"Wir fragen unser kressköpfe": Warum Waltraut von Mengden Print-Erzeugnisse für "Hirnnahrung" hält

 

Ihre Karriere begann sie bei Beauty-Unternehmen, bevor sie leidenschaftliche Verlegerin wurde. Am längsten war sie Geschäftsführerin des "Cosmopolitan"-, "Joy"- und "Shape"-Verlags MVG in München, der später zu Bauer wechselte. Ihre enges Netzwerk nutzt Waltraut von Mengden auch im Verband der Zeitschriftenverlage in Bayern. Im "kressköpfe"-Interview verrät sie, was es selbstbewusst zu feiern - und zu verteidigen - gilt. 

kress.de: Frau von Mengden, der von Ihnen als Erste Vorsitzende geführte Verband der Zeitschriftenverlage in Bayern feiert demnächst sein 70-jähriges Bestehen. Sie wollen offenbar lieber nicht von einem Jubiläum sprechen, sondern Geburtstag feiern. Warum die Scheu vor dem Historischen?

Waltraut von Mengden: Uns gefällt das Wort Geburtstag. Es ist modern und zeitgemäß. Genau wie der VZB. Wir haben keineswegs Scheu vor dem Historischen, im Gegenteil. Durch unsere erfolgreiche Verbandsvergangenheit haben wir eine solide Basis geschaffen, um heute den Erfolg weiter auszubauen und noch attraktiver für unsere Mitglieder zu werden. Das zeigen unsere steigenden Mitgliederzahlen. Darauf sind wir besonders stolz.

"Wir bieten unseren Mitgliedern eine starke Interessensvertretung, die in Zeiten des permanenten Wandels wichtiger denn je ist."

kress.de: In wie weit ist in Zeiten digitaler Umbrüche, aber auch gesellschaftlicher Spannungen ein starker Verband für die Anliegen, vielleicht sogar Nöte der Branche wichtig?

Waltraut von Mengden: Unser Motto ist "gemeinsam erfolgreich". Wir bieten unseren Mitgliedern eine starke Interessensvertretung, die in Zeiten des permanenten Wandels wichtiger denn je ist. Seit 70 Jahren ist es unsere Hauptaufgabe, die Verleger bei ihren wirtschaftlichen Herausforderungen zu unterstützen. Das tun wir mit kompetenter Rechtsberatung - gerade für kleinere und mittelständische Verlage. Wir bieten aktuellen Branchen-Insights und, das ist unser Schwerpunkt, wir fördern durch unsere hochkarätig besetzten Veranstaltungen zu top-aktuellen Themen das Networking, setzen Impulse und informieren über aktuelle Veränderungen (zum Beispiel: EU-Datenschutzgrundverordnung).

"Die Deutschen geben 240 Mio Euro pro Monat für Zeitschriften aus."

kress.de: Auf vielen VZB-Veranstaltungen, aber auch in der allgemeinen Branchendiskussion treten Sie für Souveränität und Stolz auf das Erreichte auf und streichen die Stärken von Print heraus. Woher nehmen diese Überzeugungskraft?

Waltraut von Mengden: Die Fakten sprechen für Print. Die Deutschen geben 240 Mio Euro pro Monat für Zeitschriften aus. Mehr als 500 Zeitschriftenverlage stehen für Vielfalt und Wettbewerb. Zum Ende des Jahres 2017 erschienen rund 1.600 Publikumszeitschriften und laut neuester MA lesen immer noch 90 Prozent, also fast jeder Deutsche, gerne Zeitschriften. Und von den 14-29 Jährigen sind es immer noch stattliche 82 Prozent, die Zeitschriften nutzen. Sie sehen, der Lesespaß ist nach wie vor ungebrochen. Auch die Ergebnisse der Gehirnforschung bestätigen die wichtige Rolle von Print innerhalb des Medienangebotes. So sagt  Dr. Hans-Georg Häusel, Experte für Hirnforschung, in unserem VZB-Jahresheft: "Während Smartphones und Tablets das Gehirn in einen Erregungs-Modus versetzen, schaltet das Gehirn bei Zeitschriften in den Flanier-Modus. Informationen werden dadurch besser aufgenommen und länger behalten." Print spricht unsere Emotionen in einem hohen Maß an, ist Escape-Medium und Hirnnahrung und verfügt unter allen Gattungen über die höchste Glaubwürdigkeit. Durch den gesellschaftlichen Wandel und die damit verbundene Digitalisierung hat der Leser ein hohes Bedürfnis nach Sicherheit, Stabilität und Ritualen. All dies findet er in hochqualitativen gedruckten Zeitschriften, die mit ihrer haptischen Wertigkeit Vertrauen erzeugen und nachgewiesenermaßen zu einer besseren Wahrnehmung und einer qualitativ höheren Bewertung führen. Sogar für Influencer ist Print unverzichtbar. Sie sehen die Veröffentlichung in Print als Legitimation und Krönung ihrer Arbeit (so Dr. Ariane Fornia, französische Bloggerin und Journalistin, beim VZB Kaminabend 2017).

