kress "Hall of Future": Yannick Dillinger begeistert, dass er sich ständig auf Neues einstellen muss

 

Beim European Newspaper Congress (13. bis 15. Mai, Wien) werden auch Mitglieder der kress "Hall of Future" vor Ort sein. Zu den Ausgezeichneten gehört Yannick Dillinger, stellvertretender Chefredakteur und Digitalchef der "Schwäbischen Zeitung" in Ravensburg. Im kress.de-Interview verrät Dillinger, was ihn Tag für Tag motiviert.

Welche Erwartungen standen am Auftakt Ihrer beruflichen Laufbahn?

Yannick Dillinger: Ich wollte keine zwei Tage hintereinander exakt dasselbe tun müssen. Musste ich bis heute zum Glück auch nicht. Ich konnte zu Beginn kaum glauben, dass ich für meine großen Leidenschaften, das Schreiben von Texten und das Kennenlernen spannender Menschen, auch noch Geld bekommen sollte.

Was bewegt und motiviert Sie heute in Ihrem Beruf?

Yannick Dillinger: Mich begeistert, dass ich mich ständig auf Neues einstellen muss: auf neue Projekte, neue Verantwortungen, neue Mitarbeiter, neue Kanäle, neue Zielgruppen, neue Darstellungsmöglichkeiten und neue Herausforderungen. Besonders in der Führungsverantwortung habe ich viel über andere Menschen, aber auch mich selbst gelernt.

Worauf sollten junge Leute heute achten, die "irgendetwas mit Medien" machen möchten?

Yannick Dillinger: Sie sollten darauf achten, dass sie bei ihrem Arbeitgeber Strukturen vorfinden, die eine Weiterentwicklung - fachlich wie menschlich - ermöglichen.

Wer wäre Ihre Wunschverabredung für ein Geschäftsessen? Was stünde ganz oben auf der Gesprächsagenda?

Yannick Dillinger: Ich würde gerne Evan Spiegel, den Gründer und CEO von Snap, treffen. Es beeindruckt mich, wie er dem Umwerben eines Mark Zuckerbergs widerstehen konnte - und wie er auch bei anhaltenden Tiefschlägen durch das Abkupfern eigener Ideen durch Instagram standhaft bleibt.

Im Berufsleben gibt es immer wieder Menschen, die einen fördern und unterstützen: Wer hat Ihnen besonders geholfen? Wem sind Sie dankbar?

Yannick Dillinger: Wilfried Hub, dem Eigentümer des Vogtland-Anzeigers, der von Anfang an meine Talente erkannt und an mich geglaubt hat. Steffen Range, dem ehemaligen Leiter Wirtschaft und Digitales der Schwäbischen Zeitung, von dem ich hinsichtlich Mitarbeiterführung und Projektmanagement vieles gelernt habe. Hendrik Groth, dem Chefredakteur der Schwäbischen Zeitung, der mein Potenzial gesehen und mir in sehr frühen Jahren sein Vertrauen geschenkt hat. Er fördert mich Tag für Tag und ermöglicht es mir dadurch, permanent dazuzulernen.

Ein Meilenstein meines bisherigen Lebens war . . .

. . . die wirklich wichtigen Meilensteine liegen im Privaten. Beruflich, auch wenn es nach Change Management, Handbuch I, klingt: Jede Besprechung, bei der ich meinen Standpunkt nicht durchbringen konnte, weil ich nicht ausreichend vorbereitet war.

Man sagt mir nach, . . .

. . . dass ich mittlerweile wirklich jede Besprechung akribisch vorbereite.

In meiner Freizeit . . .

. . . reise ich mit meiner Frau um die Welt, spiele mehr schlecht als recht Tischtennis und grille mit meinen Freunden.

Welches große Projekt steht als nächstes für Sie an?

Yannick Dillinger: Nach sehr technischen und strukturellen Großprojekten wie Relaunch und Change-Prozess machen wir uns in der Redaktion gerade sehr viele Gedanken darüber, wie wir unseren Journalismus inhaltlich noch weiter voranbringen können. Wir haben da in der Vergangenheit viel experimentiert und dazugelernt. Neben den Überthemen Automatisierung, Audio und bessere Werbung stellen wir uns (vor allem aber unseren Nutzern) die Frage: Was sind plattformübergreifend wertvolle Inhalte für die Menschen aus dem Süden? Das klingt banal, ist aber essentiell: Eine Plattform kann noch so schick, noch so schnell sein: Wenn Nutzer dort keine relevanten Inhalte finden, für die sie bereit sind, zu zahlen, haben wir ein Problem. Relevanz gepaart mit moderner Aufbereitung, cleverer Useraktivierung und durchdachter Userführung: Das möchten wir schaffen, daran arbeiten wir gerade.

Wo stehen Sie in fünf Jahren?

Yannick Dillinger: Hoffentlich gesund und munter in einem Digital-Job mit Führungsverantwortung und Gestaltungsspielräumen, der mich jeden Tag herausfordert und meinen Horizont erweitert.

kress.de-Tipp: In seine "Hall of Future" hat kress im vergangenen Jahr 25 prägende Medienmacher von morgen aufgenommen, darunter Yannick Dillinger, stellvertretender Chefredakteur und Digitalchef der "Schwäbischen Zeitung". Die Ausgezeichneten werden offiziell beim "European Newspaper Congress" in die "Hall of Future" aufgenommen. Beim European Newspaper Congress 2018 vom 13. bis 15. Mai in Wien tauschen 500 Chefredakteure und Medienmanager ihre besten Konzepte aus, berichten über erfolgreiche Cases und diskutieren über Werte und Verantwortung. Das komplette Programm und die Anmeldung finden Sie hier. Der European Newspaper Congress wird vom Medienfachverlag Johann Oberauer, der Stadt Wien und Norbert Küpper, Zeitungsdesigner in Deutschland, veranstaltet.

Zur Person: Yannick Dillinger, Jahrgang 1983, ist seit 2014 Digitalchef und seit 2017 stellvertretender Chefredakteur der in Ravensburg erscheinenden "Schwäbischen Zeitung" (Chefredakteur: Hendrik Groth). Dillinger hat nach dem Studium der Germanistik, Politikwissenschaft und Pädagogik in Saarbrücken und Landau von 2006 bis 2008 bei der in Plauen erscheinenden Lokalzeitung "Vogtland-Anzeiger" volontiert. Nach einer Hospitanz in der ZDF-Hauptredaktion Sport in Mainz kam Dillinger im März 2009 als Lokalredakteur zur "Schwäbischen Zeitung" nach Wangen. Von Oktober 2012 bis Oktober 2014 war er Digitalredakteur der "Schwäbischen", bevor er zum Digitalchef berufen wurde. Im März 2016 wurde er zusätzlich Mitglied der Chefredaktion, 2017 zusätzlich stellvertretender Chefredakteur. Dillinger, der verheiratet ist, ist seit 2016 Mitglied der Vorjury "Web-Projekte" beim Nannen Preis.

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