"Wir fragen unsere kressköpfe": Wie Anke Rippert die Grenzen eines klassischen Verlags ausreizt und überwindet

 

Aus einem westfälischen Maschinenbau-Familienunternehmen ins hanseatische Print-Geschäft: Anke Rippert,  Co-Geschäftsführerin des Inspiring Networks ("Emotion") von Gründerin Katarzyna Mol-Wolf, sucht ständig nach Wegen, aus dem Verlag heraus neue Geschäftsfelder zu entwickeln. Im kressköpfe-Gespräch verrät sie, wo und wie sie sich selbst inspirieren lässt. 

kress.de: Frau Rippert, inwieweit kann man Ihr Haus denn überhaupt noch als Verlag bezeichnen?

Anke Rippert: Gut gemachte Zeitschriftenmarken sind unser Kerngeschäft. Unsere Überzeugung ist es, dass die Zukunft nicht in Massenblättern, sondern im leidenschaftlichen Journalismus mit höchster Qualität liegt. Deshalb publizieren wir als inhabergeführter Manufakturverlag nicht für die Masse, sondern Qualitätsmedien mit relevanten Inhalten für den anspruchsvollen Leser. Mit dieser Strategie sind wir erfolgreich. Wir haben in den letzten zehn Jahren neben "Emotion", "Emotion Slow", "Emotion Working Women", "Hohe Luft", diverse Sonderhefte und "Psychologie bringt dich weiter" erfolgreich lanciert und im Markt positioniert. Wir sehen uns als modernen Manufakturverlag, der sich auf die veränderten Bedürfnisse der Leser und Anzeigenkunden einstellt. So entwickeln wir unsere Medienmarken weiter und bieten, ausgehend vom Knowhow unserer Redakteure, die Themen auf unterschiedlichen Kanälen an - ob über Print, Online, Events etc. Wir erstellen für Kunden wie Die Deutsche Bühne, Dahler & Company, tegut. Magazine und sind dort redaktionell und als Verlagsdienstleister tätig. Darüber hinaus erarbeiten wir im Kundenauftrag Konzepte, Content-Kampagnen, erstellen Geschäftsberichte etc. Wir vereinen behutsam und individuell das Beste aus der Verlags- und Agenturwelt: Die Ideen, Inhalte und das journalistische Knowhow eines Verlags und die Leistungen, Kreativität und Dienstleistungsorientierung einer Agentur und das immer ganz individuell und maßgeschneidert für Leser und Kunden. Das macht uns einzigartig.

kress.de: Sie sind selbst in einer frühen Phase in den Aufbau des Hauses nach dem Management-Buyout von "Emotion" eingestiegen. Was hat Sie an dem durchaus mutigen Projekt von Katarzyna Mol-Wolf so fasziniert?

Anke Rippert: Ich habe "Emotion" von Anfang an als Leserin verfolgt und mochte den Titel schon immer sehr gerne. Durch meine Agenturtätigkeit und die Zeit in der PR-Branche kannte ich "Emotion" recht gut. Den Gedanken, bei dem Aufbau dieses Titels mitzuwirken, fand ich von Anfang an spannend, auch wenn ich anfangs noch keine rechte Vorstellung hatte, was auf mich genau zukommt. Ich habe es aber nie bereut und fühle mich "angekommen".  

kress.de: Wie zu hören ist, sollen Sie in Eigeninitiative über einen Bewerbungsbrief erstmalig in Kontakt getreten sein. Was hatte Sie damals für diesen weitreichenden Schritt motiviert? 

Anke Rippert: Ich war damals Mit-Geschäftsführerin einer kleinen Film-PR-Agentur und hatte das Gefühl, ich will noch mal etwas anderes machen, unternehmerisch größer denken, aber vor allem ein echtes Produkt als Basis entwickeln. Damals habe ich mir verschiedene Unternehmensbeteiligungen angeschaut und dann durch Zufall in der "SZ" einen Artikel über Katarzyna Mol-Wolf gelesen. Das klang spannend und mutig, und die Geschichte hat mich fasziniert. Ich kannte Katarzyna Mol-Wolf  nicht, dachte mir aber, ich schreibe einfach mal einen Brief, ob sie Interesse hat. Hatte sie. Und dann ergaben sich die nächsten Schritte mehr oder weniger von selbst. Das klingt im Rückblick selbstverständlich und einfach - war es natürlich nicht! Aber ein großes Glück war und ist es, dass wir uns von Anfang an gut verstanden haben und uns so gut ergänzen.

