Madsack-Personalchef Adrian Schimpf: "Zurzeit ergeben sich für Volontäre gute Möglichkeiten bei Madsack"

 

In Teil 3 der kress.de-Interviewreihe mit Personalverantwortlichen von Medienunternehmen sagt Madsack-Personalchef Adrian Schimpf, welche Talente für das Verlagshaus interessant sind, was sie zu erwarten haben - und was er bei jungen Bewerbern manchmal vermisst.

Die Madsack Mediengruppe hat in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit dem Programm "Madsack 2018" unterm Strich Personal abgebaut, doch jetzt setzt sie wieder andere Akzente: So sucht sie außerhalb des Unternehmens rund 40 Digitaljournalisten und -experten für ein neues "Digital Hub" ihres Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) in Hannover. 

kress.de: Herr Schimpf, Sie arbeiten seit über 20 Jahren in Personalabteilungen von Medienunternehmen, seit Juli 2011 sind Sie Leiter Personal & Recht bei der Madsack Mediengruppe. Hat die Medienbranche in dieser Zeit als Arbeitgeber an Attraktivität verloren?

Adrian Schimpf: Ganz im Gegenteil. Die Medienbranche ist eine der spannendsten und gesellschaftlich relevantesten Branchen, in der man zurzeit aktiv sein kann. Ohne freien und unabhängigen Journalismus gäbe es schließlich kein demokratisches Gemeinwesen. Außerdem ist sie das Paradebeispiel einer Branche, die die digitale Transformation aktiv bewältigt.

kress.de: Das ist Ihre Überzeugung. Aber sehen das Talente, die für Madsack als Mitarbeiter interessant sein könnten, genauso?

Adrian Schimpf: Ja, für viele ist das sogar ein Hauptgrund für die Bewerbung. In unserem Kernbereich, dem Journalismus, haben wir nicht an Strahlkraft verloren. Was sich geändert hat, sind unsere Anforderungen: Wir suchen heute Leute mit anderen Qualifikationen als vor 10 oder 20 Jahren. Damals waren digitale Kenntnisse ein Randthema, heute stehen sie im Fokus.

kress.de: Dass der Zeitungsmarkt schrumpft, macht sich auch bei Madsack bemerkbar. Zu den Zielen Ihres 2013 gestarteten Programms "Madsack 2018" gehörte daher der Abbau von Personal bzw. die Senkung von Personalkosten. Wird Madsack auch 2018 und in den kommenden Jahren Personal abbauen?

Adrian Schimpf: Es ist falsch, das Zukunftsprogramm "Madsack 2018" auf Personalabbau zu reduzieren. Zunächst einmal ist und bleibt Journalismus der Kern, in den wir investieren: Strukturell, personell und finanziell. In den Segmenten mit strukturell rückläufigen Erlösen haben wir dann unsere Ressourcen innerhalb der Mediengruppe gebündelt. Die Idee ist, in den Bereichen, wo wir auch standortübergreifend sinnvollerweise zusammenarbeiten sollten, das auch zu tun. Dadurch arbeiten wir nicht nur im Verbund effizienter und qualitativ besser, wir können unser Know-how und unsere Services auch anderen Unternehmen anbieten, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Viel wichtiger als das Einsparen von Kosten ist, dass wir so Luft gewonnen haben, um in die digitale Transformation investieren zu können.

kress.de: Ist dieser Zeitpunkt jetzt erreicht?

Adrian Schimpf: Die Maßnahmen, die wir uns 2013 vorgenommen haben, sind erfolgreich umgesetzt. Jetzt widmen wir in Verlag und Redaktion alle Kraft der digitalen Transformation.

kress.de: In welchen Bereichen suchen Sie Mitarbeiter?

Adrian Schimpf: Ganz spezifisch suchen wir für unser Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), das überregionale Inhalte produziert, Menschen, die Lust auf modernen Journalismus haben. Dazu zählen Redakteure, Datenjournalisten aber auch Experten für SEO, und Frontend-Designer. Nicht zuletzt betrifft der Wandel aber alle Verlagsbereiche und digitales Know-how ist überall gefragt, vom Anzeigenverkauf bis zur Personalentwicklung.

kress.de: Bis Mitte 2019 wollen Sie in Hannover ein "RND-Digital Hub" mit 70 Journalisten und Digitalexperten aufbauen. Wie viele davon werden von Madsack selbst, wie viele von außerhalb des Unternehmens kommen?

