Personalchefin des Mittelbayerischen Verlags im Interview: "Bei uns können schon Volontäre Verantwortung übernehmen"

 

Jasmin Meier, Personalchefin des Mittelbayerischen Verlags ("Mittelbayerische Zeitung") in Regensburg, sagt, welche Qualifikationen der Verlag gerade sucht, wie er "Volontäre mit Marktsicht" ausbildet - und was ihr während ihrer eigenen Ausbildung dort nicht so gut gefallen hat. Teil 5 der kress.de-Interviewreihe mit den Personalverantwortlichen von Medienunternehmen.

kress.de: Frau Meier, der Mittelbayerische Verlag ist ein regionales Medienhaus mit Sitz in Regensburg, die "Mittelbayerische Zeitung" erscheint in der Oberpfalz und in Niederbayern. Sind Sie als Arbeitgeber für Menschen, die nicht in Ihrem Verbreitungsgebiet leben, überhaupt interessant?

Jasmin Meier: Auf jeden Fall. Schon allein deswegen, weil wir in einer wunderschönen Stadt beheimatet sind. Der Großteil unserer Mitarbeiter kommt aber aus Bayern. Wir suchen nur gelegentlich deutschlandweit, wenn wir eine Schlüsselfunktion wegen des Fachkräftemangels nicht aus der Region besetzen können.

kress.de: Bei Ihnen ist in den vergangenen Jahren einiges passiert: Sie haben ein neues Druckzentrum und ein neues Verlagsgebäude errichtet. Wie hat sich die Beschäftigtenzahl entwickelt und wie wird sie sich perspektivisch weiterentwickeln?

"In kundennahen Bereichen wie der Mediaberatung, Marketing und in der Logistik wollen wir uns breiter aufstellen."

Jasmin Meier: Die Mitarbeiterzahl ist sehr stabil bei 550 geblieben, und ich gehe davon aus, dass das in etwa so bleiben wird. In kundennahen Bereichen wie der Mediaberatung, Marketing und in der Logistik wollen wir uns breiter aufstellen. Die Zahl der Mitarbeiter dort wird wahrscheinlich noch ein bisschen wachsen. Das gilt auch für die Redaktion, weil dort immer zielgruppenspezifischere Inhalte gefordert werden.

kress.de: Welche Berufsprofile und Qualifikationen verlieren eher an Bedeutung? Jasmin Meier: An Bedeutung verlieren Jobs in Bereichen, wo viel automatisiert und digitalisiert wird, insbesondere in der Verwaltung.

kress.de: Welche Qualifikationen muss zum Beispiel ein Redakteur haben, um für Sie interessant zu sein?

Jasmin Meier: Ich würde eher von Eigenschaften sprechen. Es muss jemand sein, der sich für unsere Produkte, aber auch für unsere Kunden begeistern kann. Und er muss veränderungsbereit sein. Wer sagt, das haben wir schon immer so gemacht, das muss so bleiben, wird es in Zukunft in einem Medienhaus schwer haben.

kress.de: Sie sprachen von Fachkräftemangel. Sind Sie als regionales Medienhaus gegenüber anderen Unternehmen aus der Region auf dem Arbeitsmarkt ins Hintertreffen geraten?

Jasmin Meier: Im Bereich Mediaberatung/Verkauf stehen wir mit jedem Unternehmen in Konkurrenz, weil jeder sein Produkt verkaufen will. Das ist ein harter Job, und man merkt, dass die Leute das immer weniger machen wollen, obwohl sie gutes Geld verdienen können. Wir hatten eine Durststrecke, gute Mitarbeiter zu finden, aber momentan ist es wieder besser. Auch in den Bereichen IT, Druckzentrum und Elektrotechnik spüren wir massiv, dass der Markt bei uns in der Region leergefegt ist. Wir haben hier big Player wie Continental, BMW oder Siemens, die ganz andere Möglichkeiten als wir haben.

kress.de: Was tun Sie, um Mitarbeiter aus diesen Bereichen dennoch zum Mittelbayerischen Verlag zu locken?