"Als Unternehmerin kann man ja gar nicht abschalten."

kress.de: Woher beziehen Sie selbst für Ihr eigenes berufliches Handeln die wichtigsten Inspirationen?

Anke Rippert: Von überall her, aus allem, was ich lese, höre und mit anderen Menschen diskutiere. Als Unternehmerin kann man ja gar nicht abschalten, Beruf und Privatleben vermischt sich sowieso. Ich lese wahnsinnig gern Zeitungen und Zeitschriften aller Art (egal ob Print oder Digital), bin ein großer Fan von Newslettern aller möglichen Medien und gehe gern zu Kongressen, Events etc. - gern möglichst branchenfremd oder international. Alles, was den Horizont weitet. So ist z.B., inspiriert von der "Women in the World"-Konferenz in NYC, z.B. ein neues Format für unsere "Emotion re:work re:balance"-Konferenz entstanden.   

"Es ist für uns essentiell, unsere Medienmarken auf den unterschiedlichsten Kanälen zu inszenieren."

kress.de: Rund um die wichtigen Marken Ihres Hauses "Emotion", aber auch "Hohe Luft" haben Sie viele Aktivitäten aufgebaut, die weit über das klassische Verlagsgeschäft hinausgehen. Inwieweit ist das eine zeitgemäße Antwort auf die Herausforderung von modernen Print-Unternehmen?

Anke Rippert: Das ist für uns eine logische Weiterentwicklung des "klassischen" Verlagsgeschäfts. Wir verstehen uns als modernes Medienhaus und es ist für uns essentiell, unsere Medienmarken auf den unterschiedlichsten Kanälen zu inszenieren. Die Magazine werden immer Kern unserer Marken bleiben, aber die Marke selbst hat ja über andere Kanäle noch mehr anzubieten als "nur" das Magazin. Bei "Emotion" hat Katarzyna Mol-Wolf z.B. unsere Coaching-Aktivitäten, Vortragsreihen etc. von Anfang an mitgedacht und hat damit eine Vorreiterrolle eingenommen. Mittlerweile machen das viele Frauentitel. Bei "Hohe Luft" sind wir mit unserer kleinen, feinen Beratung Hohe Luft Business Class aktuell mehr im B2B-Markt unterwegs, was gut angenommen wird. Wichtig ist unserer Erfahrung nach auch hier, das Angebot individuell und sehr sorgsam an die Marke anzupassen und nicht "one fits all" vorzugehen.

kress.de: "Hohe Luft" versteht sich als Philosophie-Marke. Dennoch fassen Sie den Begriff sehr weit. Inwieweit passt philosophisches Denken zur modernen Wirtschaftswelt?

Anke Rippert: Die Unterzeile von "Hohe Luft" lautet: Für alle, die Lust am Denken haben. Und das trifft es sehr gut. "Hohe Luft" betrachtet mit philosophischem Blick aktuelle politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Themen und das ist ein ganz anderer und sehr bereichernder Denkanstoß. All die Fragen, die wir heute diskutieren, seien es Fake News, aber auch ganz konkret die Dieselaffäre, Humanismus, Arbeit, Verantwortung, Digitalisierung etc. - sind im Kern zutiefst philosophische Themen. Und offenbar trifft das einen Nerv in unseren unsicheren Zeiten, denn unser Beratungsangebot Hohe Luft Business Class, mit dem wir mit Vorträgen, Workshops zu Themen wie Führung, Macht, Sinn etc. anbieten, wird von Unternehmen gut gebucht. 

"Die Beschäftigung mit der Philosophie kann ganz oft Halt bieten."

kress.de: Nicht nur mit populären Bestseller-Autoren gibt es derzeit so etwas wie eine Renaissance philosophischen Gedankenguts im Alltag. Wie erklären Sie sich dieses Bedürfnis?

