Sport1-Chef Olaf Schröder: "Wir haben Darts extrem nach vorne gepusht"

 

Olaf Schröder, Vorstandsvorsitzender der Constantin Medien und Sport1-Chef, hat mit seinem Sender aus München-Ismaning ein turbulentes Jahr hinter sich. Beinahe wäre Sport1 verkauft worden, dann gingen ihm im Lizenz-Poker auch noch die Ausstrahlungsrechte für die Spiele der Europa League verloren. Im Interview mit "kress pro" spricht Schröder über seine Ziele mit der aufstrebenden Sportart Darts.

kress pro: Herr Schröder, ab der kommenden Saison wechselt die Europa League zum RTL-Sender Nitro. Ein schmerzhafter Verlust. In den vergangenen Spielzeiten hatte sie Ihnen einen deutlichen Quoten-Sprung gegeben.

Olaf Schröder: Da haben uns auch Dortmund, Schalke oder Gladbach sehr geholfen. Man darf aber bei der gesamten Diskussion auch nicht die berechtigte Kritik am Abschneiden vieler deutscher Klubs in der Europa League nicht vergessen, die ihren internationalen Ansprüchen nicht gerecht wurden. Hertha BSC, Hoffenheim und der 1. FC Köln etwa sind in der laufenden Saison schon in der Gruppenphase ausgeschieden. Viele Bundesliga-Teams, die dort teilnehmen, haben oft eine tolle Saison in Deutschland gespielt. Ihr Fokus lag aber in der folgenden Spielzeit oft auf dem Klassenerhalt. Da verschiebt sich oft die Priorität der einzelnen Vereine, die auf internationaler Ebene in der Europa League eigentlich einen besseren Eindruck hinterlassen sollten.

kress pro: Bringt die Liga also für den Senderchef zu wenig?

Olaf Schröder: Die Europa League ist ein tolles Produkt. Aber die Wahrheit ist, dass die ProSiebenSat.1-Gruppe bis 2015 sechs Jahre lang nicht wirklich Glück mit dem Abschneiden der deutschen Mannschaften hatte. Wir hatten 2016 Dortmund und in der vergangenen Saison Schalke im Viertelfinale. Vielleicht haben wir dieses Jahr mit Leipzig das Glück, ein Halbfinale oder sogar ein Finale zu erleben. Erst dann macht so ein Recht auch wirtschaftlich richtig Spaß. Ich bin natürlich trotzdem dankbar für die Europa League. Und ich glaube auch, dass wir im Vergleich zu unserem Vorgänger...

kress pro: ... bei ProSiebenSat.1, also meist bei kabel eins ...

Olaf Schröder: ... mehr herausgeholt und die Europa League durch unsere umfassende Abbildung wieder positiver aufgeladen haben: Wir haben die Spiele in einen umfangreichen Vorlauf und Nachlauf mit Analysen, Interviews und Highlights eingebettet. Und mit einer schönen Berichterstattung rund um die Spiele auf unseren Digital- und Social-Media-Plattformen. Unser Sport1-Team kann sich auf die Fahne schreiben, aus der Europa League wieder ein hervorragendes, über den Spieltag hinaus die ganze Woche über crossmedial präsentes Produkt gemacht zu haben. Jetzt müssen nur noch die deutschen Klubs ihren Teil beisteuern für neue Erfolgsgeschichten.

kress pro: Aber dann haben Sie das Produkt immerhin für Nitro aus der RTL-Gruppe vorgewärmt.

Olaf Schröder: Auch Nitro ist in der nächsten Saison, genauso wie ProSiebenSat.1 damals und wir, davon abhängig, wer sich auf Platz fünf und sechs der Bundesliga tummelt. Platz eins bis vier ist ab der neuen Saison für die Champions League gesetzt. Nitro muss sich mit den beiden Klubs auf den Plätzen dahinter beweisen und wirtschaftlich erfolgreich sein. Ich bin mir sicher, dass man sich in Köln der Herausforderung bewusst ist - und wünsche den Kollegen für ihr Engagement auch den maximalen sportlichen Erfolg.

"Mit unseren Darts-Übertragungen spielen wir im Konzert der Großen um ihre Marktanteile mit"

kress pro: Zuletzt konnten Sie erneut mit fliegenden Pfeilen Top-Quoten einfahren. Ab wann konnte man denn eigentlich ahnen, dass Darts-Events zu Party-Pflichtterminen für Sportfans werden würden?

Olaf Schröder: Wir übertragen Darts ja schon seit 2004. Damals war eine solche Erfolgsgeschichte noch nicht absehbar. Aber wir haben die Sportart in den vergangenen Jahren mit der ganzen crossmedialen Power unserer 360°-Sportplattform extrem nach vorne gepusht. Mittlerweile ist ein regelrechter Hype entstanden, was wir vor allem bei unseren Übertragungen von der Weltmeisterschaft ab Mitte Dezember bis Anfang Januar erleben - mit neuen Rekord-Reichweiten von über 2 Millionen Zuschauern im Schnitt beim Finale. Ich würde mir wünschen, dass wir dieses Niveau im nächsten Jahr toppen. Es würde wirtschaftlich aber schon reichen, wenn wir die Werte aus diesem Jahr halten. Darts ist eine Sportart, bei der sich Begeisterung unabhängig davon einstellt, wie weit die deutschen Starter kommen. Mit unseren Darts-Übertragungen spielen wir im Konzert der Großen um ihre Marktanteile mit.

