"Wir fragen unsere kressköpfe": Warum Vernon von Klitzing der neue Blackwood-Seven-Job noch etwas unheimlich ist

 

Von den heißen Hasen zu den heiß laufenden Rechenmaschinen: Vernon von Klitzing steuert die Deutschland-Niederlassung von Blackwood Seven, ursprünglich angetreten als Schreckgespenst für die Media-Branche, auf einen neuen Kurs. Neues Ziel: mehr Media-Optimierung, weniger Agenturgeschäft. Das geht soweit, dass der ehemalige "Playboy"-Chef sich jetzt sogar nach und nach von wichtigen Bestandskunden trennt.

kress.de: Herr von Klitzing, lange Jahre sah man Sie auf Fotografien umgeben von "Playboy"-Bunnies. Ist Ihnen der Abschied vom Glamour-Geschäft nicht recht schwergefallen?

Vernon von Klitzing: Das stimmt, ich war lange beim "Playboy" und konnte hier sehr viel bewegen und hatte auch eine super Zeit mit einem tollen Team. Doch wie heißt es so schön: "Man soll gehen, wenn es am schönsten ist".

kress.de: Seit vergangenem Jahr arbeiten Sie für Blackwood Seven, seit kurzem sogar als Managing Director. Warum hat Sie gerade ein IT-, tatsächlich sogar KI-getriebenes Unternehmen als neue Herausforderung gereizt?

Vernon von Klitzing: Ich sehe tatsächlich einige Parallelen zu meiner Anfangszeit bei Focus Online – Blackwood Seven hat sich neu ausgerichtet und stellt etwas auf die Beine, das es so noch nicht in der Branche gibt. Daher freue ich mich, dabei sein zu dürfen und auch noch etwas dazulernen zu können.

 "Die hohe Prognosegenauigkeit unserer Plattform ist mir auch heute noch etwas 'unheimlich'"

kress.de: Das Geschäftsmodell von Blackwood Seven, obwohl allem Anschein nach mittlerweile gut auf dem deutschen Markt etabliert, ist noch immer erklärungsbedürftig. Wie lange haben Sie gebraucht, um es für sich selbst greifbar zu machen?

Vernon von Klitzing: Zuallererst hatte ich eine sehr gute Einarbeitung. Aber klar, während manche Zusammenhänge sich recht schnell erschließen, brauchen andere ihre Zeit. Besonders die hohe Prognosegenauigkeit unserer Plattform ist mir auch heute noch etwas "unheimlich".

kress.de: Als Blackwood Seven den deutschen Markt betrat, schlug Ihrem neuen Haus zunächst Bewunderung als erklärter Disruptor, aber natürlich auch Misstrauen entgegen. Inwieweit muss es Ihr Ziel sein, Aufklärungsarbeit zu leisten und Vertrauen zu generieren?

Vernon von Klitzing: Das sogenannte Marketing Mix Modeling wird schon fast 20 Jahre betrieben und kontinuierlich weiterentwickelt. Daher ist es nur verständlich, dass neue Verfahren anfangs mit Skepsis betrachtet werden. Die Nutzung der neuen Verfahren wurde erst durch die stete technische Entwicklung überhaupt möglich. Aufgrund dessen ist es für uns wichtig, zu erklären, was wir genau machen und wo der Unterschied zu den bestehenden Verfahren liegt.

kress.de: Im Laufe Ihrer Karriere haben Sie nicht oft als Digital-Pionier gewirkt, sondern – wie zu hören ist – auch selbst früh eigene Unternehmensgründungen mit Programmier-Leistungen erwogen. Wie sehr hilft Ihnen diese Denkweise für die neuen Aufgaben?

Vernon von Klitzing: Ich arbeite bereits seit 1998 im digitalen Bereich. Während meines Studiums habe ich mit einem Freund eine Firma gegründet. Unser Produkt war eine Druckkalkulationssoftware für kleine und mittelgroße Druckereien. Auch dort gab es bereits bestehende, tradierte Unternehmen auf dem Markt, die uns nicht mit offenen Armen empfangen haben. Unser USP war aber, dass die Kalkulationssoftware auf dem Mac OS lief, mit dem die Druckereien ihr Desktop Publishing machten. Bei der Programmierung war es wichtig, frühzeitig die Kundenwünsche aufzugreifen und nicht am Markt vorbei zu entwickeln.

kress.de: Zuletzt war von einer Fokussierung des Geschäftsmodells von Blackwood Seven zu hören. Soll das heißen, dass die ursprüngliche Zielsetzung, selbst als neuer Agentur-Anbieter den Media-Markt aufzumischen, so bislang nicht ganz aufging?

Vernon von Klitzing: Basis für den Markteintritt von Blackwood Seven in Deutschland war die Übernahme der Mediaagentur Booming. Somit bestand das Geschäft aus den Geschäftsfeldern Mediabetreuung und der Mediaoptimierung. Im weiteren Verlauf legten unsere Investoren aber den Fokus auf unser SaaS-Produkt. Somit kann hier nicht ausschließlich die Rede davon sein, dass etwas nicht ganz aufging.

kress.de: Immer mehr Anbieter drängen in den Markt der Media-Beratungsdienstleistungen. Inwieweit hat Blackwood Seven aus Ihrer Sicht einen Vorsprung?

