kress "Hall of Future": Benjamin Piel sucht die Formel für den Lokaljournalismus der Zukunft

 

Beim European Newspaper Congress (13. bis 15. Mai, Wien) werden auch Mitglieder der kress "Hall of Future" vor Ort sein. Zu den Ausgezeichneten gehört Benjamin Piel, als Chefredakteur in Kürze Nachfolger von Christoph Pepper beim "Mindener Tageblatt". Mit seinen Geschichten möchte Piel Menschen berühren.

Welche Erwartungen standen am Auftakt Ihrer beruflichen Laufbahn?

Benjamin Piel: Die besten Geschichten auswühlen und aufschreiben.

Was bewegt und motiviert Sie heute in Ihrem Beruf?

Benjamin Piel: Je näher der Lokaljournalismus dran ist an den Menschen, desto stärker, packender, berührender ist er. Wahrzunehmen, wie sehr Menschen mit und von dem Lokalmedium leben, das erzeugt eine große Kraft. Es gibt nichts Schöneres auf der Welt als mit den Menschen zu leben, zu leiden, sich mit ihnen zu freuen und zu ärgern, über sie zu erzählen, mit Ihnen auf dem Weg zu sein und die Entwicklung eines Landstrichs zu begleiten.

Worauf sollten junge Leute heute achten, die "irgendetwas mit Medien" machen möchten?

Benjamin Piel: Irgendwas mit Medien ist schwierig, irgendwas mit Leidenschaft ist besser. Hingabe ist alles. Wer meint, Journalist zu sein, sei ein Beruf, wird es schwer haben.

Wer wäre Ihre Wunschverabredung für ein Geschäftsessen? Was stünde ganz oben auf der Gesprächsagenda?

Benjamin Piel: Ein Abendessen mit Art Cullen, dem Herausgeber der Lokalzeitung The Storm Lake Times, wäre spannend. Diese Mini-Zeitung hat in gerade einen Pulitzer-Preis gewonnen. Es stimmt eben: Winzige Lokalmedien können die Welt bewegen. Über das Wie hätten wir uns einiges zu erzählen.

Im Berufsleben gibt es immer wieder Menschen, die einen fördern und unterstützen? Wer hat Ihnen besonders geholfen? Wem sind Sie dankbar?

Benjamin Piel: Matthias Hufmann und Hans-Georg Taken haben mir bei der Schweriner Volkszeitung beigebracht, was Geschichten haben müssen, um gut zu sein und dass bei Lokaljournalisten, die nicht anecken, was falsch läuft. Wer beides weiß, ist schon ganz schön weit.

Ein Meilenstein meines bisherigen Lebens. . .

. . . war die Geburt meiner Kinder. Drei Kinder verändern alles. Sie polen den Kompass auf Leben.

Man sagt mir nach, . . .

. . . mir würden die spannendsten Geschichten leicht von der Hand gehen (was nicht stimmt - in Wahrheit ist es nicht mehr und nicht weniger als die Summe vieler langer Arbeitstage).

In meiner Freizeit . . .

. . . sagen mir meine Kinder, dass ich weniger arbeiten soll.

Welches große Projekt steht als nächstes für Sie an?

Benjamin Piel: Gerade habe ich ein Jahr lang eine Familie begleitet, deren dreijähriges Kind gestorben war. Eigentlich fehlt mir für solche Langzeitprojekte die Zeit, aber ohne kann ich schlecht leben und sie halten die Liebe zum Journalismus frisch. Gerade suche ich nach dem nächsten Langzeitprojekt. Für unsere Redaktion ist ein großes Thema wie wir die digitale Transformation zügiger vorantreiben. Wie kann Lokaljournalismus auf den vielen Portalen und Diensten lebendig bleiben und die Menschen erreichen? Diese Frage stellt uns vor große und immer neue Herausforderungen.

Wo stehen Sie in fünf Jahren?

Benjamin Piel: Hauptsache, ich stehe.

kress.de-Tipp: In seine "Hall of Future" hat kress im vergangenen Jahr 25 prägende Medienmacher von morgen aufgenommen, darunter Yannick Dillinger, stellvertretender Chefredakteur und Digitalchef der "Schwäbischen Zeitung". Die Ausgezeichneten werden offiziell beim "European Newspaper Congress" in die "Hall of Future" aufgenommen. Beim European Newspaper Congress 2018 vom 13. bis 15. Mai in Wien tauschen 500 Chefredakteure und Medienmanager ihre besten Konzepte aus, berichten über erfolgreiche Cases und diskutieren über Werte und Verantwortung. Das komplette Programm und die Anmeldung finden Sie hier. Der European Newspaper Congress wird vom Medienfachverlag Johann Oberauer, der Stadt Wien und Norbert Küpper, Zeitungsdesigner in Deutschland, veranstaltet.

Zur Person: Benjamin Piel, Jahrgang 1984, verheiratet und Vater von drei Kindern, ist seit 2015 Redaktionsleiter der "Elbe-Jeetzel-Zeitung", Diesen Sommer übernimmt Piel, der unter anderem bereits mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet wurde, die Chefredaktion vom "Mindener Tageblatt". Nach dem Studium hat Piel Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Neuere und neueste Geschichte und Vergleichende Religionswissenschaften in Tübingen studiert, bevor er sein Volontariat bei der "Schweriner Volkszeitung" absolvierte. Dort war er danach Redakteur, bevor er dann als Redakteur zur "Elbe-Jeetzel-Zeitung" (Zeitung für für Lüchow-Dannenberg, das Wendland und die Elbtalaue) wechselte.

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