagen in der Region, die so ihren Fortbestand sichern konnten. Damit stieg auch die Reichweite der "Nürnberger Nachrichten", die aktuell eine Auflage von etwa 222.100 Exemplaren haben und damit zu den großen Regionalzeitungen Deutschlands zählt. Mit dieser Verlagsgemeinschaft trug Schnell ebenso zur Presse- und Meinungsvielfalt in der Region bei wie mit dem Erwerb der "Nürnberger Zeitung" (Auflage: rund 22.000), die bis heute mit einer eigenen Vollredaktion arbeitet. Zur Unternehmensgruppe zählt auch der Olympia-Verlag, in dem die führende Fußballzeitschrift "kicker" erscheint.

Bundesweit beachtet wurde das soziale Engagement Schnells, der im Gegensatz zu vielen anderen Verlagen auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtete, öffentlich für die Einhaltung von Tarifverträgen eintrat und stets Wert auf eine funktionierende Sozialpartnerschaft legte, die er tatkräftig förderte. "Wir verlieren mit Bruno Schnell einen einmaligen Chef, dem wir mit großem Respekt und Hochachtung begegneten", heißt es im Nachruf der Unternehmensgruppe.

Der Verleger engagierte sich in vielfältiger Weise für Nürnberg und die Region. Früh unterstützte er den Nürnberger Weg im Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit der Stadt: Ohne seine großzügige Spende als Anschubfinanzierung wäre das viel besuchte "Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände" in Nürnberg nicht auf den Weg gebracht worden. Schnell stiftete auch das Preisgeld für die Verleihung des renommierten Nürnberger Menschenrechtspreises. 

Der passionierte Maler und Bergsteiger rief 1993 den "Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten" ins Leben, mit dem jährlich zahlreiche Künstlerinnen und Künstler der Region gefördert werden. Insgesamt vergab der Verleger Preisgelder in Höhe von rund 800.000 Euro. 2006 verkaufte Schnell ein neobarockes Wohnhaus nahe des Verlags zum symbolischen Preis von einem Euro an die Stadt Nürnberg, die dort die "Kunstvilla" einrichtete, ein Ausstellungsort für Werke aus Stadt und Region Nürnberg.

Die Stadt Nürnberg zeichnete Schnell im Oktober 2014 mit der Ehrenbürgerwürde aus. "Als eine der großen deutschen Verlegerpersönlichkeiten, großherziger Mäzen und Kunstförderer hat sich Bruno Schnell herausragende Verdienste erworben", hieß es damals zur Begründung. Oberbürgermeister Ulrich Maly würdigte Schnell als "Verleger mit Haltung".

In einem Nachruf des Bayerischen Journalisten-Verbands trauert dessen Vorsitzender Michael Busch um den Verstorbenen - und streicht ebenfalls die beachtlichen sozialen Verdienste heraus. "Wir trauern um einen Menschen, der hohe Ideale hatte. Sicherlich die eines Verlegers, der für 'seine Produkte' hart eintrat und entsprechend argumentierte. Das wissen wir als BJV aus vielen Verhandlungsrunden und Gesprächen. Aber, und das unterscheidet Bruno Schnell entscheidend von vielen anderen Verlegern, ein Mann, der immer wusste, welche Bedeutung seine Mannschaft für ihn hatte", sagt Busch.

"Er wusste, dass nur ein motiviertes Team an Journalisten und Angestellten sich optimal für 'seine Zeitungen' einsetzt", schreibt der BJV-Präsident über Bruno Schnell. "Man konnte oft den Eindruck gewinnen, dass dieses Verständnis ihn antrieb, entsprechend mit seinen Leuten umzugehen."

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