Vernon von Klitzing: Es ist nur verständlich, dass immer mehr Anbieter in ebendiesen Markt wollen, da dieser große Potenziale birgt. In unserem Produkt steckt eine mehrjährige Entwicklungsarbeit und eine steile Lernkurve aus den Erfahrungen und Wünschen unserer Kunden.

"Wir trennen uns gerade einvernehmlich von allen bestehenden Kunden"

kress.de: Was bedeutet die behutsame Neu-Fassung der Ausrichtung von Blackwood Seven für bestehende Kundenbeziehungen – etwa die Arbeit für Volkswagen?

Vernon von Klitzing: Wir trennen uns gerade einvernehmlich von allen bestehenden Kunden. Das heißt,  wir lassen unsere Verträge auslaufen oder finden zusammen mit dem Kunden eine neue Lösung. Die Zusammenarbeit mit Volkswagen ist sehr gut. Bis Ende 2017 haben wir neben der Mediaoptimierung auch die Kanäle Search, Social und Real-Time-Bidding betreut. Nun fokussieren wir uns bei Volkswagen auf die Mediaoptimierung.

kress.de: Nimmt man Ihre Position als Vice President Value & Trading bei Sky im ersten Halbjahr 2017 dazu, haben Sie jetzt Erfahrungen in fast allen Medien-Unternehmensgattungen gesammelt. Warum diese dezidierten Wechsel weg von Print?

Vernon von Klitzing: Während meiner Zeit bei Hubert Burda Media habe ich nicht nur Bäume abgeholzt. Unter der Marke Playboy konnte ich bereits die unterschiedlichsten Erfahrungen in den Bereichen Mobile, Paid Content, E-Commerce, Merchandising, VOD, Sponsoring, Events und anderen sammeln. Für mich war ein Wechsel auf Kundenseite oder zu einem Dienstleister beziehungsweise einer Agentur immer eine Option.

"Im Laufe der Zeit lernt man, dass bei einer Verhandlung nicht jedes Gefecht gewonnen werden muss"

kress.de: Wenn Sie auf Ihre eigene bisherige Karriere zurückblicken: Wo haben sie am meisten gelernt und was hilft beim zähen Verhandeln, aber auch beim Kompromisse-Machen?

Vernon von Klitzing: Menschlich habe ich viel bei der Fusion der Firmen Focus Digital und Tomorrow Internet gelernt. Dabei trafen zwei Firmen mit gleichen Strukturen und Mitarbeiterqualifikationen aufeinander. Die letzten Jahre bei Playboy waren stark durch die digitale Transformation und die notwendigen Veränderungsprozesse geprägt. Verhandeln habe ich unter anderem von unseren internationalen Lizenzpartnern gelernt. In der Regel standen in den Vertragsentwürfen nie die Inhalte, auf die wir uns in der Verhandlung geeinigt hatten. Im Laufe der Zeit lernt man dann auch, dass bei einer Verhandlung nicht jedes Gefecht gewonnen werden muss.

kress.de: In vergleichsweise kurzer Zeit haben Sie sich zuletzt mehrfach in neue Unternehmen eingearbeitet. Welche Fähigkeiten helfen bei solchen teilweise doch tiefgreifenden Herausforderungen, sich gedanklich neu anzupassen?

Vernon von Klitzing: Ich gehe offen auf Menschen zu und versuche, möglichst schnell von ihnen zu lernen. Durch meine lange Internatszeit habe ich früh gelernt, mich immer wieder auf neue Menschen und Gegebenheiten einzustellen und eben auch meinen Platz innerhalb einer Gruppe zu behaupten.

"Ein persönlicher Coach hat mir bei meiner Neuausrichtung geholfen" 

kress.de: Wie bewerkstelligt man persönlich spannende Job-Wechsel? In wie weit haben Sie sich dabei beraten lassen?

Vernon von Klitzing: Auf Anraten eines befreundeten Headhunters habe ich mir einen persönlichen Coach genommen, der mir bei meiner Neuausrichtung geholfen hat. Besonders das strukturierte Vorgehen und die Methodenkompetenz waren dabei für mich sehr hilfreich.

kress.de: Aktuell dürften Sie nicht nur am Standort München, sondern auch bei Kunden und Partnern sowie nicht zuletzt durch Besuche beim dänischen Blackwood-Seven-Mutterhaus viel unterwegs sein. Wie viel Zeit bleibt da für die Familie und den beruflichen Ausgleich?

Vernon von Klitzing: Ich versuche, die Reisetätigkeiten so zu gestalten, dass ich in der Regel abends wieder zu Hause bin. An den Wochenenden bin ich aktuell selten unterwegs. Bei "Playboy" war das anders, da ich auch am Wochenende viele Veranstaltungen hatte.

kress.de: Wie laden Sie privat Ihre Batterien wieder auf?

Vernon von Klitzing: Viel Zeit mit der Familie und Golf.

kress.de: Sie führen schon länger ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Vernon von Klitzing: Ich nutze alle Plattformen zur Pflege meines Netzwerks.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Vernon von Klitzing: kress.de und "kress pro" unterstützen mich dabei, den Branchenüberblick zu behalten.

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