Die wichtigsten Erfahrungen der "Rheinischen Post" mit WhatsApp

22.03.2018
 

128 deutsche Zeitungen haben einen WhatsApp-Kanal, vier Mal so viele wie vor zwei Jahren. Die "Rheinische Post" ist bereits seit Mai 2015 dabei. Digitalstratege Daniel Fiene im "kress pro"-Case über das WhatsApp-Konzept der "RP" und Erfahrungen, die auch für andere Medien relevant sind.

Zwei Fragen zu Beginn: Haben Sie einen WhatsApp-Account? Nutzen Sie ihn täglich? Wenn die Antwort zweimal ja lautet, befinden Sie sich in guter Gesellschaft: 1,5 Milliarden Menschen weltweit haben die grüne App mit dem altmodischen Telefonhörer im Logo auf ihren Smartphones installiert. 70 Prozent davon sind täglich online. In Deutschland liegt die Zahl der aktiven Nutzer inzwischen bei 40 Millionen Menschen, wie WhatsApp-Manager Matt Idema Anfang Februar der "Bild"-Zeitung sagte. Eine gigantische Reichweite - und eine hochspannende Zielgruppe für Medienhäuser.

Die Zugkraft des zu Facebook gehörenden Messengers ist von den Medien lange unterschätzt worden. Schon seit Jahren ist die App fester Bestandteil der Alltagskommunikation in Deutschland. Doch erst 2017 erklärten der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und die Unternehmensberatung Schickler WhatsApp-Newsletter zum großen Medientrend. In ihrer jährlichen Umfrage unter Verlegern und Geschäftsführern der Zeitungsbranche kamen sie zu dem Schluss, dass WhatsApp das größte Steigerungspotenzial für Social Distribution biete, und bescheinigten dem Messenger eine "hohe strategische Relevanz".

Ein Blick auf die Branche bestätigt das. 128 deutsche Zeitungen unterhalten derzeit einen eigenen WhatsApp-Kanal (Stand Januar 2018). Vor zwei Jahren waren es erst 35. Die Zahlen gehen aus einer Liste hervor, die BDZV-Digitalleiter Holger Kansky angelegt hat. WhatsApp und die Medien - das ist keine Liebesheirat. Es hat eher etwas von einer heimlichen Affäre, die nach vielen Auf und Ab, nach Rückschlägen, Auszeiten und unausgesprochenen Agreements nun endlich kurz vorm "Coming out" stehen könnte. Es ist die Geschichte einer "Hassliebe", wie Daniel Fiene sagt. Fiene, Leiter Digitalstrategie und Head of Audience Engagement bei der Rheinischen Post in Düsseldorf, kann sie aus eigener Erfahrung erzählen. Der Mittdreißiger, in der Branche als experimentierfreudiger Kenner des Social Web bekannt, startete schon recht früh, nämlich im Mai 2015, den WhatsApp-Kanal von "RP Online". Das Konzept: zweimal werktäglich Newsletter mit Anreißern und Links zu aktuellen Regionalnachrichten. Außerdem ein eigener Kanal für Sport. Was folgte, lässt sich laut Fiene in vier Phasen zusammenfassen:

Phase 1: Der manuelle Test

Am Anfang stand ein kurzer Aufruf auf der Facebook-Seite von RP Online. "Wir suchen Tester für unseren neuen WhatsApp-Service. Seid Ihr dabei?" Das Redaktionshandy war präpariert - und hörte 23 Stunden lang nicht mehr auf zu vibrieren. 1.200 Anmeldungen gingen ein. Daniel Fiene weiß noch, wie er die Telefonnummern in mühseliger Kleinarbeit in die Kontaktliste einpflegte. Das Handy gelangte dabei schnell an seine Grenzen. 256 Telefonnummern kann man mit einem sogenannten "Broadcast" erreichen - mehr geht nicht, da WhatsApp für die Bedürfnisse von Privatnutzern entwickelt wurde. Allein die Erstanmelder füllten fünf Listen - jede Nachricht musste also fünfmal verschickt werden. "Das war sehr pflegeintensiv", erzählt Fiene. Probleme machte auch WhatsApps Spamschutz: Will man mehr als 1.000 Menschen gleichzeitig eine Nachricht vom selben Handy schicken, blockiert der Dienst einen Teil der Empfänger. Bis heute bietet WhatsApp keinen entsprechenden Service für Großkunden oder auch nur offizielle Ansprechpartner in Europa an. Damals war die Nutzung der App für nicht-private Zwecke genau genommen sogar illegal. Erst 2016 lockerte der Dienst seine AGB.  

kress.de-Tipp: Die weiteren drei Phasen des WhatsApp-Einsatzes bei der "Rheinischen Post" erläutert Anna von Garmissen im aktuellen "kress pro". In dem Case wird auch detailliert beschrieben, wie der perfekte WhatsApp-Newsletter aussehen sollte und welche Erfahrungen die "RP" mit der Vermarktung auf WhatsApp sammelte. Die "kress pro"-Ausgabe gibt es in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk. Per E-Mail kann sie unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden.

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo

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