kress.de: Viele Verlage klagen über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, aber auch über den gestiegenen Rechtfertigungsdruck in Fake-News-Zeiten und angesichts unqualifizierter Lügenpresse-Vorwürfe. Wie kann man da aus Verbandssicht gegensteuern?

Waltraut von Mengden: Die Verlage sind hier gefordert, noch mehr in Qualität und Recherche zu investieren, um die Kompetenz und Glaubwürdigkeit ihrer Publikationen noch weiter zu unterstreichen. In diesen Zeiten der Unsicherheit wollen die Menschen meinungsbildende und meinungsführende Medien wie zum Beispiel Zeitschriften, die verlässlich sind und helfen, Themen einzuordnen.

kress.de: Viele Häuser wirken in Fragen der künftigen Ausrichtung der Geschäftsmodelle und Prozesse unsicher. Oft klaffen noch tiefe Klüfte zwischen vermeintlich modernem und altem Denken in den Verlagen auf. Wann werden sich aus Ihrer Sicht diese Grabenkämpfe – auch zwischen "Printlern" und "Onlinern" – gelegt haben?

Waltraut von Mengden: Die Digitalisierung hat bereits Einzug in das normale Leben gehalten. Der Verbraucher verknüpft die alte mit der neuen Welt, und Verlage haben sich längst zu modernen Medienhäusern entwickelt, die auf die neuen Medienkonsumgewohnheiten eingehen. Die Digitalisierung war eine tiefgreifende Veränderung, die natürlich Ängste gefördert hat. Aber in den letzten Jahren hat man die Chance der Digitalisierung erkannt und die moderne und die alte Welt ergänzen sich hervorragend (z.B. das Onlineportal Net-a-Porter, das erfolgreich den Printtitel "Porter" lanciert hat). So können nun hohe Reichweiten generiert werden und jeder Kanal hat seine Berechtigung. Print steht für die tiefe, hintergründige Information, Online steht für die Schnelligkeit und Interaktion.

kress.de: Auf den von Ihnen angestoßenen Diskussionsveranstaltungen stehen immer wieder Digital-Themen auf der Agenda. In wie weit beißt sich das gelegentlich mit dem Selbstverständnis des Verlagsverbands?

Waltraut von Mengden: Wir leben in einer Welt eines vielfältigen Medienangebotes, und unsere Mitgliedsverlage haben sich zu Medienunternehmen entwickelt, die ein sehr großes Medienportfolio anbieten. Die Aufgabe des Verbandes ist es, unsere Verlage über aktuellste Trends und Entwicklungen zu informieren und die moderne Welt mit allen Medien abzubilden.

kress.de: Sie stehen seit 2012 an der Spitze des VZB, der zuvor in der Außenwirkung eher unauffällig blieb. Wie viel Mühen hat es gekostet, die Verbandsarbeit zeitgemäß zu beleben?

Waltraut von Mengden: Ich stehe an der Spitze eines wirklich hervorragenden Teams mit unserer Geschäftsführerin Anina Veigel, unserem Referenten Patrick Götz und Sigrid Weiske, Presse. Als wir begonnen haben die Verbandsarbeit realisieren zu dürfen, hatten wir von Anfang an die Vision, die Stärke dieses bereits ganz hervorragend geführten Verbandes stärker nach außen zu tragen und damit die Attraktivität des Verbandes und natürlich der entsprechenden Themen präsenter und attraktiver zu inszenieren. Wir versuchen seit je her die richtigen Themen zu setzen, hochkarätige Veranstaltungen durchzuführen, das Netzwerk zu stärken und so den Mitgliedern einen echten Mehrwert zu bieten. Wir alle sind von dieser Idee begeistert, uns macht die Arbeit Spaß und wir freuen uns, dass die Arbeit auch erfolgreich ist. Das zeigen die steigenden Auflagezahlen.

kress.de: Die anstehende VZB-Jahrestagung ist hochkarätig besetzt. Wie lange mussten Sie vorarbeiten, um die neue starke Funke-Frau Julia Becker nach München zu holen?

