ARD-Börsen-Moderator Markus Gürne: Intensive Nebentätigkeit für die Volksbanken

 

Der Leiter der ARD-Börsenredaktion tingelt für Genossenschaftsbanken und deren Fondsanbieter als Redner durchs Land, zeigen Recherchen von "kress pro". Markus Gürnes Arbeitgeber, den Hessischen Rundfunk, stört das nicht.

Gürne war seit einschließlich 2014 für Volksbanken oder Raiffeisenbanken insgesamt 35 Mal als Redner, Vortragender oder in anderer Funktion tätig, schreibt Marvin Oppong in der aktuellen Ausgabe von "kress pro". Allein für 2017 finden sich im Internet 20 Veranstaltungen einer Volks- oder Raiffeisenbank mit dem ARD-Redaktionsleiter Markus Gürne. Mindestens fünf Mal war Gürne an Volksbank-Events beteiligt, die zusammen mit Union Investment, dem Fondsanbieter der Volks- und Raiffeisenbanken, durchgeführt wurden.

Die Grenzen zur Werbung sind fließend: Bei einer Veranstaltung der Volksbank Siegerland sagte Gürne laut Bank: "Also lassen Sie sich beraten - am besten von der Volksbank Siegerland eG." Auch er sei, so die Bank "seit vielen Jahrzehnten begeisterter Volksbankkunde".

Gürne, der beim Hessischen Rundfunk festangestellt ist, vermarktet sich auch daneben intensiv. Er ist bei gleich acht Redneragenturen gelistet. Ein hoher Wert vor allem im Vergleich zu anderen ARD-Journalisten. Nach Recherchen von "kress pro" kostet ein einmaliger Auftritt Gürnes rund 5.900 Euro plus MwSt. Zu seinen Einnahmen aus den Engagements für die Genossenschaftsbanken wollte Gürne auf Anfrage keine Auskunft geben.

Der hr teilt mit, man habe "sämtliche Nebenbeschäftigungsgenehmigungen von Herrn Gürne gemäß der internen Bestimmungen geprüft und bewilligt. Herr Gürne genießt das Vertrauen seiner Vorgesetzten und des hr." Im Übrigen beruft sich der Sender auf die Berufsfreiheit im Grundgesetz: "Es gilt der Grundsatz, dass nur als Ausnahme eine Nebentätigkeit untersagt werden kann", so hr-Pressechefin Vanessa Zaher.

Update: Der hr legt in einer Stellungnahme (zum Beitrag oben) Wert auf folgende Feststellungen:

1. Es wird der Eindruck erweckt, dass Herr Gürne im Auftrag von Banken Vorträge hält und dabei Geldanlagetipps oder Empfehlungenausspricht. Das ist falsch. Richtig ist, dass Herr Gürne bei den Vorträgen über sein Buch  "Die Welt ist eine Börse" (ein Spiegel-Bestseller) spricht. In dem Vortrag erklärt er den Zusammenhang von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft samt seinen Auswirkungen auf jeden Einzelnen. Anlass und Inhalt der Vorträge sind KRESS bekannt und wurden offenbar bewusst verschwiegen.

2. Es wird der Eindruck erweckt, dass der hr die Einladungen an den KRESS-Autor mit der Intention ausgesprochen hat, die Sachverhalte im Gespräch zu verschleiern. Das ist falsch. Richtig ist, dass der hr die ersten beiden Fragenkataloge des Autors schriftlich beantwortet hat. Da auf die Antworten aber stets mit weiteren Fragekatalogen von immer größerem Umfang reagiert wurde, hat der hr aus Kapazitätsgründen mitgeteilt, dass weitere Fragen nur noch in einem Gespräch beantwortet werden. Hierzu merken wir an, dass es presserechtlich im Ermessen des Befragten steht, auf welche Art er antwortet. Dass dem KRESS Autor die Reise von Bonn nach Frankfurt zu weit war, können wir nur bedauernd zur Kenntnis nehmen.

kress.de-Tipp: Die ganze Story "Begeisterung für Volksbanken" von kress-Autor Marvin Oppong lesen Sie in der "kress pro"-Ausgabe 3/2018. Sie kann in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt gekauft werden - und ist auch im Kiosk erhältlich. Per E-Mail kann sie unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden. "kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. Zum "kress pro"-Abo.

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