Anke Rippert: Ich glaube, es gibt in diesen Zeiten, in denen sich alles verändert und es zumindest gefühlt nur noch wenig Sicherheiten gibt, das Bedürfnis nach Orientierung, Sinn, Halt, Stabilität. Und die Beschäftigung mit der Philosophie kann ganz oft Halt bieten, unter anderem, weil man dabei feststellt, dass manche Themen schon uralt sind. In unserem eigenen "Hohe Luft"-Seminar zu "Stressprävention und Resilienz" habe ich z.B. festgestellt, dass man da ganz viel von den Stoikern lernen kann. Das ist irgendwie tröstlich, dass sich schon andere damit beschäftigt haben.

"Die Berufswelt verändert sich in allen Branchen, da ist die Verlagswelt keine Ausnahme."

kress.de: Wer bei Inspiring Network arbeitet, muss teilweise die klassischen beruflichen Rollenmuster eines Verlags verlassen. Wie schwer fällt es Ihnen, Ihre Mitarbeiter dafür zu motivieren?

Anke Rippert: Die Berufswelt verändert sich in allen Branchen, da ist die Verlagswelt keine Ausnahme. Das Thema "Arbeitswelt" ist gerade hochaktuell, deshalb widmen wir unser "Hohe Luft"-Sonderheft zum Thema "Was ist gute Arbeit?", das am 28. Juni erscheint, auch diesem Thema. In unserem Verlag ist das Bewusstsein da, dass sich die klassische Verlagsarbeit ändert und das viele Chancen bietet. Unsere Mitarbeiter wollen auch über den Tellerrand blicken und auch die Möglichkeit bekommen, unternehmerischer zu denken, mehr Entscheidungsspielraum zu haben und sich weiterzuentwickeln. Selbstverständlich ist das manchmal nicht so einfach in der Umsetzung, denn trotz aller Begeisterung und Engagement für neue Themen, Tätigkeiten etc. müssen wir die bestehenden Projekte auch noch stemmen. Teamwork ist bei uns wichtig. Man muss zueinander passen, wir haben ein sehr hohes Tempo und sind schnell bei der Entwicklung neuer Themen. Aber es macht viel Spaß, wir sind sehr stolz auf unser wirklich großartiges Team. 

kress.de: In welchem Segment sehen Sie für Ihr Haus aktuell noch großes Wachstumspotenzial?

Anke Rippert: Wir glauben, dass bei unseren Magazinen und Marken auf jeden Fall noch Luft nach oben ist. Bei "Emotion", "Hohe Luft" und auch bei "Psychologie bringt dich weiter" geht es vor allem darum, die Bekanntheit noch weiter zu steigern. Wir erleben es oft, dass beispielsweise Leserinnen über ganz andere Kanäle auf "Emotion" aufmerksam geworden sind, zum Magazin greifen oder eine Veranstaltung besuchen und dann begeistert sind. Zusätzlich dazu sehen wir großes Potential darin, unsere Expertise und unser Know How in der Frauenzielgruppe oder rund um gesellschaftlich relevante ("Hohe Luft")-Themen auch Kunden anzubieten. Wir können hier aus Themen, Inhalten und Erfahrungen unserer Marken schöpfen und daraus Ideen entwickeln können. So haben wir gerade für Generali eine Content Marketing Kampagne mit Social Media Begleitung entwickelt oder in einem Geschäftsbericht die Themen Dankbarkeit, Werte und Echtheit aufgegriffen. Klassische "Hohe Luft"-Themen. Da sehe ich ganz großes Potential, zumal wir als inhabergeführter Manufakturverlag sehr auf Qualität, Individualität und persönliche Betreuung setzen. Gerade inhabergeführte, mittelständische Unternehmen finden das sehr attraktiv, da wir mit ihnen auf Augenhöhe sprechen und uns sehr individuell um ihre Bedürfnisse kümmern.

"Mein Herz schlägt für Mittelstand und Industrie."

kress.de: Sie stammen aus einer mittelständischen Unternehmerfamilie. Was hat Sie an Ihrem Wechsel in die Medienwelt gereizt?

