Stellenboom bei Madsack und Handelsblatt - Für DJV-Überall "prinzipiell gutes Zeichen"

 

Mehr als 150 neue Stellen wollen die Handelsblatt Media Group und die Madsack Mediengruppe schaffen, auch Redakteure werden dabei gesucht. Für die Entscheider in den Medienhäusern steht fest, dass sie gerade im Digitalgeschäft aufrüsten müssen. So sind auch bei Axel Springer aktuell 650 Stellen zu besetzen, vor allem in der Entwicklung, aber auch in Redaktion und Verkauf. DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall sieht die Stellen-Offensiven "prinzipiell als gutes Zeichen".

Nach dem spektakulären Rauswurf von Herausgeber Gabor Steingart gab es in dieser Woche endlich wieder gute Nachrichten aus Düsseldorf. "Die Handelsblatt Media Group ist auf Wachstumskurs und investiert in den Ausbau neuer Geschäftsfelder", freut sich Frank Dopheide, Geschäftsführer der Handelsblatt Media Group. Zu den offenen Positionen zählen dabei unter anderem Grafiker, Web-Designer, Konzepter, Entwickler, Social Media- und Video-Redakteure, Content-Manager, Salesforce-Spezialisten sowie Projekt- und Produktmanager. "Während andere Unternehmen Personal abbauen, stellen wir ein - insbesondere in den Bereichen Digitale Transformation, Vermarktung und Journalismus Live. Dafür suchen wir neue, kreative Köpfe", so Dopheide.

Auch in Hannover wird massiv in eine neue digitale Einheit, den "RND Digital Hub", investiert, der die digitale Drehscheibe des Redaktionsnetzwerks Deutschland werden soll, von der aus die journalistischen Inhalte der Redakteure ausgespielt werden. "Ganz wichtig ist dabei die Zusammenarbeit des RND Digital Hub mit den Lokalredaktionen unserer Titel: die Geschichten entstehen vor Ort, dort wird recherchiert und geschrieben. Die Bündelung der Produktion an einem Digital Hub sorgt dann gruppenübergreifend für ein optimales Ausspielen der Inhalte, auch weil wir uns im Verbund schlagkräftige und stark besetzte Expertenteams mit Spezialisten zum Beispiel für SEO, Social Media und Video leisten können, deren Know-how allen Titeln zu Gute kommt", erklärt der Konzern auf kress.de-Nachfrage.

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) zählt zu den größten redaktionellen Netzwerken bundesweit und beliefert mehr als 40 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von 1,5 Millionen Exemplaren täglich. Rund 60 Redakteure kümmern sich für die 15 regionalen Tageszeitungsmarken aus dem Verbund der Madsack Mediengruppe sowie für die externen Partner um die überregionale Berichterstattung. 

Noch steht allerdings nicht fest, wer den RND Digital Hub tatsächlich führen soll. Der oder die Führungskraft soll eine starke Persönlichkeit sein, "die sowohl journalistische Exzellenz als auch digitale Kompetenz mitbringt, um den RND Digital Hub zu einer der führenden Adressen für digitalen Journalismus zu machen", heißt es in Hannover.

Bei Madsack gehen die Entscheider davon aus, dass die einzelnen Redaktionen im Verbund vom RND Digital Hub profitieren werden. Dafür sollen die lokalen journalistischen Inhalte unverändert vor Ort erstellt werden und dann dem RND Digital Hub zur Verfügung gestellt werden. Dort passiert dann das digitale Umsetzen.

Lokal vor Ort soll es nach kress.de-Infos dagegen keine eigenständigen Onlineredaktionen geben, die Online-Redakteure können sich aber für den RND Digital Hub bewerben, betont Madsack-Chef Thomas Düffert im kress.de-Gespräch. Die redaktionelle Verantwortung für die regionalen Zeitungsportale bleibe bei den jeweiligen Chefredakteuren. 

Dass auch in weiteren Medienhäusern massiv neues Personal gesucht wird, macht das Beispiel Axel Springer deutlich. Im Interview mit kress pro (die neue Ausgabe 2/2018 erscheint kommende Woche) verrät Axel Springers neuer Personalchef Florian Klages, dass es in dem Konzern etwa 650 offene Stellen gebe, die das Unternehmen aktuell besetzen müsse.

Überall: "Das darf nur der Anfang sein"

Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands, sieht in den Stellen-Offensiven "prinzipiell ein gutes Zeichen". Überalls Sorgen: "Bei Madsack befürchte ich allerdings, dass die Regional-Redaktionen ausbluten, und beim Handelsblatt ist mir nicht ganz klar, wie viel Journalismus in den ausgeschriebenen Positionen wirklich steckt." 

Überall, selbst freier Journalist und Professor in Köln, hofft am kress.de-Telefon, dass die "Medienhäuser begriffen haben, wie wichtig professionell erstellte Inhalte auf einem schwierigen Markt sind. Die Zeit der Sparrunden muss vorbei sein - man muss im Kampf um die besten Köpfe für die Redaktionen darauf setzen, den Beruf Journalismus wieder attraktiv zu machen", fordert er die Verleger zu weiteren Neueinstellungen "zu anständigen Konditionen" auf: "Weil man Redaktionen in den vergangenen Jahren aber personell hat ausbluten lassen, darf das nur der Anfang sein. Guter Journalismus kostet eben Geld - das müssen Medienunternehmen wieder lernen, und das müssen auch die Rezipienten akzeptieren", fordert Frank Überall.

kress.de-Tipp: Das Jobangebot von kress.de wird täglich aktualisiert. Die neuen Angebote und eine wöchentliche Übersicht können als eigener Job-Newsletter abonniert werden. Zudem gibt es den "Job des Tages", der von der kress.de-Redaktion ausgewählt wird.      

Sie haben einen Top-Job im Angebot? Hier können Sie inserieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.