Wie Tageszeitungsverlage als CP-Dienstleister Erfolg haben können

 

Tageszeitungsverlage haben das Geschäft mit Kundenmedien für sich entdeckt. Wer im Corporate Publishing oder Content Marketing erfolgreich sein will, muss es eigenständig organisieren, aber zugleich Ressourcen und Möglichkeiten des Verlags für sich nutzen. "kress pro" analysiert in einem Case die Strategien von vier Zeitungshäusern.

Zeitungsverlage haben als Experten für journalistische Inhalte eine natürliche Nähe zu Corporate Publishing und Content Marketing. Sie müssen sich aber auch mit neuen und starken Wettbewerbern auseinandersetzen. Vor allem die Zeitschriftenverlage haben ihre einschlägigen Tochterunternehmen in den vergangenen Jahren erheblich aufgerüstet.

Eine Analyse von "kress pro" zeigt, wie Tageszeitungsverlage trotz des scharfen Wettbewerbs in dem Geschäftsfeld Erfolg haben können: Um ihre journalistische Unabhängigkeit nicht zu gefährden, müssen sie das CP-Geschäft von ihren Redaktionen trennen. Zugleich sind ihre CP-Einheiten aber auf Zugänge, Ressourcen und Möglichkeiten des jeweilgen Mutterhauses angewiesen.

Wie das aussehen kann, zeigt das Beispiel Now-Medien, Bielefeld. Das Tochterunternehmen der "Neuen Westfälischen" ("NW") und des Verlags der "Neuen Osnabrücker Zeitung" ("NOZ"), ist seit der Gründung im Jahr 2013 stark gewachsen: Die Zahl der festen Mitarbeiter hat sich fast verdreifacht, auf knapp 40. Wichtigste Kunden der Agentur mit Hauptsitz in Bielefeld sind die beiden Gesellschafter selbst: Now-Medien produziert für sie Verlagsprodukte, zumeist solche, die keine regionalen Besonderheiten haben wie zum Beispiel ein Wochenendmagazin für "NW" und "NOZ" und Autoseiten. Die beiden Zeitungshäuser sparen Geld, indem sie diese Publikationen nicht jeweils allein erstellen, sondern gemeinsam stemmen. Nach Angaben von Geschäftsführer Michael Nolting tragen Verlagsprodukte mit etwa 60 Prozent zum Umsatz von Now-Medien bei. Sie sorgten für das "Grundrauschen" in der Agentur und ermöglichten es ihr, den nötigen Apparat aufzubauen und zu unterhalten, um auch bei externen Kunden zu reüssieren.

Die Agentur hat bei den Verlagsprodukten noch Wachstumspotenzial: Vor zwei Jahren hat ihr Gesellschafter NOZ Medien die Medienholding Nord mit gut 30 Zeitungen in Norddeutschland gekauft, und es ist naheliegend, dass sie auch dort als Dienstleister ins Spiel kommt. Während Now-Medien für die Gesellschafter kostendeckend arbeitet, geht es im Geschäft mit externen Kunden vor allem ums Geldverdienen. Die Agentur hat sich binnen fünf Jahren ein ansehnliches Portfolio aufgebaut: Zu den Kunden gehören größere Unternehmen und Institutionen aus der Region, so der Bielefelder Kosmetik- und Pharmakonzern Alcina, das Evangelische Klinikum Bethel, die ostwestfälische IHK und die Astoria Kreuzfahrten-Zentrale in Osnabrück. Auch kleinere Mittelständler sind willkommen. Das kann zum Beispiel ein Juwelier sein, der sich eine professionelle Website zulegen will.

Print steht noch im Mittelpunkt des Geschäfts von Now-Medien, Nolting & Co. wollen aber in ihre digitalen Fähigkeiten investieren. Bereits jetzt betreiben sie zum Beispiel ein internes Blog für eine Krankenkasse. Mit der Kombination von Verlagsprodukten und Dienstleistungen für externe Kunden ist Now-Medien nach Noltings Angaben profitabel. Genaue Zahlen nennt er nicht. Eine wichtige Erfolgsvoraussetzung sei die relative Autonomie von den Muttertiteln, sagt er: "Das Corporate-Publishing-Geschäft funktioniert nicht, wenn es eng an Redaktionen angedockt ist. Man braucht dafür Selbstständigkeit, um schnell, flexibel und kreativ agieren zu können."

kress.de-Tipp: Wie die Mediengruppe Main-Post, der Tagesspiegel-Verlag und Fazit Communication das Thema Corporate Publishing angehen, steht in einem Case in der aktuellen "kress pro"-Ausgabe 2/2018. Die Ausgabe gibt es in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk. Per E-Mail kann sie unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden. "kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. Zum "kress pro"-Abo

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