Wie Murat Mermer Kinoleinwände für TV-Inhalte buchbar machen möchte

 

Murat Mermer, langjähriger Geschäftsführer der Münchner Agentur Harvard PR, möchte wie ein Robin Hood das klassische Vertriebsmodell der Rechteanbieter auf dem boomenden Streaming-Markt aushebeln. Als Co-Geschäftsführer des Aufbruchsunternehmen Cinehood hat er sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. "Wir wollen das Kino demokratisieren", sagt Mermer im Gespräch mit "kress pro".

Es geht ihm um ein Umwälzen der Vertriebswege, wie Bewegtbildinhalte vom Produzenten zum Nutzer kommen. Kurz gefasst soll das Modell, das Mermer entwickelt hat und für das er derzeit Rückenwind nicht nur von Kinobetreibern, sondern vom Bayerischen Wirtschaftsministerium oder vom Branchenverband HDF Kino bekommt, so funktionieren: Film-Fans selbst können für Inhalte, die sie auf der Leinwand sehen wollen, bei kooperierenden Lichtspielhäusern eine Leinwand buchen.

Dafür finden sie sich übers Netz und eine App-Lösung. Vorbild ist unter anderem der britische Anbieter Ourscreen.com, bei dem sich Cineasten mit ähnlichen Vorlieben zusammenschließen und dann eine Kinovorführung zustande bringen, die sonst wohl nie möglich gewesen wäre. "Wir wollen die Screens öffnen", sagt Mermer.

Musterstück – auch was die Preisgestaltung angeht – ist das Verfahren, das Filmfans bei Anbietern wie Netflix gelernt haben. Mit dem Unterschied allerdings, dass Cinehood für Film-Ereignisse wieder eine Öffentlichkeit schaffen möchte. "Ein Kinobesuch ist ein emotionales Erlebnis", so Mermer. "Das hat man nicht, wenn man zuhause mit seinem Tablet sitzt."

Zudem sind die Säle in der Regel hoch modern mit THX-, 3D-, teilweise sogar 4K-Technologie ausgestattet. "Der Weg zum Kino findet aber immer noch in einer Kutsche statt", sagt Mermer und klagt über die "unvorstellbare Inkonsistenz" etwa beim Ticketing, das "nach wie vor oldschool" sei. "Wir wollen den Weg zum Kino digitalisieren und eine Wertschöpfungskette schaffen."

kress.de-Tipp: Wie das Cinehood-Modell konkret funktioniert, wie der Umsatz sowohl für Kinobetreiber als auch für Independent-Anbieter, deren Filme möglicherweise sonst gar keinen Abspielkanal finden, steigen wird und mit welchen Big-Data-Lösungen Anbieter gezielt die Interessen eines treuen Fan-Publikums adressieren können, erfährt man in aller Ausführlichkeit im Case in "kress pro" (03/2018). Die Ausgabe kann in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt gekauft werden - und ist auch im Kiosk erhältlich. Per E-Mail kann sie unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden. "kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. Zum "kress pro"-Abo.

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