Job-Kolumne: Die Kraft einer Entscheidung

 

Manchmal ist es zu wenig, immer nur die Details zu verbessern: Eine Lebensentscheidung, die alles verändert, kann ein Befreiungsschlag nach jahrelangem Klein-Klein sein. Wie man die Kraft dazu findet und seine neue Zukunft am besten plant, sagt Mediencoach Attila Albert.

Es gibt vieles, das sich im Detail verbessern lässt. Ein Wochenplan lässt sich optimieren, ein Arbeitsplatz durch bessere Organisation und Kommunikation gestalten, eine berufliche oder private Beziehung durch Gespräche ebenso. Manchmal aber muss es etwas ganz anderes sein: Das sind die Momente im Leben, in denen eine grundsätzliche Entscheidung fällig ist, die alles verändert. Kein Klein-Klein mehr, sondern der große Wurf. Dazu heute einige Worte.

Große Entscheidungen sind häufiger, als man sich oft selbst klarmacht. Menschen wandern aus, wechseln die Branchen, werden religiös oder legen politische Überzeugungen ab, beginnen und beenden Beziehungen oder wechseln radikal ihren Lebensstil. Was am Ende so klar und geradezu zwingend aussieht, ist vielfach das Ergebnis eines langen inneren Ringens, eines Abwägens von Chancen und Risiken und nicht selten dem Ignorieren vieler wohlmeinender Ratschläge, man solle doch so (und dort) bleiben, wo man ist.

Auch scheinbar unspektakuäre Entscheidungen können alles verändern

Eine Klientin gab eine vielversprechende Karriere in einem Medienhaus auf, die sie bis in die Geschäftsführung geführt hatte. Sie fühlte sich ausgebrannt und hatte festgestellt, dass sie sich eigentlich ein völlig anderes Leben wünschte - sie wollte Mutter werden oder, falls sich das nicht ergab, mit Kindern arbeiten. Obwohl ihr alle rieten, "ihr Potential zu nutzen" und "jetzt nicht alles wegzuwerfen", verließ sie das Unternehmen, um diesen Plan umzusetzen.

Ein Freund aus der PR-Branche trennte sich nach mehr als 20 Jahren von seiner Frau, um seine lange unterdrückte Homosexualität zu leben. Schwierige Gespräche waren zu führen, manche Verletzung eines lange geliebten Menschen hinzunehmen. Das Sorgerecht für zwei Kinder war zu klären, ein nicht abbezahltes gemeinsames Haus aufzulösen. Er musste mit mehr als 50 Jahren noch einmal Dating lernen, diesmal auf eine ganz andere Weise.

Ein anderer Klient, Manager bei einem Buchverlag, wollte nicht mehr hinnehmen, dass er seit Jahren an den meisten Werktagen von seiner Familie entfernt allein in Hotelzimmern ins Bett ging und sich durch die ständigen Dienstreisen zunehmend die Gesundheit ruinierte. Er zog mit seiner Familie, das nächste Kind war gerade unterwegs, ans andere Ende Deutschlands aufs Land und machte sich im Bildungsbereich selbständig.

Andere Entscheidungen klingen weniger spektakulär, sind aber ebenso weitreichend. Sich nicht mehr über den Newsroom-Job zu ärgern, sondern so lange woanders bewerben, bis es woanders klappt. Sich dafür entscheiden, nicht mehr an der Negativität in Social Media teilzunehmen, sondern seine Energie anderweitig zu nutzen. Nicht mehr Tinder-Fantasien hinterher zu jagen, sondern sich im eigenen Umfeld nach einem tatsächlich verfügbaren und ebenso interessierten Partner umzusehen. Kurz: Etwas ganz anderes zu machen als bisher.

Bei großen Entscheidungen geht es um die eigenen Werte

Große Entscheidungen haben viele Gemeinsamkeiten. Sie stellen eine sehr einfache und klare Frage, nämlich nach einer zukünftigen Richtung - Details kommen später. In ihnen geht es um Werte, die so wichtig sind, dass all die praktischen Herausforderungen, die sich aus ihnen ergeben, es wert scheinen. Sie sind ein Schritt zu mehr Authentizität - "das mache ich nicht mehr mit", "ich habe mich genug verbogen". Gleichzeitig sind sie auch einsam. Die große Entscheidung bekommt Applaus, die Detailkämpfe und Zweifel meist nicht.

Wer spürt, dass eine große Entscheidung ansteht, sollte sich klarmachen, dass sie immer mit Unsicherheiten behaftet ist - wirklich sicher ist man erst hinterher. So muss es vor allem darum gehen, die Risiken beherrschbar zu machen. Vielfach lassen sich einige Elemente vorab ausprobieren, um die Qualität der Entscheidung zu verbessern. Beispiel: Wer einen Branchenwechsel überlegt, könnten einen Jahresurlaub für eine Hospitanz nutzen.

Der häufigste, aber auch anstrengendste Weg ist es, mit grundsätzlichen Entscheidungen so lange zu warten, bis der Schmerz nicht mehr auszuhalten ist. Leichter ist es, überlegt und geplant aus einer neuen persönlichen Lebensvision heraus zu entscheiden: Einem Plan, wie das eigene Leben in Zukunft sein sollte und was dafür nötig ist. Er sollte nie nur einen Aspekt (z. B. Beruf, Beziehung) umfassen, sondern einen ganzen Lebensstil entwerfen.

"Du bist eine Entscheidung von einem völlig anderen Leben entfernt", liest man manchmal, und das ist doch nicht übertrieben. Tatsächlich ist die Kraft der Feststellung, ab sofort etwas ganz anders zu machen, nicht zu unterschätzen: Aus Worten werden Taten, aus einem Plan wird Realität. Sich nicht zu entscheiden, ist natürlich auch immer eine Option und hat gewisse Vorteile - das aber zu dem Preis, dass dann andere die Entscheidungen treffen.

Zum Autor: Attila Albert (45) begleitet mit seiner Firma Media Dynamics seit mehreren Jahren Medienprofis bei der beruflichen und persönlichen Neuorientierung. Albert hat selbst mit 17 Jahren als Journalist zu arbeiten begonnen. Anfangs bei der "Freien Presse" in Chemnitz, eine der größten deutschen Regionalzeitungen, später insgesamt 23 Jahre bei Axel Springer, unter anderem als Textchef und für Sonderaufgaben bei der "Bild"-Bundesausgabe, danach als Autor bei der Ringier AG in Zürich. Berufsbegleitend hat er sich in den USA zum Coach ausbilden lassen sowie vorher ein dreijähriges Webentwickler-Studium absolviert.

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