Klarer und noch mehr Hauptstadt: Wie Chefredakteur Jochen Arntz das Gesicht der "Berliner Zeitung" verändert

 

Ab Mittwoch zeigt sich die "Berliner Zeitung" in einem weiterentwickelten Gewand und zusätzlichen Inhalten aus der Hauptstadt. Im kress.de-Interview spricht Chefredakteur Jochen Arntz über die Veränderungen.

Neue Seiten, noch mehr Berlin, Reportagen, eine ganz neue Wochenend-Ausgabe, Berliner Wirtschaft, klarer und großzügiger gestaltet (verantwortlich: Art-Direktorin Annette Tiedge und Zeitungs-Gestalter Thomas Weyres). Chefredakteur Jochen Arntz im kress.de-Gespräch über die Neuerungen bei der "Berliner Zeitung".

kress.de: Herr Arntz, die Berliner Zeitung verändert ihr Gesicht. Warum?

Jochen Arntz: Weil wir die Berliner Zeitung noch attraktiver, besser lesbar und konzentrierter gestalten wollen. Und ist es wichtig zu zeigen: Wir bieten zeitgemäßen, vertrauenswürdigen Journalismus. Wer uns liest, versteht die Stadt. Wer uns liest, wird intelligent unterhalten - unter anderem mit einer starken, neuen Wochenendausgabe. 

kress.de: Sie haben die vergangenen Wochen und Monate mit vielen Leserinnen und Lesern gesprochen. Was haben die in der "Berliner Zeitung" bislang vermisst?

Jochen Arntz: Sie haben in dem Sinne nichts vermisst, aber sie haben uns darin bestärkt, dass sie mehr Berlin, mehr Hintergrund und Analysen und eine besondere Wochenendausgabe haben wollen. Der intensive Austausch mit der Community der Berliner Zeitung gibt uns klare und wichtige Hinweise. Die nehmen wir gern auf. Wir wollen mit unserer Reichweite von mehr als 300.000 Lesern die Nummer eins in dieser Stadt bleiben.  

kress.de: Inhaltlich konzentrieren Sie sich ab dem 11. April noch stärker auf die Hauptstadt, ihr Kern-Verbreitungsgebiet. Auf welche Neuerung freuen Sie sich besonders?

Jochen Arntz: Ich freue mich auf die Hauptstadtseite, die immer mittwochs kommt, darin verbinden wir die Stadt und die Politik. Da werden wir aus sehr unterschiedlicher Perspektive Eindrücke beschreiben - unsere renommierten Autoren wechseln sich beispielsweise in der Kolumne "Platz der Republik" ab. Ich freue mich auch auf "Made in Berlin", die Seite zur Berliner Wirtschaft, die immer freitags erscheint. Und ich freue mich besonders auf das "Berlin am Wochenende", unser neues Leben-Buch mit Tipps für ein besonderes Berliner Wochenende.

kress.de: Wie haben Sie Ihre Redaktion umgebaut, um die neuen Aufgaben stemmen zu können?

Jochen Arntz: Wir haben aus den Ressorts heraus Ideen für die neuen Produkte entwickelt und kleine Teams für die neuen Seiten gebildet. 

kress.de: Gab es an der neuen Ausrichtung intern Kritik?

Jochen Arntz: Nein, wir haben diesen Rebrush mit den Teamleitern und den Ressorts gemeinsam aufgenommen. Wir nutzen die Informationen, die wir täglich aus unseren unterschiedlichen Kanälen gewinnen und das Feedback unserer Leser und Follower aus den starken Social-Media-Auftritten für die Weiterentwicklung. Auf der anderen Seite war es uns wichtig, den unverwechselbaren Charakter der Berliner Zeitung beizubehalten.   

"Die Leser können sich auf neue Kolumnen freuen"

kress.de: Zukünftig erscheinen die Berichte luftiger im Blatt. Bedeutet das, dass es weniger Artikel geben wird?