Adrian Schimpf: Zunächst einmal: Wir haben in der gesamten Madsack Mediengruppe von Rostock bis Leipzig und von Potsdam bis Hannover viele Journalisten, mit denen wir bereits ganz konkret über die Chancen und Möglichkeiten sprechen, die sich beim "RND Digital Hub" und bei RND.de für sie persönlich ergeben können. Wir freuen uns dabei auch ausdrücklich über Bewerber aus dem Haus, die sagen: Ich traue mir einen der Jobs zu, ich muss dafür aber noch etwas lernen. Wir rechnen aktuell damit, rund 30 Stellen intern und den Rest von außen zu besetzen. Das wäre aus meiner Sicht eine sehr gute Mischung.

kress.de: Wie trägt Madsack dazu bei, dass die Mitarbeiter, die schon an Bord sind, bei der digitalen Transformation nicht zu kurz kommen?

Adrian Schimpf: Unsere Mitarbeiter zeigen großes Interesse und den Willen, sich weiterzuentwickeln. Im Dezember haben wir eine konzernweite Schulungsreihe gestartet. Es ist das größte Personalentwicklungsprogramm eines Verlags, das ich je miterlebt habe. Jeder einzelne Redakteur wird an den Standorten vor Ort umfassend und nachhaltig geschult. Unser "MadsackMedienCampus-Bus" ist dafür permanent auf Achse. Wir sehen das auch als langfristige Aufgabe - das Programm wird uns über die nächsten Jahre permanent begleiten, weil die Halbwertszeit des Wissens im Digitalen ja besonders kurz ist. Was heute in Sachen digitale Workflows, Social Media oder Videoschnitt State-of-the-Art ist, ist morgen schon veraltet. Das Tolle an den Schulungen und Workshops ist: Hinterher sind sogar die Digital-Skeptiker offen für die digitalen Möglichkeiten im Journalismus, weil sie merken, dass sie neue Relevanz und Reichweite erzielen können. Und am Ende will ja jeder Journalist von möglichst vielen Lesern gelesen werden.

"In einigen technischen Bereichen gibt es einen klaren Arbeitnehmermarkt, und darauf stellen wir uns ein"

kress.de: Welche Konditionen bieten Sie Bewerbern, die von außen kommen?

Adrian Schimpf: Wir bezahlen marktgerecht. In einigen technischen Bereichen gibt es einen klaren Arbeitnehmermarkt, und darauf stellen wir uns ein. Aber oft geht es gar nicht primär um das Gehalt. Gerade für technisch-digital-affine Fachkräfte ist entscheidend, was sie in einem Unternehmen umsetzen, was sie lernen, welche Erfahrungen sie sammeln können. Die fragen: Darf ich bei Euch auch einmal eine verrückte Idee zu Ende spinnen oder muss ich mein Dasein in Konzernstrukturen fristen?

kress.de: Was erwidern Sie auf solche Fragen?

Adrian Schimpf: Strukturen können dann lähmen, wenn sie verkrustet sind. Wir haben bei Madsack schon oft bewiesen, dass wir Strukturen hinterfragen und bei Bedarf auch grundlegend verändern. Genau das machen wir jetzt beim RND: Wir bauen RND.de als neues nationales Medienportal auf, verzahnen uns über den "RND Digital Hub" mit den lokalen Redaktionen und beschäftigen uns intensiv mit strategischen Fragen. Daher sind wir ein interessanter Arbeitgeber.

kress.de: Was bedeutet "marktgerechte Bezahlung" für Digitaljournalisten?

Adrian Schimpf: Das hängt immer von den Erfahrungen, Spezialkenntnissen oder Kontakten ab.

kress.de: Das RND ist nicht tarifgebunden.

Adrian Schimpf: Das ist korrekt.

kress.de: Die Volontärsausbildung für die gesamte Mediengruppe findet seit 2017 im Madsack Medien Campus statt, wo sie pro Jahr 24 junge Journalisten ausbilden. Haben Sie die Ausbildungsinhalte damals auch modifiziert?