Jasmin Meier: Wir versuchen, die Stellen attraktiv zu gestalten und auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen. Wir bieten zum Beispiel Hilfe bei der Kindergartensuche, flexible Arbeitszeiten oder Home-Office.

kress.de: Sie selbst haben sich von der Auszubildenden zur Abteilungsleiterin hochgearbeitet. Ist ein solcher Karriereweg typisch für den Mittelbayerischen Verlag?

"Wir setzen auf den eigenen Nachwuchs."

Jasmin Meier: Das ist ein typischer Karriereweg, wir setzen auf den eigenen Nachwuchs und versuchen, Leute aus dem Haus für Führungspositionen zu rekrutieren. Wir holen zwar manchmal jemanden von außen, haben aber die Erfahrung, gemacht, dass es mit dem eigenen Nachwuchs am besten funktioniert. Unser operativer Leitungskreis, den wir 2017 gegründet haben, ist komplett im Haus gewachsen. Wir merken, dass Personen von extern lange Eingewöhnungszeiten haben, weil ein Medienunternehmen wie der Mittelbayerische Verlag sehr komplex ist. Der Verlag ist nicht ausschließlich von Zahlen getrieben, kreative Köpfe haben Vorrang.

kress.de: Mussten Sie in Ihrer eigenen Karriere viele Widerstände im Unternehmen überwinden?

Jasmin Meier: Nein, ich habe immer von der Förderung durch meinen Vorgesetzten profitiert. Leute, die etwas bewegen und Verantwortung übernehmen wollen, kommen im Haus sehr weit. Egibt auch eine hohe Fehlertoleranz. Man probiert etwas aus und stellt es wieder ein, wenn es keinen Erfolg hat.

kress.de: Gibt es Dinge, die Sie aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen als Auszubildende im Personalbereich geändert haben?

Jasmin Meier: Definitiv. Damals wurden Azubis nach ihrer Ausbildung oft auf Stellen gesetzt, die gerade frei waren. Es sind gelegentlich Tränen geflossen, weil die Leute zwar im Haus bleiben wollten, die jeweilige Stelle aber nicht ihren Veranlagungen entsprach. Das ist heute unter meiner Regie anders.

kress.de: Können Sie die meisten Auszubildenden und Volontäre übernehmen?

Jasmin Meier
: Ja. Wir haben in den vergangenen zehn Jahren alle übernommen. Wir bilden aus, um zu übernehmen.

kress.de: Sie bieten auch ein Volontariat in Kombination mit einem Medien-Bachelor an. Wie funktioniert das und warum machen Sie das?

Jasmin Meier: Wir bieten ein klassisches Volontariat und ein Volontariat in Kombination mit einem Medien-Bachelor an. Wir wollen dadurch Redakteure mit Marktsicht ausbilden, die nicht nur schreiben, was sie selbst interessiert, sondern immer den Blick auf den Leser haben. Wir kooperieren dafür mit der Steinbeis-Hochschule in München. Dieses Volontariat trägt zu unserer Attraktivität bei, weil die Volontäre gleichzeitig arbeiten, Geld verdienen und studieren können. Es ist aber auch eine große Herausforderung, wenn man voll im Job ist. Manchen ist nicht ganz bewusst, was auf sie zukommt.

kress.de: Wo und wie finden Sie Volontäre?

Jasmin Meier: Wir mussten noch nie Volontärstellen ausschreiben, weil wir als innovativ gelten und immer genügend Initiativbewerbungen aus ganz Deutschland bekommen. Viele Volontäre rekrutieren wir aus den rund 100 Praktikanten, die pro Jahr bei uns in der Redaktion arbeiten.

kress.de: Was unterscheidet das Volontariat bei Ihnen von dem Angebot anderer Verlage?

Jasmin Meier: Bei uns können Volontäre schon in der Ausbildung viel Verantwortung übernehmen. Zu den Thurn und Taxis Schlossfestspielen, die jährlich stattfinden, veranstalten wir zum Beispiel Schlossfestspiel-TV. Ein Volontär durfte gleich voll dabei sein und moderieren. Volontäre sind keine billigen Arbeitskräfte, sie dürfen viel ausprobieren und machen.

kress.de: Bieten Sie im Verlagsbereich Traineeships an?

