"Wir fragen unsere kressköpfe": Wie Jobst Benthues aus Influencern echte TV-Stars machen möchte

 

Jobst Benthues, Geschäftsführer der ProSiebenSat.1-Produktionstocher RedSeven, kann völlig zurecht von sich behaupten, ein "Kind des Privatfernsehens" zu sein. Im Unternehmen hat er schon an vielen Steuerrädern und Stellschrauben gedreht. Wie Benthues im "kressköpfe-Interview" verrät, ist er ein Anhänger des "Management by Walking"-Stil und möchte aus Stefanie Giesinger ein wichtiges Sendergesicht machen

kress.de: Herr Benthues, zunächst einmal Gratulation zum runden Firmenjubiläum. Wie werden Sie denn mit Ihren Mitarbeitern feiern?

Jobst Benthues: Die zehn Jahre sind für uns eine Bestandsaufnahme, ein Meilenstein. Wir werden mit unseren Mitarbeitern natürlich in kleinem Kreis anstoßen, jedoch fokussieren wir uns jetzt schon auf die nächsten zehn Jahre. Das Geschäft geht für uns nahtlos weiter.

kress.de: Der Produzentenmarkt in Deutschland ist hart umkämpft. Was machen die besonderen Stärken von RedSeven Entertainment aus?

Jobst Benthues: Wir sind immer noch eine junge Firma und wollen weiter nach vorne. Unsere Mitarbeiter und wir freuen uns immer noch über jeden gelungenen Pitch und jeden Entwicklungsauftrag. Unser Vorteil ist, dass sowohl meine Co-Geschäftsführerin Christiane Heinemann als auch ich beide auf eine lange Sendervergangenheit blicken. Wir wissen, was für uns als Produzenten wichtig ist und zugleich verstehen wir, wie die Denkweise der Sender im Bereich Positionierung und Formatierung aussieht.

kress.de: Ihr Haus wird gerne mit alteingeführten ProSieben-Marken wie "Germany’s Next Topmodel" oder dem Sat.1-Klassiker "The Biggest Loser" verbunden. Wie schwer fällt es, derartige Traditionsmarken im deutschen Fernsehgeschäft auch für immer neue Staffeln spannend und frisch zu halten?

Jobst Benthues: Das ist für uns eine extrem spannende Aufgabe! Innerhalb der Firma liegt ein hoher Fokus darauf, denn diese Marken sind das Rückgrat der RedSeven. Christiane Heinemann und ihr Team konzentrieren sich darauf, diese Marken ständig weiterzuentwickeln. Die Erfolge von "Germany’s next Topmodel – by Heidi Klum" und "The Biggest Loser" zeigen uns, dass wir hier vieles richtigmachen.

"Ich verweise gern auf die Stand- und Spielbein-Theorie"

kress.de: Wenn Sie auf Ihr Tagesgeschäft blicken: Was bereitet Ihnen mehr Kopfzerbrechen – die Jagd nach innovativen Format-Ideen oder die Pflege der eingeführten Marken?

Jobst Benthues: Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne auf die Stand- und Spielbein-Theorie verweise. Marken wie "Germany’s next Topmodel – by Heidi Klum", "Hochzeit auf den ersten Blick" und "The Biggest Loser" sind das Standbein der RedSeven. Wir versuchen aber ständig, auch unser Spielbein einzusetzen, indem wir neue Formate entwickeln und produzieren, die langfristig vom Spielbein zum Standbein werden können.

"Stefanie Giesinger kann in naher Zukunft eine entscheidende Rolle im TV spielen."

kress.de: Mit dem "About You"-Award übertragen Sie eine große Influencer-Preisverleihung. Sind die jungen Einflussgeber denn heute schon die Zukunft des Fernsehens?

Jobst Benthues: Mich persönlich hat die Energie des About You Awards positiv überrascht. Die Show war ab Nachmittag mit dem roten Teppich auf allen Kanälen präsent und hat an nur einem Tag weit über 60 Millionen Kontakte erreicht. Die TV-Auswertung ist ein exakt passendes Bauteil der Gesamtverbreitung. Zudem glaube ich, dass einige Influencer auch zu TV-Gesichtern werden können. Die About You Awards bieten ihnen die Chance, sich zu präsentieren. Für mich ist es nur eine Frage der Zeit, dass Influencer, die inhaltliche Substanz besitzen, ihren Weg ins Fernsehen schaffen. Ich bin fest davon überzeugt, dass zum Beispiel Stefanie Giesinger, die sich ihren Weg in den Influencer-Bereich über "Germany’s next Topmodel" gebahnt hat, in naher Zukunft eine entscheidende Rolle im TV spielen kann.

"Es war für mich an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren."

kress.de: Sie waren lange selbst operativ in den Sendern Ihrer TV-Familie tätig. Warum hat es Sie gejuckt, aus der eher administrativen Tätigkeit ins aktive Produzieren zu wechseln?

Jobst Benthues: Nach prägenden Jahren als Unterhaltungschef bei ProSieben war es für mich an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren. ProSieben hat mir damals durch einen langjährigen Vertrag die Möglichkeit gegeben, für mich herauszufinden, ob ich der bessere Sendermanager oder Produzent bin. Es war natürlich eine sehr reizvolle Aufgabe, eine neue Firma nach meinen Vorstellungen und mit allen Freiheiten unter dem Dach von ProSiebenSat.1 aufzubauen. So eine Chance bekommt man nicht allzu oft, deshalb habe ich mich für diesen Schritt entschieden. Trotzdem hatten wir bei RedSeven schon von Anfang an die Vision, uns frei auf dem Markt bewegen zu können und für unterschiedliche Sender zu arbeiten.

