YEPP-Präsident Andrianos Giannou: "Wann publizieren deutsche Medien endlich auch auf Englisch?"

 

Deutsche Medien sollten zumindest ihre wichtigsten Artikel auch auf Englisch veröffentlichen, damit ihre Stimme in Brüssel und auf EU-Ebene deutlicher gehört wird. Das fordert YEPP-Präsident Andrianos Giannou im Interview mit kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük. 

Andrianos Giannou leitet als Präsident der "Youth of the European People's Party" die nach eigenen Angaben "größte Mitte-Rechts Organisation in Europa". Die YEPP hat in 39 Ländern mehr als 1,6 Millionen Organisationsmitglieder. Zur YEPP gehört in Deutschland beispielsweise die Junge Union (Vorsitzender: der CDU-Bundestagsabgeordnete Paul Ziemiak). Mitgliedsverbände von YEPP sind außerdem die Junge Volkspartei Österreichs (Junge ÖVP, Bundesobmann: Stefan Schnöll, Abgeordneter zum Nationalrat), die Junge Christlich Demokratische Volkspartei der Schweiz (Junge CVP, Präsidium: Tino Schneider), die Junge Generation in der Südtiroler Volkspartei (Landesjugendreferent: René Tumler) sowie die Christlich Soziale Jugend von Luxemburg (Präsidentin: Elisabeth Margue). Die YEPP hat ihren Sitz in Brüssel.

kress.de: Viele sagen, Europa stecke in der Krise. Stimmt das?

Andrianos Giannou: Leider ja. Europa befindet sich an einem kritischen Punkt. Wir müssen über unsere Richtung entscheiden und über die Zukunft der Integration. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der Europa verwüstet hat, sind wir einen langen Weg gegangen. 

kress.de: Wie kann man gerade junge Leute wieder für Europa begeistern?

Andrianos Giannou: Wir sollten diesen Weg weitergehen. Und wir sollten einen europäischen Traum kreieren. Wir müssen die junge Generation inspirieren, die keinen Krieg mitgemacht hat, Europa in Bewegung zu setzen, Europa vorwärtszubringen.

kress.de: Wie kann die YEPP dazu beitragen? Was macht Ihre Organisation?

Andrianos Giannou: Wir gestalten Politik - auch, indem wir die Vertreter unserer einzelnen Parteien und deren Entscheidungsträger unterstützen. Wir entwerfen Beiträge zu Schlüsselthemen, zum Beispiel zur Zukunft Europas oder zur Zukunft der menschlichen Mobilität. Und wir helfen unseren Jugendorganisationen quer durch Europa.

kress.de: Welche Rolle können die Medien bei der Gestaltung dieser europäischen Idee spielen? 

Andrianos Giannou: Eine Schlüsselrolle! Denn sie gestalten die Meinung der Menschen über Gegenwart und Zukunft.

"Medien dominieren öffentlichen Raum"

kress.de: Denken Sie, dass öffentliche Meinung ohne Medien möglich ist?

Andrianos Giannou: Nein. Denn Medien gestalten nicht nur, sie dominieren auch den öffentlichen Raum. Aber: Einige der traditionellen Medien haben große Schwierigkeiten, die Qualität der Ressourcen zu identifizieren. Sie denken zu oft nur an die Menge der Informationen, sollten sich aber mehr auf die Qualität konzentrieren. Denn wir alle suchen nach Medienquellen, denen wir vertrauen können. Das ist das Alleinstellungsmerkmal der traditionellen Medien; sie veröffentlichen Inhalte, die interessant, bahnbrechend und vertrauenswürdig sind. 

kress.de: Stimmt das denn wirklich noch? Sind soziale Medien nicht viel wichtiger geworden? Ihre Organisation erreicht mehr als eine Million Interessierte auf unterschiedlichen Plattformen. Müssen sich die klassischen Medien verändern, um noch eine wichtige Rolle zu spielen?