Waltraut von Mengden: Unsere hochkarätig besetzten Veranstaltungen in der Vergangenheit und die damit verbundene Relevanz sind ein starkes Renommee für den Verband und unsere Branche.

"Wir hatten immer schon ein sehr gutes Verhältnis zum VDZ."

kress.de: Rudolf Thiemann, der neue VDZ-Präsident, stammt ursprünglich als Verleger auch aus den VZB-Reihen. In wie weit verkürzt das Ihre Wege in der Zusammenarbeit mit dem Dachverband?

Waltraut von Mengden: Wir hatten immer schon ein sehr gutes Verhältnis zum VDZ und tauschen uns regelmäßig aus. Wir freuen uns natürlich sehr, dass mit Dr. Rudolf Thiemann ein Präsident aus unseren Reihen an der Spitze des VDZ ist. Er ist in der Branche und deren Umfeld bestens vernetzt, kennt die verlagswirtschaftlichen Herausforderungen und die medienpolitischen Themen. Wir arbeiten auch auf dem kurzen Dienstweg sehr gut zusammen.

kress.de: Die Dinner-Rede des Jubiläumsabends wird der bayerische Ministerpräsident halten. Was wären - charmant vorgetragen - wichtige aktuelle Forderungen an ihn?

Waltraut von Mengden: Wir freuen uns sehr, Dr. Markus Söder als Bayerischen Ministerpräsidenten auf unserer Jahrestagung begrüßen zu dürfen. Die enge Zusammenarbeit mit der Politik ist wichtig, um über die aktuellen Herausforderungen wie zum Beispiel EU-Privacy, Kartellrecht, Urheberrecht uvm. diskutieren zu können, denn wir brauchen ein adäquates Level-Playing-Field - also faire Rahmenbedingen für den Qualitätsjournalismus, um Zeitschriften als vertrauensvolles, meinungsbildendes und -führendes Medium wieder zu stärken. Darüberhinaus liegt uns beispielsweise auch das Thema Medienerziehung sehr am Herzen. Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene müssen bei dieser Medienvielfalt lernen, mit den Medien professionell umzugehen und sich der möglichen Gefahren bewusst werden.

"Eine große Portion Leidenschaft, ein gesunder Menschenverstand und mein Bauchgefühl." 

kress.de: Wenn Sie auf Ihre eigene bisherige Karriere zurückblicken: Wo haben sie am meisten gelernt und was hilft Ihnen beim Vermitteln, dem Kontakte-Knüpfen und der Verbands-Diplomatie am meisten?

Waltraut von Mengden: Mit jeder beruflichen Herausforderung und durch jede Veränderung lernt man dazu. Aber für mich sind, bei aller fachlicher Kompetenz, eine große Portion Leidenschaft, ein gesunder Menschenverstand und mein Bauchgefühl wichtig.

kress.de: Sie gelten ja als Macherin, waren lange in großen Medienhäusern operativ tätig. Wie sehr reizt es Sie eigentlich, noch einmal selbst auf Verlagsseite zu wechseln oder selbst eigene Verlegerin zu werden?

Waltraut von Mengden: Mein Berufsleben mit unseren Verlagsbeteiligungen, als Unternehmensberaterin und als sehr aktives Mitglied im Verband ist sehr lebendig und vielfältig und macht mir großen Spaß. Und ich freue mich immer über neue spannende Projekte! 

kress.de: Sie führen schon lange ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Waltraut von Mengden: Auf Kress findet sich das "Who’s who" der Branche und eine einzigartige Plattform, die ich sowohl für die Verbandsarbeit als auch für meine wvm.unternehmensberatung nutze.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Waltraut von Mengden: kress.de bietet mir tagesaktuelle Brancheninformationen, um immer aktuell informiert zu sein. "kress pro" steht für Qualitätsjournalismus und bietet mir Inspiration und die nötigen Hintergrundinformation zu Branchennews.

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kress.de-Veranstaltungshinweis: Das schöne rund 70-Jahre-Jubiläum des VZB wird natürlich auch gefeiert, obwohl die VZB-Jahrestagung mit namhaften Gästen und Referenten keine reine Geburtstagsparty werden soll. Hier alle Infos zur Veranstaltung am Donnerstag, 19. April in München.

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