Anke Rippert: Ich war ja vorher in der Agenturwelt unterwegs. Dort, wie auch in der Medienwelt, hat mich die Kreativität, die Vielfalt und auch der Lifestyle-Aspekt gereizt. In einem Maschinenbauunternehmen, das sich u.a. mit Entstaubung, Oberflächentechnik beschäftigt, das wäre früher nichts für mich gewesen. Für das Familienunternehmen haben wir aber vor zwei Jahren eine schöne, hochwertige Publikation zum 50-jährigen Jubiläum erstellt - da schließt sich dann wieder der Kreis! Und ich stelle immer wieder fest, dass mein Herz schon für Mittelstand und Industrie schlägt. Da bin ich scheinbar doch familiär geprägt! Wenn man mehr darüber erfährt, was solche Unternehmen alles machen, ist das schon megaspannend.

kress.de: Wie würden Sie das Unternehmerinnen-Gen beschreiben, das in Ihnen steckt?

Anke Rippert: Mich treibt die Lust und Freude an, etwas zu schaffen, etwas aufzubauen, dafür auch Risiken einzugehen und Verantwortung zu übernehmen - mit allem, was dazu gehört.

kress.de: Wenn Sie auf Ihre eigene bisherige Karriere zurückblicken: Wo haben sie am meisten gelernt und was hilft Ihnen im Tagesgeschäft am meisten?

Anke Rippert: Gelernt habe ich überall etwas. Bei Inspiring Network sicher am meisten, da bin ich, sind wir beide sehr gewachsen an den Themen. Ich bin mittlerweile in vielen Dingen sehr viel gelassener und mir selbst sicherer geworden, einfach, weil wir schon so viele Situationen gemeistert haben. Mir hilft am meisten, dass ich mir dann sage: Wir haben das schon 100mal geschafft, wir werden es auch wohl ein 101. Mal schaffen. Auch bei großen Entscheidungen bin ich anders geworden: Ich höre mir alles an, das ist ja wichtig, alle möglichen Folgen einer Entscheidung zu kennen und dann entscheiden wir aber trotzdem selbst. Denn wir beide müssen es ja verantworten und nicht die Berater.

kress.de: Irgendwann muss ja mal Feierabend sein. Wie und wo laden Sie Ihre Batterien wieder auf?

Anke Rippert: Am allerbesten mit meinem Hund! Lange Spaziergänge mit ihm, morgens früh oder am Wochenende, am besten im Wald, sind zum Runterkommen das Beste. Und ich habe diverse kleine Rituale etabliert, die mir im Alltag helfen: Ich laufe regelmäßig auf dem eigenen Laufband, mache seit Jahren intensiv Pilates, mache kleine Meditationsübungen usw. Außerdem natürlich das soziale Umfeld, Familie und Freunde, für die leider oft zu wenig Zeit bleibt, aber da bin ich schon besser geworden.

kress.de: Sie führen schon länger ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Anke Rippert: Für mich sind gute Netzwerke essenziell, und die "kressköpfe"-Datenbank ist für mich das Nachschlagewerk der Branche. Der Eintrag in das "kressköpfe"-Verzeichnis ist ein Must für jeden, der mit Medien und Marketing zu tun hat.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Anke Rippert: "kress pro" und kress.de informieren über die aktuellen Branchenthemen und inspiriert mich auch für mein tägliches Business. Egel ob News-Themen oder Case-Studies, kress bietet Qualität und das gefällt mir.

kress.de-TippSie arbeiten in der Medien- und Kommunikationsbranche? Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.de und legen in der Personen-Datenbank "Köpfe" ein Profil an. Ihren Köpfe-Eintrag können Sie mit einem Passwort bequem selbst pflegen und aktualisieren. Mit Ihrem Profil können Sie sich auf kress.de - beispielsweise mit Kommentaren - präsentieren und sind zudem - wenn gewollt - auch im Netz leicht auffindbar. Wir als Redaktion verknüpfen die Kopf-Profile mit Personalmeldungen und präsentieren am Wochenende die populärsten Köpfe der Woche.  

Alle Neuzugänge bei den "Köpfen" finden Sie hier.

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem Newsletter "kressexpress". Kostenlos abonnieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.