Das Livestreaming-Portal: Warum junge Gucker voll auf Twitch abfahren

05.04.2018
 

Die einen daddeln, kochen oder basteln vor laufender Kamera, die anderen schauen zu und kommentieren. Daraus hat Twitch ein florierendes Geschäftsmodell entwickelt. "kress pro" mit den wichtigsten Fragen und Antworten zu der Video-Service-Plattform.

"Deutschland ist einer der wichtigsten Märkte für Twitch", sagt Burkhard Leimbrock, seit vergangenem Jahr Deutschland-Chef und Commercial Director Europe. Mit zuletzt 3,7 Millionen Nutzern im Monat komme von Deutschland bereits ein stattlicher Publikumsanteil. "Wir möchten durch unsere Aktivitäten mehr Broadcaster gewinnen, die Anzahl unserer Zuschauer steigern und immer mehr Marken und Agenturen für eine Zusammenarbeit mit Twitch begeistern", betont Leimbrock. Neben der Deutschland-Zentrale in Hamburg wurde ein Büro in Berlin eröffnet. Dort arbeiten neben Chef Leimbrock Werbeverkäufer, Partnership-Manager und Entwickler.  

Was ist und wie funktioniert Twitch?

Twitch ist eine weltweit führende Social-Video-Plattform und Community für Fans von Videospielen. Jeden Tag kommen Millionen Nutzer zusammen, um Inhalte zu streamen, anzusehen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Jeder, der sich registriert, einen schnellen Internetzugang inklusive Mikrofon und Face-Cam hat, kann mit einem Livestream über twitch.tv online gehen und senden.

Wie steht Twitch wirtschaftlich da?

Das Unternehmen beschäftigt weltweit über 1.000 Mitarbeiter. Zu Erlösen und Ergebnis schweigt es. Das amerikanische Marktforschungsinstitut Super Data beziffert in einer Analyse den weltweiten Umsatz mit Gaming-Videoinhalten auf 3,2 Milliarden US-Dollar. Gut die Hälfte davon, rund 1,7 Milliarden Euro, landen demnach bei Marktführer Twitch, während es Youtube auf 22 Prozent Marktanteil bringt. Der entscheidende Unterschied: Fans können bei Twitch ihre Lieblingskanäle und -streamer kostenpflichtig abonnieren, was der Amazon-Tochter laut Analysten etwas mehr als die Hälfte der Erlöse einbringt.

Wie verdient Twitch sein Geld?

Burkhard Leimbrock klingt sehr fürsorglich, wenn er sagt: "Unsere Mission ist, Creator so erfolgreich zu machen, dass sie sich ihren Lebensunterhalt mit der Unterhaltung ihrer Fans verdienen. Und je mehr Zuschauer sie haben, desto erfolgreicher werden sie." Was hat Twitch davon? Alle Erlöse aus Werbung, Abonnements, Spenden landen bei der Plattform, die Teile davon an ihre Produzenten, also Creators, ausschüttet. Also ein klassisches Beteiligungsmodell mit gleichgerichteten Interessen (Zuschauer gewinnen, Umsatz steigern), von dem beide Partner profitieren. Nach Angaben von Partnern behält Twitch zwischen 30 und 50 Prozent der Abogelder ein.

Welche Erlösquellen funktionieren am besten?

Es gilt: Je erfolgreicher der Partner ist, desto besser geht es auch Twitch. Deshalb versucht die Plattform, Möglichkeiten zur Monetarisierung zu verbessern und auszubauen. "Creators verdienen am meisten durch Werbeerlöse und Subscriptions, also Abonnements", sagt Leimbrock. Außerdem können Streamer im eingerichteten Merchandising-Store Tassen, T-Shirts und dergleichen anbieten, Emoticons verkaufen und Spenden einnehmen.

Anderen bei Tätigkeiten am Computer zusehen und mit ihnen kommunizieren - wie ist dieses Phänomen zu erklären?

Burkhard Leimbrock findet das überhaupt nicht seltsam. "Menschen schauen gerne anderen Menschen zu, wenn diese mit echter Leidenschaft bei einer Sache oder einfach richtig gut in dem sind, was sie tun. Vor allem, wenn es um gemeinsame Interessen geht. Der Reiz beim Gaming unterscheidet sich grundsätzlich nicht vom Reiz einer Kochshow für einen Feinschmecker oder einer Fußball-Talkshow für einen Fußballfan", sagt der Deutschland-Chef der Amazon-Tochter. Aufgrund der technischen Beschränkungen waren live übertragene Gaming-Inhalte bis zur Einführung des Breitbandinternets nicht sehr verbreitet. "Auf viele Leute, die nicht mit Videospielen aufgewachsen sind, wirkte das so, als handle es sich hier um etwas völlig Neues. Dabei haben wir es nur mit einer anderen Form von Mainstream-Unterhaltung zu tun", so Leimbrock. 

kress.de-Tipp: Die Fragen und Antworten sind ein Auszug aus dem großen "kress pro"-Case "Riesenreichweite mit Livestreamimg" zu Twitch. Dort gibt der Autor Roland Karle auch Antworten auf Fragen wie: "Warum geben Nutzer Geld für ein Abonnement aus?", "Was nehmen Profi-Streamer ein?", "Warum sind Live-Übertragungen so beliebt?", "Wie läuft das Werbegeschäft?". Die entsprechende "kress pro"-Ausgabe 2/2018 gibt es in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk. Per E-Mail kann sie unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden. "kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. Zum "kress pro"-Abo.

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