Wie Dario Nassal mit The Buzzard Politik-Interessierten aus der Filterblase helfen möchte

 

Der Bussard behält den Überblick. Und doch registriert er die hektischen Geräusche – neudeutsch: den "Buzz" – auf dem Boden. Wenn er es für geboten hält, stürzt sich der Bussard hinab. Nur, dass Dario Nassal keine Jagd auf Mäuse macht. Er interessiert sich für den Weltfrieden, die USA unter Trump, Flucht und Migration oder den Rechtspopulismus. Im Gespräch mit "kress pro" erklärt der Gründer, wie er Verlagen helfen möchte.

Auf der von ihm gemeinsam mit Co-Gründer und Co-Geschäftsführer Felix Friedrich aufgebauten Website mit dem in doppelter Hinsicht sprechenden Namen The Buzzard kuratieren die beiden Politikwissenschaftler aktuelle Aufregerdebatten - in kuratierter Pro- und Contra-Form mit direkten Links zu den Originalquellen, die oft nicht so ganz leicht aufzufinden sind.

Das Besondere an The Buzzard: Das Angebot beleuchten die Themen dabei strikt von jeweils zwei konträren, sich oft unversöhnlich gegenüberstehenden Seiten. "Wir wollen den Nachrichtenlesern systematisch dabei helfen, aus ihrer Filterblase auszubrechen", sagt Nassal. Ihr gemeinsames Medien-Startup, vorgestellt im gedruckten "kresspro" (10/2017) zieht immer mehr Aufmerksamkeit auf sich und befindet sich aktuell in intensiven Gesprächen mit großen Medienhäusern. Die Gründer beschreiben es etwas vollmundig als "weltweit erster Meinungs-Navigator im Internet". 

Was Nassal und Friedrich, zwei ehemalige Zeitungsjournalisten, informationstechnologisch mit einem überschaubarem Team auf die Beine gestellt haben, zog seit der Gründung schnell neugierige Blicke auf sich. Nach ersten Förderungen, etwa durch das Accelerator-Programm des Media Lab Bayerns oder das Vocer Innovation Lab, sowie Auftritten auf der CEBIT, bei de Re:pu­blica und zuletzt auf den Medientagen München sprang im August 2017 Google neugierig darauf an. The Buzzard wird mit seinem Algorithmus-Projekt – finanziell gefördert mit einer 50.000-Euro-Prototyp-Finanzierung – im Rahmen der Digital News Initiative (DNI) unterstützt. 

Rückenwind gibt die internationale Entwicklung auf dem Medienmarkt: So wurde unlängst bekannt, dass die renommierte "Washington Post" mit dem neuen "Counterpoint"-Modul einen Weg gefunden hat, ihren Lesern zu bestimmten Themen Gegenvorschläge mit entsprechend konträr gelagerten Ansichten zu präsentieren. Dies erhöht, so die bisherige Erfahrung der "Post", nicht nur die Akzeptanz des Blatts bei den Lesern, sondern auch die Verweildauer auf den entsprechenden Online-Seiten.

Auf Deutschland übertragen will The Buzzard Ähnliches leisten: "Verlage können ein Widget von uns bei bestimmten Pu­blikationen wie einzelnen Zeitungen einsetzen, das automatisierte Gegenquellen und Pro- oder Contra-Positionierungen zum Thema anzeigt", so Nassal. Als "Filterbubble-­Burster" bezeichnet er diese Lösung etwas flapsig. Angenehmer Nebeneffekt: "Man zieht mehr User auf die Seiten", sagt er. 

kress.de-Tipp: Wie The Buzzard genau funktioniert, wie sich die Analyse-Tools auch nutzen lassen, um Leser-Stimmungen auszuwerten und Trends - etwa auch für Unternehmenskunden - zu prognostizieren und welche Geschäftsmodelle das Angebot aktuell aufbaut, erfährt man ausführlich in einem detaillierten "Case" im gedruckten "kresspro" (10/2017). Die Ausgabe gibt es in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk. Per E-Mail kann sie unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden. "kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo.

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