Adrian Schimpf: Der erste großartige Effekt, den der Campus hatte: Die Volontäre des Jahrganges 2017 haben sich in den ersten vier Wochen des Volo-Grundkurses intensiv kennen gelernt und vernetzt. Bislang kannten sich die Madsack-Volontäre standortübergreifend ja meist gar nicht. Die gemeinsame Arbeit im Verbund gehört aber nicht nur zur Madsack-DNA, sondern ist auch für journalistische Rechercheprojekte Grundvoraussetzung. Wir wünschen uns natürlich, dass aus möglichst vielen Campus-Volontären später einmal Madsack-Redakteure werden - da wächst dann eine Generation nach, für die die gemeinsame journalistische Arbeit im Verbund aller Titel der Mediengruppe von Anfang an selbstverständlich ist. Dass die Ausbildungsinhalte in Theorie und Praxis beim Campus auf einem Top-Niveau sind, versteht sich von selbst. Wichtig ist neben den theoretischen Unterrichtsblöcken in den MMC-Räumen in Hannover auch, dass unsere Volontäre standortübergreifende Einsätze bei Stationen haben, die Ihnen eine einzelne regionale Redaktion gar nicht bieten könnte, so zum Beispiel bei unseren Verticals oder dem RND Hauptstadtbüro.

kress.de: Welche Folgen hatte die Gründung des Madsack Medien Campus für Zahl und Qualität der Volo-Bewerber?

Adrian Schimpf: Wir sind stolz über die Anzahl, Bandbreite und Qualität der Bewerbungen. Wir haben das Projekt initiiert, weil sich die Suche nach qualifizierten Volontären für die einzelnen Zeitungstitel zunehmend schwierig gestaltet hat. Wenn man aber gemeinsam als Madsack Medien Campus auftritt, ist man bei vielen Bewerbern wieder auf dem Zettel. So sind auf einen offenen Platz 17 Bewerbungen gekommen – und in diese Bewerbungen mussten die Bewerber Zeit und Arbeit investieren: Unter anderem ein Video machen und eine Lokalgeschichte schreiben.

kress.de: Haben die Volontäre nach ihrer Ausbildung auch gute Chancen auf einen Redakteursjob?

Adrian Schimpf: Zurzeit ergeben sich für die Volontäre gute Möglichkeiten in der Madsack Mediengruppe. Wir suchen ja gerade 70 Mitarbeiter fürs RND, und dafür kommen auch Volontäre in Frage. Und wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten Jahren in den Redaktionen einen entsprechenden Bedarf an Nachwuchs-Redakteuren haben werden, weil viele Kollegen in Rente gehen werden. Darüber hinaus sind wir überzeugt, dass die Ausbildung am Campus auch hervorragend für eine Tätigkeit in Redaktionen außerhalb der Madsack Mediengruppe qualifiziert.

kress.de: Ist die Situation für Ihre Trainees im Verlagsbereich auch so rosig?

Adrian Schimpf: Wir stellen jedes Jahr zwischen 7 bis 9 Trainees ein. Das individuell auf die Stärken und Interessen des jeweiligen Trainees zugeschnittene Programm ist auf zwei Jahre ausgelegt, weil die Trainees unsere Standorte auch in der Fläche und die wichtigen Verlagsabteilungen kennenlernen sollen. Zurzeit sind viele Trainees aber nicht die vollen 24 Monate im Programm, weil sie direkt vorzeitig von einer ihrer Stationen übernommen werden – das spricht für sich.

"Es würde mich freuen, wenn die Bereitschaft ausgeprägter wäre, gerade zu Beginn der Laufbahn zwischen den Standorten zu wechseln und sich den Wind um die Nase wehen zu lassen"

kress.de: Was erwarten Sie außer einer bestimmten Qualifikation von jungen Talenten und Führungskräften, die zu Madsack kommen?

Adrian Schimpf: Es würde mich freuen, wenn die Bereitschaft ausgeprägter wäre, gerade zu Beginn der Laufbahn zwischen den Standorten zu wechseln und sich den Wind um die Nase wehen zu lassen. Vielleicht täusche ich mich, aber ich habe manchmal das Gefühl, dass die Mobilität von jungen Nachwuchskräften nach dem Jobeinstieg geringer ist als vor vielleicht 25 Jahren. Ansonsten sind die Anforderungen so wie früher auch: Wir erwarten Neugier, Engagement sowie die Bereitschaft, sich selbst zu hinterfragen und zu lernen.

kress.de: Wie fördern Sie junge Talente, die es zu Madsack geschafft haben, weiter?