"In meiner Brust schlagen zwei Herzen im gleichen Takt."

kress.de: Wie viel Manager steckt in Ihnen – und wie viel Unternehmer?

Jobst Benthues: In meiner Brust schlagen zwei Herzen im gleichen Takt: Ich möchte die Firma unternehmerisch nach vorne bringen und als Kreativer mit meinen Mitarbeitern etwas bewegen und neue Genres definieren.

kress.de: Was muss ein Kreativer aus Ihrem Haus mitbringen, um Sie etwa für das Ausprobieren eines neuen Showkonzepts zu begeistern?

Jobst Benthues: Er muss mir seine Idee in zwei Sätzen erzählen können, um mich zu überzeugen. Wenn er mich dann noch auf dem Weg zur Tiefgarage oder Toilette abfängt, weiß ich, dass es ihm mit seiner Idee ernst ist.

kress.de: Wie viele Exposees liegen denn aktuell auf Ihrem Nachttisch?

Jobst Benthues: Da wir uns vorgenommen haben, unsere ersten kleinen Schritte in Richtung Fiction zu gehen, liegen momentan eher Drehbuchfassungen auf meinem Nachttisch als Unterhaltungskonzepte. 

"Mein Motto ist: Management by Walking"

kress.de: Wie offenen ist die Tür eines RedSeven-Geschäftsführers eigentlich in der Praxis noch?

Jobst Benthues: Ich lebe davon, eine offene Tür zu haben, um mir Ideen anhören zu können. Denn jede Idee zählt. Zudem ist mein Motto "Management by Walking": Ich laufe viel durch die Büroräume und gehe auf die Mitarbeiter zu. Ich warte nicht nur darauf, dass jemand auf mich zukommt.

kress.de: Ihre Aufgaben bringen sicher neben der Kreativarbeit viel Administratives, Verhandlungen sowie Zahlen- und Vertragswerk mit sich. Wie nah fühlen Sie sich trotzdem noch dem Produktionsbetrieb?

Jobst Benthues: Ich fühle mich dem Produktionsbetrieb immer noch sehr nah. Wir haben in der Geschäftsführung eine klare Aufgabenverteilung. Ich bin sehr glücklich darüber, dass Julia Knetsch, unsere bisherige kaufmännische Leitung, nun Mitglied der Geschäftsführung ist. Somit bleibt mir die Zeit, auch jetzt noch bei unseren eigenen Produktionen selbst vor Ort zu sein.

"Mich begleiten Medien 24 Stunden am Tag."

kress.de: Wie sieht eigentlich Ihre eigene Mediennutzung aus? Welche Titel oder Marken nehmen Sie sich persönlich frühs als erstes vor?

Jobst Benthues: Mich begleiten Medien 24 Stunden am Tag. Ich wache morgens mit dem Frühstücksfernsehen auf. Danach fahre ich ins Büro und kriege über sämtliche Kanäle sowie Newsletter weltweit Infos über neue Programme und Formate auf den Tisch. Abends fahre ich nach Hause und habe ein ausgeprägtes Zapp-Verhalten. – einmal quer durch das Programmportfolio. Und ich streite mich zunehmend mit meiner siebenjährigen Tochter um mein iPad. Auch wenn es etwas Oldschool erscheint, bin ich außerdem immer noch Abonnent einer Fernsehzeitschrift und Tageszeitung.

kress.de: Und wie sehr schmerzt der Blick in die Reichweiten-Auflistungen in der Früh?

Jobst Benthues: Auch nach 25 Jahren schmerzt es noch, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden. Dann ist es für mich ein verbrauchter Tag. Umgekehrt ist es immer noch so, dass wir himmelhochjauchzend reagieren, wenn etwas super funktioniert.

"Ich bin ein Kind des Privatfernsehens."

kress.de: Wenn Sie auf Ihre eigene bisherige Karriere zurückblicken: Wo haben sie Sie am meisten gelernt und was hilft im Produktionsalltag?

Jobst Benthues: Ich bin ein Kind des Privatfernsehens. Als Unterhaltungschef bei ProSieben und zuvor bei der Zeit bei RTL konnte ich von jeder kleinen und großen Produktionsfirma in Deutschland lernen. Ich hatte die Chance, zu beobachten und zugleich von Senderseite mitzugestalten. Ich konnte mit vielen Produktionskollegen große Erfolge und schmerzhafte Niederlage erleben. Mein Motto ist deshalb auch: Irgendwas ist immer für irgendwas gut.

kress.de: Der Konkurrenzdruck im schnell getakteten Fernsehgeschäft ist enorm. Wie tanken Sie eigentlich privat Ihre Batterien auf?

Jobst Benthues: Mit einer Frau und zwei Töchtern zuhause bin ich nahtlos weiter eingespannt. Ich freue mich, wenn ich mal eine Stunde Tennis spielen und an meiner Rückhand arbeiten kann, die ich seit über 40 Jahren trainiere. (lacht)

kress.de: Sie führen seit längerem ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Jobst Benthues: Ein direkter, offener und ehrlicher Kontakt zu Künstlern und Geschäftspartnern ist essentiell für mich.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Jobst Benthues: Sie sind eine wichtige Informationsquelle für mich, gerade um im digitalen Zeitalter mit anderen zusammenzukommen. Man hat hier die Chance, auf neue interessante Köpfe und Menschen aufmerksam zu werden. 

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