Gabor Steingart hatte sogar Hausverbot: Diese Woche sprechen die Anwälte

 

Während in Düsseldorf heute mit viel Helau und einem langen Umzug der Rosenmontag gefeiert wird, herrscht bereits seit dem Schmutzigen Donnerstag Katerstimmung bei der Handelsblatt Media Group. Diese Woche setzen sich die Anwälte an einen Tisch, um zumindest juristisch zu klären, wie Verleger Dieter von Holtzbrinck und Herausgeber Gabor Steingart ihre geschäftlichen Interessen entflechten können.

Offiziell werden zwei Gründe genannt, die zu Steingarts Abberufung als Geschäftsführer geführt haben. In einer gemeinsamen Erklärung von Freitag (kress.de berichtete) heißt es dazu: "1. Differenzen in wesentlichen gesellschaftsrechtlichen Fragen. Hinzu kam 2. eine - nicht generell, aber im Einzelfall - unterschiedliche Beurteilung journalistischer Standards."

Was hinter diesen "wesentlichen gesellschaftsrechtlichen Fragen" steckt, bleibt auch nach zahlreichen Telefonaten mit Holtzbrinck-Emissären nebulös. Bei den unterschiedlichen Ansichten journalistischer Standards geht es um einen Kommentar, den Steingart in seinem "Morning Briefing", in dem er täglich auf Inhalte der gedruckten Zeitung und "Handelsblatt"-Events hingewiesen hat, am vergangenen Mittwoch veröffentlicht hat.

Dort heißt es unter anderem: "Der Tathergang wird in diesen Tagen minutiös geplant. Der andere soll stolpern, ohne dass ein Stoß erkennbar ist. Er soll am Boden aufschlagen, scheinbar ohne Fremdeinwirkung. Wenn kein Zucken der Gesichtszüge mehr erkennbar ist, will Schulz den Tod des Freundes aus Goslar erst feststellen und dann beklagen."

Für dieses "Morning Briefing" entschuldigte sich Holtzbrinck, dem nicht nachgesagt wird, der SPD nahezustehen, bei den Sozialdemokraten. In einem Brief, aus dem verschiedene Medien genüsslich zitieren, schreibt Holtzbrinck unter anderem: "Das heutige 'Morning Briefing' von Gabor Steingart hat mich schockiert. Inhalt und Stil des Sie betreffenden Textes entsprechen weder meinen publizistischen Qualitäts- und Wertevorstellungen noch denen der Handelsblatt-Redaktion."

Die Demission seines Duzfreundes Gabor Steingart dürfte Verleger Dieter von Holzbrinck einiges kosten. Neben der Abfindung für den laufenden Vertrag schlägt der Rückkauf der Anteile zu Buche, die Steingart als unternehmerischer Top-Manager in Düsseldorf hält. Beides, so wird in Düsseldorf spekuliert, dürfte sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag summieren. Schließlich liegen nicht drei, wie in anderen Berichten kolportiert, sondern fünf Prozent der Anteile der Handelsblatt Media Group bei Gabor Steingart. Diese Anteile sind zwar gebunden an Steingarts Tätigkeit für das "Handelsblatt", fallen aber nicht kostenfrei an den Verleger zurück und müssen entsprechend honoriert werden.

Wie zerfahren die vergangene Woche für alle Beteiligten in Stuttgart und Düsseldorf war, zeigt ein Detail: Steingart hatte nach kress-Infos am ersten Trennungs-Tag sogar Hausverbot im Verlag. Nach kress-Infos war es Verleger von Holtzbrinck persönlich, der das Hausverbot aufhob und so Steingart eine Rückkehr an seinen Arbeitsplatz erlaubte. Später hieß es dazu, das Hausverbot sei nur "aus Versehen" ausgesprochen worden, eine Formulierung in einem Muster-Trennungs-Anschreiben sei ohne entsprechende Korrektur durchgewunken worden.

Intern sorgt der öffentliche Streit um Steingart, der das neue "Handelsblatt" komplett auf seine Person ausgerichtet hat, für große Unruhe. Von einer Schädigung der "journalistischen Marke Handelsblatt" ist sogar die Rede.

Bericht folgt

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Ihre Kommentare
Kopf

Axel Meininghaus

14.02.2018
!

Ich bin Steingart-Fan. Sein Briefing war gerade wegen der Überspitzung so wohltuend. Es waren GERADE die Bilder und Vergleiche, die er so geschickt und provokant verwendete, die auf engstem Raum am betreffenden Tag „DIE WELT ERKLÄREN könnten - und der Tag begann gut mit einem herzhafte Lachen über „die da oben“ - wie es Aufgabe des weisen Narren bei Hofe war. Seine humorvoll bis unverschämt vorgetragenen Wahrheiten zu ertragen war eines guten Herrschers würdig. Ihn wegzuschicken ist Schwäche!


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