Kai-Hinrich Renner zu Brinkbäumer-Vorwürfen: "Artikel erschien 32 Stunden nach meiner Anfrage"

 

Schwere Geschütze fährt "Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer in einem Interview auf. Sein Vorwurf: Funke-Redakteur Kai-Hinrich Renner habe ihm keine Gelegenheit gegeben, auf anonyme Vorwürfe zu reagieren. Renner sieht das anders - und wehrt sich in KRESS.

"Es gab in 71 Jahren noch keinen Spiegel-Chefredakteur, über den nicht geredet wurde, das ist eine öffentliche Rolle. Das wusste ich vorher, und ich bin hart im Nehmen, man lernt's im Leistungssport und sollte sich das für diesen Job vermutlich erhalten", erklärt Brinkbäumer in dem "Horizont"-Interview. Und greift frontal seinen schärfsten Kritiker an: "Die kleine Abendblatt-Kampagne hatte etwas Denunziatorisches und Intrigantes, weil die Fakten falsch oder unpräzise waren, verbunden mit unsauberem Handwerk."

Brinkbäumer betont, dass er selbstverständlich eine Gelegenheit zur Stellungnahme genutzt hätte.

Ein Vorwurf der ersten Kategorie, die Aussage impliziert folgendes, ohne dass Brinkbäumer es ausspricht: Hat Autor Kai-Hinrich Renner, Wirtschaftsredakteur bei der Funke Mediengruppe mit Schwerpunkt Medien, davor Medienredakteur beim "Handelsblatt", den "Spiegel"-Chefredakteur tatsächlich nicht mit seinen Recherchen konfrontiert? "Und aus anonymen Einzelstimmen - ohne diese wäre der Spiegel dann ja doch nicht der Spiegel - und ansonsten ohne Quelle eine Lage zu konstruieren, um eben diese herbeizuschreiben, setzt jedenfalls keine journalistischen Standards. Der Autor nennt sich stolz "Todesvögelchen"; ich verstehe diesen Beruf anders", kritisiert Brinkbäumer deutlich.

Nachgefragt bei Kai-Hinrich Renner: Hat er es versäumt, Klaus Brinkbäumer um eine Stellungnahme zu bitten?

Renner zu kress.de: "Über die Aussagen von Herr Brinkbäumer habe ich mich sehr gewundert. Natürlich gibt es keine "Abendblatt-Kampagne" (übrigens ist der Text auch in der "Braunschweiger Zeitung" und der "Berliner Morgenpost" erschienen), und selbstverständlich habe ich ihm die Möglichkeit gegeben, zu den geschilderten Sachverhalten Stellung zu nehmen", macht der Journalist klar.

Wie Renner kress.de erklärt, habe er "Spiegel"-Kommunikationschefin Anja zum Hingst "etwa 32 Stunden" vor Erscheinen des Artikels über die Recherche-Ergebnisse informiert: "Wie Frau zum Hingst inzwischen mehrfach bestätigt hat, unterrichtete sie unmittelbar nach unserem Anruf Brinkbäumer über das Gespräch. Bis zum Zeitpunkt des Erscheinens unseres Artikels hielt es Brinkbäumer nicht für nötig, sich zu den Recherche-Ergebnissen zu äußern", sagt Renner, der direkt nachlegt: "So, und jetzt wäre es noch interessant zu erfahren, welche unserer Fakten denn falsch waren."

Kai-Hinrich Renner hatte in seiner Kolumne im März davon geschrieben, dass man sich an der Ericusspitze Gedanken über die Nachfolge von Brinkbäumer mache: "Geschäftsführer der Spiegel Mitarbeiter KG, die 50,5 Prozent der Anteile des Verlags hält, sondieren den Markt nach geeigneten Kandidaten", meldete Renner.

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