Verschlossen wie eine Auster? 4 Fragen und Antworten zum Süddeutschen Verlag

04.05.2018
 

Bisher haben Stefan Hilscher und Karl Ulrich, die Geschäftsführer des Süddeutschen Verlags, kein Interview gegeben. Für "kress pro" und seinen Chefredakteur Markus Wiegand haben sie eine Ausnahme gemacht. Vier Fragen, vier Antworten. 

1. Warum haben die Chefs des Süddeutschen Verlags (SV) "kress pro" ein Interview gegeben?

Keine Ahnung, ehrlich. Karl Ulrich ist seit 2008 als Geschäftsführer des SV im Amt und kann sich nicht erinnern, ein Interview gegeben zu haben. (In den Archiven findet sich nur ein einziges: aus dem Jahr 2008 mit dem "MediumMagazin".) Stefan Hilscher stieß im Herbst 2015 als gleichberechtigter Geschäftsführer dazu und kann sich genau erinnern, auf keinen Fall ein Interview gegeben zu haben. Auch sonst schweigt das Unternehmen ganz gerne. Nicht mal Umsatzzahlen nennt man. Der Weg zum Gespräch verlief so: Im Sommer gab es einen kurzen Kontakt für das Ranking der größten Fachverlage in Deutschland, bei dem der Süddeutsche Verlag mit seiner Fachinformationssparte auf Platz 6 landete. Daraufhin folgte überraschend das Angebot, sich mal bei einem Hintergrundgespräch kennenzulernen. Das fand im August statt und wir vereinbarten für den Jahresanfang einen Interviewtermin.

2. Wie geht es dem SV?

Das Gespräch fand im Hochhaus der SV-Zentrale am Stadtrand von München statt. Der Konferenzraum dort hat etwa die Größe einer Turnhalle. Wer so residiert, dem kann es nicht wirklich schlecht gehen. Im Understatement-Ton der Geschäftsführer heißt das: "Der SV steht ordentlich da". Nach internen Unterlagen erzielte das Unternehmen im Jahr 2015 eine Ebitda-Marge von 11,4 Prozent (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen). In den vergangenen beiden Jahren dürfte das operative Ergebnis ohne Sondereffekte leicht besser ausgefallen sein, so dass die Gruppe insgesamt wohl so stabil dasteht wie nie seit der Jahrtausendwende.

3. Welche Strategie haben Ulrich und Hilscher?

Viele denken beim Süddeutschen Verlag nur an das Flaggschiff "Süddeutsche Zeitung", dabei steuert sie nur rund die Hälfte des Umsatzes bei. Das Geschäft mit Fachinformationen dürfte inzwischen etwa ein Drittel des Umsatzes ausmachen und mit einer Ebitda-Marge von mehr als 15 Prozent der renditestärkste Bereich des Unternehmens sein. In den vergangenen Jahren ist der Fachverlag durch Zukäufe deutlich gewachsen, auch um ein Gegengewicht zum konjunkturanfälligen Zeitungsgeschäft zu setzen. Bei der "Süddeutschen" selbst verkauft der SV, angetrieben durch geschicktes Marketing der besten Geschichten, erfolgreich Digitalabos. Zudem setzt man auf Zusatzerlöse durch Nebengeschäfte. Wichtigstes Projekt dabei derzeit: die Corporate-Publishing-Agentur Scala mit inzwischen 40 Mitarbeitern. Dazu läuft auch das Regionalgeschäft (in Hof, Coburg, Suhl und Bayreuth) grundsolide.

4. Wie ticken Hilscher und Ulrich?

Beide sind unkomplizierte Typen, die in einem komplizierten Unternehmen arbeiten. Tatsächlich hatte ich vorher arge Bedenken, weil der SV bisher so verschlossen war wie eine Auster. Im Gespräch selbst präsentierten sich beide dann aber eloquent und auskunftsfreudig, wenn man davon absieht, dass sie peinlich bemüht sind, keine Zahlen zu irgendwas zu nennen. Beim Termin mit Fotograf Hartmut Bühler machten dann beide gar ungehemmt Faxen, die den steifen Kommunikationsprofis der Großverlage Sorgenfalten ins Gesicht getrieben hätten (s. u.). Leider stecken sie ihre Köpfe dabei nicht dicht genug zusammen, so dass wir das Foto nicht aufs Cover heben konnten. Offenbar ergänzen sich beide ganz gut, die Chemie scheint zu stimmen. Karl Ulrich war vorher Unternehmensberater, Stefan Hilscher ist gelernter Journalist und wechselte dann ins Management. Während Ulrich die Fragen gern auf seinen analytischen Kern runterbricht, geht Hilscher auch schon mal steil. Zum Beispiel wenn man die These wagt, dass die "Süddeutsche" mit einem Großteil des Umsatzes im "alten Geschäft" steckt. Dann wäscht er einem den Kopf, wie Sie im Titelinterview von "kress pro" (siehe unten) lesen können. 

Autor: Markus Wiegand

kress.de-Tipp: Der Text ist das Editorial zur "kress pro"-Ausgabe 1/2018 (erschienen im Januar). Im Titelinterview sprechen Karl Ulrich und Stefan Hilscher über die Strategie für ihr Flaggschiff "Süddeutsche Zeitung", sagen, warum das Geschäft mit Fachinformationen überschätzt wird und wer von beiden den cooleren Job hat. Die Ausgabe gibt es in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk. Per E-Mail kann sie unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden. "kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo.

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