"Spiegel Online"-Redakteur Hasnain Kazim: Medien tragen Mitschuld am Online-Hass

09.05.2018
 

Der Journalist Hasnain Kazim macht auch die klassischen Medien mitverantwortlich an Hasskommentaren im Internet. Er wolle den Vorwurf der Mitschuld nicht von der Hand weisen, "weil manche über jedes Stöckchen springen, das die Rechten ihnen hinhalten", kritisiert der "Spiegel Online"-Korrespondent in einem Interview für die "Journalisten-Werkstatt: Community Management" des "medium magazin".

Hsanain Kazim fordert Redaktionen auf, sich klare Leitlinien für den Umgang mit Leserkommentaren geben. Es brauche Leitlinien für verbotene Inhalte und Regeln, wie Journalisten mit ihnen umgehen sollen - ob sie zum Beispiel löschen oder den Kommentatoren anzeigen sollen.

Der wachsende Hass in Online-Kommentaren bringt Kazim in direkte Verbindung mit dem Erstarken der "völkisch denkenden Partei" AfD: "Viele Menschen meinen jetzt, es sei okay zu sagen: 'Ausländer raus' und 'Man muss Muslime in den Gasofen schicken', Formulierungen, die oft bei mir landen. Dass die AfD ins Parlament gewählt wurde, scheint ein Dammbruch gewesen zu sein. Auch ein Grund für mich zu sagen: Ich kann und will nicht länger schweigen." Kazim antwortet auf Hass-Kommentare mit Ironie - aus einem einfachen Grund: "Wenn ich diesen Mist ertragen muss, möchte ich wenigstens auf meine Kosten kommen."

Eine Auswahl seiner Dialoge mit Hassmail-Schreibern dokumentiert Haznain Kazim in dem Buch "Post von Karlheinz. Wütende Mails von richtigen Deutschen - und was ich ihnen antworte", das Ende April erschienen ist (Penguin Verlag 2018, 272 Seiten).

kress.de-Tipp: Das Interview mit Hasnain Kazim erscheint in der 16-seitigen "Journalisten-Werkstatt" zum Thema "Community Management" (Autoren: Anne Haeming und Daniel Bouhs). Darin gibt es auch "Drei Prinzipien für gute Moderation", "Sieben goldene Regeln" für die Redaktion, Fragen und Antworten zur Rechtslage, Gebote, Lesetipps, fünf Beispiel-Dialoge sowie "Jobprofile: Die Arbeit der Faktchecker". Die Reihe "Journalisten-Werkstatt" wird herausgeben von Annette Milz und erscheint in "medium magazin" sowie "Der Österreichische Journalist" und "Schweizer Journalist" als Bestandteil des Abonnenements. Einzelbestellungen sind hier möglich.

Das "medium magazin" - das Magazin für Journalisten, in dem aktuelle Branchenthemen diskutiert und beleuchtet werden - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteurin ist Annette Milz.

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