Jasmin Meier: Momentan nicht. Wir bieten aber ein duales Studium im kaufmännischen Bereich an.

kress.de: Bei Ihnen ist viel von Transformation und digitalem Wandel die Rede. Wie sorgt das Unternehmen dafür, dass altgediente Mitarbeiter dabei nicht unter die Räder kommen?

Jasmin Meier: Das Thema Information der Mitarbeiter ist uns sehr wichtig. Im vergangenen Jahr haben wir eine große Vollversammlung der Redaktion gemacht. Wir bieten auch ständig Weiterbildungen in jedem Bereich an und nicht zu vergessen die regelmäßig stattfindende Infokantine, in der alle Mitarbeiter über Neuerungen im Haus informiert werden.

kress.de: Was machen Sie konkret?

Jasmin Meier: In der Redaktion bieten wir beispielsweise Weiterbildungen zu den Themen "mobile Reporting" und "Storytelling" an, in der Infokantine informieren wir zum Beispiel über neue Geschäftsfelder.

"Man kann in jungen Jahren schneller mehr verdienen."

kress.de: Der Mittelbayerische Verlag ist seit 2011 Mitglied ohne Tarifbindung im Arbeitgeberverband, Gespräche mit den Gewerkschaften über einen Haustarifvertrag sind gescheitert. Welche Regeln gelten jetzt bei Ihnen?

Jasmin Meier: Wir haben eine Betriebsvereinbarung mit dem Betriebsrat geschlossen und die Gewerkschaften komplett außen vorgelassen. Sie gilt für Verlag und Redaktion. Ganz grob: Die Mitarbeiter bekommen ein festes Gehalt und haben die Möglichkeit, einen Bonus zu erzielen, wenn sie Ziele erreichen, die im Jahresgespräch vereinbart wurden. Darüber hinaus steigt aber auch ihr Festgehalt, wenn sie das schaffen.

kress.de: Für Redakteure kann man doch keine monetären Ziele festlegen.

Jasmin Meier: In der Redaktion sind es keine monetären Ziele. Es können Projekte wie eine Reportageserie sein. Die Ziele sind nicht wahnsinnig hochgesteckt, sie sollten in der normalen Arbeitszeit machbar sein.

kress.de: Welchen Anteil am Gesamtgehalt macht der Bonus denn in der Regel aus?

Jasmin Meier: Der Bonus liegt bei 5 Prozent vom Jahresgehalt.

kress.de: An welchen Stellen weichen Sie sonst noch von den Tarifverträgen ab?

Jasmin Meier: Die Arbeitszeit beträgt 40 Stunden pro Woche, ansonsten orientieren wir uns am Manteltarifvertrag für Redakteure. Auch Verlagsangestellte kommen in den Genuss von dessen Regelungen.

kress.de: Verdient man bei Ihnen über die Jahre hinweg mutmaßlich besser oder schlechter als mit den Branchentarifverträgen?

Jasmin Meier: Man kann in jungen Jahren schneller mehr verdienen. Die Tarifverträge sehen vor, dass man erst ein paar Jahre gedient haben muss, um sich zu verbessern, weil das Gehalt von der Dauer der Betriebszugehörigkeit abhängt. Bei uns spielt sie nicht eine solch entscheidende Rolle.

Zur Person: Jasmin Meier hat ihre Karriere beim Mittelbayerischen Verlag im Jahr 2002 als Azubi Kauffrau für Bürokommunikation begonnen. Seit 2016 ist sie Abteilungsleiterin Personal.

Das Gespräch mit Jasmin Meier ist Teil 5 einer kress.de-Interviewreihe mit den Personalverantwortlichen von Medienunternehmen. Lesen Sie auch:

Teil 1 - Florian Klages, Leiter Corporate HR bei Axel Springer, verrät, wie man bei Springer schnell Karriere macht.

Teil 2 - Jannis Tsalikis, HR-Director von Vice Media, sagt, welche Sätze er in Bewerbungen nicht lesen will.

Teil 3 - Adrian Schimpf, Leiter Personal & Recht bei der Madsack Mediengruppe, sagt, was er bei jungen Job-Bewerbern manchmal vermisst.

Teil 4 - Ulf Werkmeister, Personalchef von ProSiebenSat.1 Media, erzählt warum er mit seinen Kollegen beim "Breakfast mit Ulf" über die Unternehmenskultur diskutiert.

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