"Ich glaube an Boxen in Deutschland"

kress pro: Für die laufende Saison und darüber hinaus kommen 2018 noch 20 Box-Kämpfe am Samstag durch den Deal mit dem Sauerland-Stall dazu. Bringt das was?

Olaf Schröder: Das war eine Gelegenheit, bei der wir in der Tat schnell zuschlagen mussten. Ich glaube an Boxen in Deutschland. In den vergangenen Jahren hatten wir immer wieder kleinere Veranstaltungen ins Programm genommen, die auch ordentlich liefen. Und dann kam auf einmal dieses Paket auf den Markt.

kress pro: In einer Phase, die gar nicht so leicht scheint für das deutsche Boxen.

Olaf Schröder: Der Boxsport befindet sich in Deutschland im Umbruch, dadurch dass viele "Legionäre" jetzt aufhören. Aber es kommen viele neue, deutsche Talente auf den Markt, mit denen wir bei Sport1 wieder Akzente setzen wollen - so wie wir das einst mit Regina Halmich, Axel Schulz und auch den Klitschkos getan hatten. Wir verfügen über ein herausragendes Experten-Team - unter anderem mit Regina Halmich, Axel Schulz oder Graciano Rocchigiani - und mit Kai Ebel und Sarah Valentina über ein tolles Moderatoren-Duo. Ganz besonders freue ich mich über die Rückkehr von Tobias Drews - der deutschen Box-Stimme. Er hat sein Handwerk ja einst bei uns im Haus gelernt. Für die Programmierung der Samstage tut uns das gut: Wir haben in der Primetime pro Jahr 20 große Box-Events mit jeweils vier Live-Stunden und fünf Fights im Schnitt - macht in Summe rund 100 Boxkämpfe pro Jahr und 80 neue Stunden Live-Sport. Stichwort Live-Stunden: Mit Boxen fangen wir auch den Wegfall der Live-Stunden der Europa League auf. Dazu kommt donnerstags jetzt auch noch live die Premier League Darts. Bei der gibt's mit der Europa League bislang oft noch Kollisionen.

kress pro: Wie viel Image-Gewinn versprechen Sie sich vom Boxen?

Olaf Schröder: Es ist eine Chance: Wir wollen Boxen wieder zu der Sportart machen, die sie mal war in Deutschland. Es ist ja eine sehr beliebte, massentaugliche Sportart - weit vor Kickboxen oder Ultimate Fighting: Boxen ist nach einer Umfrage der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse die beliebteste Sportart in Deutschland nach Fußball - rund zehn Millionen Deutsche interessieren sich für diesen Sport. Auch im Freizeitbereich boomt Boxen und gilt als Trend-Workout, die Gyms sind hoch frequentiert. Mir ist wichtig, dass es beim Boxen auf Sport1 um den Sport geht. Ich möchte nicht, dass wir 20 Minuten lang den Einlauf zeigen und dann nur sechs Minuten geboxt wird. Das ist auch unser Anspruch an Team Sauerland, was Gegnersuche und Fight Card angeht.

kress.de-Tipp: Das vollständige Interview mit Olaf Schröder lesen Sie im neuen gedruckten "kress pro" (2/2018). Darin spricht der Sport1- und Constantin-Medien-Chef auch viel über die Herausfordungen, seine Mannschaft im angespannten Jahr der Aktionärs-Schlacht um Sport1 bei der Stange zu halten und über die Auseinandersetzung mit den teilweise sehr aggressiv auftretenden neuen Playern auf dem Sportmarkt wie DAZN, dem Eurosport Player oder Amazon. Die Ausgabe gibt es in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk. Per E-Mail kann sie unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden.

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo.

Zur Person: Bereits 1993, als sich die private Senderlandschaft erst so langsam entwickelte, schnupperte der gelernte Industriekaufmann Olaf Schröder, Jahrgang 1971, über ein Praktikum in die damalige Außenredaktion des Sport1-Vorläufers DSF herein – und fand schnell Gefallen an den neuen Aufgaben. Schon bei einem seiner ersten redaktionellen Einsätze – ausgerechnet auf einer Reitsportveranstaltung – machte sich Schröder, der heute in München lebt, verdient. Er traf dort den Fußballstar Bernd Schuster, der selbst Pferdeliebhaber ist, und brachte interessante Kicker-News zurück in die Redaktion. Schröder blieb beim DSF, wo er zunächst Produktmanager, später Projektleiter wurde. So betreute er die Sportarten Fußball, Handball, Basketball und Volleyball. Im Jahr 2010 übernahm er als Abteilungsleiter Fußball Verantwortung für sämtliche Fußball-Sendungen und -Formate des Senders, der dann Sport1 hieß. 2012 wurde Schröder zum Chefredakteur und Programmdirektor befördert. Erstmalig in die Geschäftsführung rückte er 2013 auf, parallel zu seinen Pflichten als Programmdirektor. Zum 1. Oktober 2014 wurde Olaf Schröder Vorsitzender der Geschäftsführung der Sport1 GmbH. Zum 1. Januar 2016 wurde er als Vorstand Sport in das Führungsgremium der Constantin Medien AG berufen. Seit 25. August 2017 ist er dort Vorsitzender des Vorstands der Constantin Medien AG und weiterhin Vorsitzender der Geschäftsführung der Sport1 GmbH.

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