Jochen Arntz: Die Schrift wird nicht größer, nur der so genannte Durchschuss, das heißt, die Zeilen sind etwas lockerer gesetzt, das macht den Text insgesamt leichter lesbar. Wir haben unsere Grundschrift beibehalten.

kress.de: Interessant finde ich, dass Sie die Autoren im Bild zeigen werden. Gibt es neue Gesichter, auf die sich die Leser freuen können?

Jochen Arntz: Ja, zum Beispiel Anja Reich, die seit Anfang April als Israel-Korrespondentin der Berliner Zeitung arbeitet und nun die Kolumne Berlin-Tel-Aviv schreibt. Was verbindet die beiden Städte, das ist ihr Thema. Torsten Harmsen schreibt jetzt immer sonnabends die neue Berlin Kolumne "Harmsens Berlin". Die Leser, das haben wir vor allem gelernt, freuen sich generell darüber, mit den Texten jetzt Gesichter verbinden zu können. Freuen können sie sich auf neue Kolumnen im ganzen Blatt - wie beispielsweise auch den Platz der Republik.

kress.de: Wie werden Sie eigentlich mit überregionalen Themen umgehen: Wird es weniger Platz für Themen aus Washington, München oder Paris geben?

Jochen Arntz: Wir wissen, dass unseren Leserinnen und Lesern Berlin, Deutschland und die Welt wichtig sind. Danach richten wir das Blatt aus. Die Lage Welt hat in der Berliner Zeitung genau so ihren Platz wie die Stadt, weil sie vielfach direkte Auswirkungen auf das direkte Umfeld der Menschen hat. Wir gehören ja auch zu den wenigen Zeitungen, die ein großes Korrespondentennetz haben mit eigenen Leuten zum Beispiel in Washington und Tel Aviv.

Hintergrund "Berliner Zeitung"

Die erste Ausgabe der Berliner Zeitung erschien am 21. Mai 1945 mit vier Seiten und einer Auflage von 100.000 Exemplaren. Seit 2009 gehört die Berliner Zeitung zu DuMont. Das Blatt hat eine verkaufte Auflage von 92.263 Exemplaren (IVW, 4/2017). Chefredakteur ist Jochen Arntz, Mitglieder der Chefredaktion sind Elmar Jehn und Thilo Knott. Newsdesks-Chefs (Nachrichten, Politik und Wirtschaft) sind Tobias Miller, Michael Heun und Michaela Pfisterer. Textchefin ist Bettina Cosack, Newsroom-Manager Jan Schmidt. Die Redaktion ist in Teams aufgeteilt. Investigativ leitet Kai Schlieter; Kultur: Harry Nutt; Regio: Arno Schupp, Maike Schultz, Karim Mahmoud; Service: Klaus Kronsbein; Sport: Markus Lotter; Story: Christian Seidl; Meinungsseite: Christine Dankbar; Seite 3: Bettina Cosack. Chefreporterin ist Anja Reich; die Art Direktion liegt in den Händen von Felix Scheer und Annette Tiedge. Newsleader Regio sind Sabine Deckwerth und Stefan Henseke; Newsleader Sport Matthias Fritzsche und Jörg Winterfeldt. Für den überregionalen Teil arbeitet die "Berliner Zeitung" eng mit der DuMont Hauptstadtredaktion zusammen: Steven Geyer (Leitung), Arno Widmann. Autoren sind Joachim Frank, Holger Schmale und Dieter Schröder. Als Korrespondenten berichten für die "Berliner Zeitung" aus Istanbul: Frank Nordhausen; aus London: Sebastian Borger; aus Moskau: Stefan Scholl; aus Paris: Axel Veiel; aus Peking: Finn Mayer-Kuckuk; aus Rom: Regina Kerner; aus Israel: Anja Reich und aus Washington: Karl Doemens. Geschäftsführer der Berliner Newsroom GmbH und von Berlin24 Digital GmbH ist Patrick Wölke. Geschäftsführer vom Berliner Verlag ist Jens Kauerauf.

Die Fragen an Jochen Arntz, Chefredakteur "Berliner Zeitung", stellte kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

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