Andrianos Giannou: Ich mache da gar nicht diese Unterscheidung. Facebook zum Beispiel gehört für mich zu den klassischen Medien. Denn es ist eine Plattform, auf der man seine Meinung austauschen und sich informieren kann. Dies liegt innerhalb der Definition von Medien.

kress.de: Wäre es dann nicht auch logisch, sie genauso zu behandeln? Wann werden die Mitgliedsparteien Ihrer Organisation tatsächlich damit beginnen, solche Plattformen als Medien-Organisationen zu betrachten und sie zu regulieren?

Andrianos Giannou: Das hat doch bereits begonnen. Nehmen Sie die Debatte über Fake News. Regulierungen in diese Richtung werden kommen und weitergehen.

"Verlage müssen auch in Zukunft Rechnungen bezahlen können"

kress.de: Sie haben gesagt, dass es schwierig sei, vertrauensvolle Quellen im Internet zu finden. Aber wie sollen Verleger auf Dauer seriöse Nachrichten anbieten, wenn sie damit kein Geld verdienen?

Andrianos Giannou: Das ist eine gute Frage. Es geht darum, Qualität und Inhalt auszubalancieren und gleichzeitig die Rechnungen noch bezahlen zu können. 

kress.de: Und Ihre Antwort?

Andrianos Giannou: Wir müssen die Medien am Leben erhalten, und das passiert doch auch. Die freie Presse ist eine Institution. Und wir sehen, dass sie Vertrauen genießt. Aber das allein macht sie in dieser Gratiskultur noch nicht profitabler. Unsere politische Familie hat für diese Herausforderung Ideen entwickelt; Abonnements zum Beispiel. Oder man gibt Bürgern eine Beihilfe, eine Art Voucher, den sie für die Nutzung von Medien einlösen können. Entscheidend aber bleibt die Suche nach der Wahrheit und der Qualität. Das unterscheidet diese Medien von den weniger vertrauenswürdigen Quellen. Wenn Journalisten interessante und vertrauenswürdige Inhalte veröffentlichen, werden die Leute diese auch weiterhin kaufen.

kress.de: Was müssen deutschsprachige Medien machen, damit ihre Stimme in Brüssel intensiver gehört wird?

Andrianos Giannou: Essentiell wäre, zumindest die wichtigsten Artikel auf Englisch zu veröffentlichen. Das würde helfen. Deutschland ist ein Schlüsselmitglied bei der Definition der Zukunft Europas. Aber es ist sehr schwierig, regionale Unterschiede zu verstehen oder die Sicht deutscher Entscheidungsträger zu hören, wenn man kein Deutsch spricht. Wären die wichtigsten deutschen Pressetexte auch auf Englisch verfügbar, dann könnte man auch leichter nachvollziehen, wie Deutsche während internationaler Krisen denken.

kress.de: Kann es ein Europa ohne Medien geben?

Andrianos Giannou: Nein, und das wird es auch nie geben. Wir brauchen mehr Debatten und nicht weniger. Die Medienszene ist ein Teil des öffentlichen Raumes, in dem diese Debatten stattfinden sollten. Ein Europa ohne Presse und Medien ist daher undenkbar. Wir müssen mehr darüber diskutieren, was wir wollen, was wir gemacht haben und wie wir vorankommen werden. Medien sind ein idealer öffentlicher Raum, um dies zu tun.

"Niemand darf Arbeit der freien Presse einschränken"

kress.de: Wie sicher ist die Pressefreiheit in Europa - gerade, wenn Sie nach Ungarn oder Polen schauen oder in die Slowakei, in der der Investigativ-Journalist Ján Kuciak ermordet wurde?  In einigen Ländern ist der Druck auf Journalisten zum Teil so groß, dass man nicht glauben kann, in einem europäischen Land zu sein.

Andrianos Giannou: Es gibt eine Polarisierung, und wenn sich das auf die Presse auswirkt, sind wir absolut hartnäckig und strikt. Niemand darf die Arbeit der freien Presse einschränken, auch nicht in der Europäischen Union. Wir werden jeglichen Schritt sanktionieren, der versucht, Presse zu beschränken.

Mit Andrianos Giannou, Präsident der "Youth of the European People's Party", sprach kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.