Welchen Plan Madsack-Chef Thomas Düffert bei RND.de verfolgt

 

Die Madsack Mediengruppe plant ein deutschlandweites Nachrichtenportal. Dabei gehe es vor allem darum, die Potenziale vom Redaktionsnetzwerk Deutschland richtig zu nutzen, sagt Thomas Düffert: "Die gedruckte Auflage der Madsack-Titel ist ungefähr genauso hoch wie die von 'FAZ', 'SZ' und 'Welt' zusammen. Unsere digitale Reichweite hingegen ist nur ein Bruchteil davon." Welchen Plan der Madsack-Chef verfolgt...

kress.de: Herr Düffert, mit dem neuen RND Digital Hub wollen Sie im Netz mit den großen Digitalmarken wie Bild, Focus, Spiegel oder T-Online konkurrieren. Wie wird sich RND.de von den Platzhirschen unterscheiden?

Thomas Düffert: Die Platzhirsche sind die Platzhirsche. Es ist nicht unser Ansatz, einer der großen nationalen Marken den Platz streitig machen zu wollen. Was wir uns gefragt haben ist, ob wir als Verbund von regionalen Qualitätszeitungen in der jetzigen Konstellation unsere überregionalen Inhalte maximal sichtbar ausspielen. Die Antwort ist: Nein, das tun wir nicht.

kress.de: Was heißt das genau? 

Thomas Düffert: Die gedruckte Auflage der Madsack-Titel ist ungefähr genauso hoch wie die von "FAZ", "SZ" und "Welt" zusammen. Mit unseren Partnern im RedaktionsNetzwerk Deutschland ist sie sogar doppelt so hoch. Unsere digitale Reichweite hingegen ist nur ein Bruchteil davon. Wir sehen auf Basis unserer hohen Gesamtauflage und auf Basis der sehr guten journalistischen Leistungen des RND im Überregionalen also durchaus Potenzial. Die Unterscheidbarkeit wird sich durch ein geschicktes Zusammenspiel von regionalen Markenportalen und überregionalen Inhalten auf RND.de ergeben. Ich glaube, da haben wir einen strukturellen Vorteil, der interessant sein könnte.

kress.de: Ist denn wirklich noch Platz für eine weitere nationale Medienmarke?

Thomas Düffert: Es wartet 'da draußen' niemand auf das nächste überregionale Portal. Das ist uns klar. Es ist aber auf der anderen Seite bekannt, dass Leser regionaler Tageszeitungen durchaus anspruchsvoll in Bezug auf ihren Nachrichtenkonsum sind, im Regionalen wie im Überregionalen. Das Informationsbedürfnis für hochwertigen Qualitätsjournalismus in digitalen Kanälen wächst massiv. Das sehen wir täglich an den Zugriffszahlen auf den Webseiten unserer regionalen Medien. Wir nehmen also im Prinzip das, was wir haben: ein starkes Redaktionsnetzwerk, einen Verbund, der bewiesen hat, dass er funktioniert, eine große und attraktive Leserschaft sowie ein kreatives und motiviertes Team. Wir finden, das ist im Digitalen eine gute Ausgangslage für ein nationales Online-Nachrichtenportal. Unsere Leser können und sollen gerne bei uns bleiben, auch für überregionalen Content.

kress.de: Die digitale Kompetenz von Madsack soll zukünftig in Hannover gebündelt werden. Was passiert mit den Digital-Redakteuren, die bislang für die einzelnen Online-Auftritte zuständig sind?

Thomas Düffert: Unsere Digital-Redakteure bei den regionalen Medienmarken haben in den vergangenen Jahren eine starke Aufbauarbeit im Digitalen geleistet. Wir setzen auf die Kollegen, auch in diesem überregionalen Konzept mitzuwirken. Wer Lust hat, bei einem der spannendsten redaktionellen Digital-Projekte der letzten Jahre mitzumachen, ist herzlich willkommen, sich zu bewerben. Intern wie extern."

kress.de: Madsack gilt immer noch vor allem als klassisches Zeitungshaus mit viel Kompetenz im Printbereich. Bedeutet der "RND Digital Hub" eigentlich, dass Sie nicht mehr daran glauben, bei der gedruckten Tageszeitung zu wachsen?

Thomas Düffert: Wir glauben an die Stärke eines Verbundes von regionalen Qualitätsmedien. Print genauso wie Digital.

Die Fragen an Thomas Düffert, Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung der Madsack Mediengruppe, stellte kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

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