Intendant Peter Limbourg: Deutsche Welle plant türkischsprachigen Fernsehkanal

 

Erst am kommenden Sonntag will die SPD bekannt geben, ob ihre Mitglieder dem Koalitionsvertrag mit CDU und CSU zustimmen und es zu einer neuen Großen Koalition kommt. Vor dem Kultur- und Medienausschuss des Deutschen Bundestags hat Intendant Peter Limbourg bereits am Mittwoch seine Pläne für die Deutsche Welle vorgestellt. Im Mittelpunkt steht dabei ein türkischsprachiger Fernsehkanal.

Im Koalitionsvertrag steht deutlich, was die künftigen Regierungsparteien von der Deutschen Welle erwarten und zu welchen Investitionen sie dazu bereit sind:

"Wir wollen eine Stärkung der Kultur- und Bildungspolitik und den Ausbau unserer kulturellen Infrastruktur im In- und Ausland, um die Werte unseres Landes im globalen Wettbewerb der Narrative auch im digitalen Raum erfolgreich zu vertreten.

Bei der Vermittlung von Meinungs- und Pressefreiheit ist die Deutsche Welle ein unverzichtbarer Akteur, den wir, wie in den letzten Jahren begonnen, finanziell deutlich weiter stärken wollen. Wir wollen das Budget der Deutschen Welle auf das vergleichbarer europäischer Auslandssender anheben. Wir begrüßen die eingeleiteten Kooperationen der Deutschen Welle mit europäischen Rundfunkpartnern", heißt es in dem Koalitionsvertrag.

In fünf Jahren Reichweite um 56 Mill. Kontakte gesteigert

Limbourg, seit dem 1. Oktober 2013 an der Spitze der Deutschen Welle, hat in seiner Amtszeit die Bedeutung des staatlichen Auslandsrundfunks massiv gesteigert. Das lässt sich bereits an der Reichweite dokumentieren: im Jahr 2012 waren es 101 Millionen wöchentliche Nutzerkontakte, im Jahr 2017 157 Millionen, die die Deutsche Welle lasen, hörten oder sahen. Limbourg und sein Team möchten die Reichweite in den kommenden Jahren auf 210 Millionen wöchentliche Nutzerkontakte ausbauen. Reichweite sei zwar nicht alles, aber ohne Reichweite sei einfach keine Wirkung zu erzielen, erklärte Limbourg vor den Bundespolitikern.

Rund 85 Millionen Nutzer erreiche der Sender über sein Fernsehprogramm und jeweils 36 Millionen über sein Radio- und sein Online-Angebot. Während die Nutzung des Radio-Programms leicht gesunken sei, steige die Nutzung des TV- und des Online-Angebots deutlich. Daher müsse die Deutsche Welle den Wandel in ein komplett digital ausgerichtetes Medienunternehmen vollziehen, machte Limbourg deutlich. In den kommenden Jahren will die Deutsche Welle vor allem die Schwerpunktregionen Russland und Osteuropa, Türkei, arabische Welt, Subsahara-Afrika, Afghanistan, Pakistan und Iran in Blick nehmen. Derzeit verfügt die Deutsche Welle über ein deutsches, englisches, spanisches und arabisches Fernsehprogramm.

Etat von insgesamt rund 336 Mill. Euro

Im Jahr 2017 betrug der Bundeszuschuss aus dem Etat der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien rund 326 Millionen Euro. Zudem seien etwa zehn Millionen Euro Projektförderung aus anderen Ministerien an die Deutsche Welle geflossen. Zum Vergleich: der britische Auslandssender BBC verfügt über einen Etat von 523 Millionen Euro, der französische Sender France Médias Monde/TV5 Monde über einen Etat von 389 Millionen Euro.

Mitglieder Ausschuss für Kultur und Medien

Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien ist die SPD-Politikerin Katrin Budde, ihr Stellvertreter ist Johannes Selle (CDU). Ordentliche Mitglieder sind: Michael Frieser, Nikolas Löbel, Yvonne Magwas, Elisabeth Motschmann (Obfrau), Johannes Selle, Marco Wanderwitz (CDU/CSU); Katrin Budde, Michelle Müntefering (Obfrau), Martin Rabanus, Marianne Schieder (SPD); Marc Jongen (Obmann), Martin Renner (AfD); Hartmut Ebbing, Thomas Hacker (Obmann) (FDP); Simone Barrientos (Obfrau) Brigitte Freihold (Die Linke); Erhard Grundl (Obmann), Margit Stumpp (Bündnis 90/Die Grünen).

Neues Korrespondentenbüro in Istanbul

Die Deutsche Welle ist seit Mitte Januar 2018 mit einem eigenen Korrespondentenbüro in Istanbul vertreten. Aus der Metropole am Bosporus berichtet DW-Korrespondentin Julia Hahn und verstärkt damit die Berichterstattung der DW aus Südosteuropa. Die 32-jährige Journalistin hat in Erfurt, Istanbul und Zürich Internationale Politik studiert und absolvierte ihr Volontariat bei der DW. Hahn, die Türkisch spricht, hat für die Deutsche Welle als Reporterin unter anderem auch aus der Türkei berichtet und im Berliner Studio die Nachrichten im deutschen TV-Programm moderiert.

Hintergrund Deutsche Welle

Die Deutsche Welle ging erstmals am 3. Mai 1953 auf Sendung. Intendant ist Peter Limbourg, der davor im Privatfernsehen Karriere gemacht hatte (zuletzt war er Senior Vice President Nachrichten und politische Information bei ProSieben Sat1). Verwaltungsdirektorin ist Barbara Massing, Programmdirektorin Gerda Meuer, Guido Baumhauer ist Direktor Distribution und Technik, Christian Gramsch ist Direktor DW Akademie. Chefredakteurin der Deutschen Welle ist die ehemalige „taz“-Chefredakteurin Ines Pohl. Sie verantwortet die alle journalistischen Angebote des deutschen Auslandssenders in Fernsehen, Hörfunk und Internet.

SIE WISSEN MEHR? Schreiben Sie mir persönlich an chefredaktion@newsroom.de.

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