Adrian Schimpf: Neben den Klassikern Weiterbildung und Personalentwicklungsprogramme geht es ja vor allem um die Frage: Wie entwickelt man sich beruflich weiter. Hier gilt wie in anderen Medienunternehmen auch: Der Karriereweg bei uns ist nicht so vorhersehbar wie in anderen Branchen, dafür sind wir zu starken und schnellen Veränderungen ausgesetzt. Viele Volontäre und Trainees wollen sich aber auch gar nicht zu früh festlegen. Vor zwei Jahren hätte ich Ihnen zum Beispiel nicht sagen können, dass wir Digital-CvDs an acht Verlagsstandorten suchen - jetzt ist die Chance da.

kress.de: In vielen Unternehmen wird über Diversität diskutiert. Ist das bei Ihnen auch ein Thema?

Adrian Schimpf: Was das klassische Thema Geschlechterdiversität angeht, haben wir in den Redaktionen generell und bei unserem Nachwuchs einen guten Stand. Wie in der gesamten Branche fehlen uns allerdings insbesondere Volontäre und Redakteure mit Migrationshintergrund.

kress.de: Was folgt daraus?

Adrian Schimpf: Wir würden uns wünschen, dass wir da beim nächsten Jahrgang des Madsack Medien Campus erfolgreich ansetzen können.

kress.de: Auch beim Thema Geschlechtergerechtigkeit haben Sie Nachholbedarf, denn Madsack ist in den Führungsetagen ein Männerverein: Die dreiköpfige Konzerngeschäftsführung besteht ausschließlich aus Männern und unter Ihren 15 Zeitungs-Chefredakteuren ist nur eine Frau.

Adrian Schimpf: Ja, da würden wir uns alle bei Madsack eine höhere Quote wünschen. Aber wir arbeiten daran. Der Anteil von Frauen in Führungsfunktionen generell liegt bei über 20 Prozent und wir haben schon ein paar Ausrufezeichen gesetzt, die in der Branche Beachtung gefunden haben. Denken Sie an die Berufung von Hannah Suppa als Chefredakteurin der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" in Potsdam oder von Imke Mentzendorff als Geschäftsführerin der "Ostsee-Zeitung" in Rostock.

kress.de: Zwei von drei Mitgliedern der Madsack-Konzerngeschäftsführung hatten Führungspositionen bei G+J. Sie selbst haben auch dort gearbeitet. Sollte man seine berufliche Karriere bei G+J starten, wenn man bei Madsack etwas werden will?

Adrian Schimpf: Nein. Sie haben sich genau die drei herausgepickt, auf die das zutrifft. Die allermeisten unserer Führungskräfte kommen nicht von Gruner + Jahr – nehmen Sie pars pro toto nur unseren Chief Content Officer Wolfgang Büchner, unsere Geschäftsführer in Potsdam, Benjamin Schrader und Marc Becker, oder unseren Konzerngeschäftsführer und Finanzchef Sven Fischer, der seine Karriere schon bei Madsack begonnen hat. Alle Mitglieder des Madsack-Führungskräftekreises aufzuzählen, die nicht von G+J zu uns kamen, würde hier bei weitem den Rahmen sprengen.

Zur Person: Adrian Schimpf, 48, ist seit 2011 Leiter Personal & Recht bei der Madsack Mediengruppe. Zuvor war der Jurist als Leiter der Personalentwicklung bei Gruner + Jahr tätig.

Das Gespräch mit Adrian Schimpf ist Teil 3 einer kress.de-Interviewreihe mit den Personalverantwortlichen von Medienunternehmen. Lesen Sie auch:

Teil 1 - Florian Klages, Leiter Corporate HR bei Axel Springer, verrät, wie man bei Springer schnell Karriere macht.

Teil 2 - Jannis Tsalikis, HR-Director von Vice Media, sagt, welche Sätze er in Bewerbungen nicht lesen will.


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