Neuer Funke-Digital-Chef Carsten Erdmann: "Journalisten sollten den Leser ernst nehmen"

 

Schon immer war Carsten Erdmann, neuer Chefredakteur Digital bei der Funke Zentralredaktion in Berlin, bekannt für seine klare Haltung. "Journalisten sollten den Leser ernst nehmen. Das ist eine erfüllende Aufgabe", sagte er einmal in einem Interview mit "JournalistenPreise.de".

Erdmann gilt schon lange als Digital durch und durch. Bei der "Berliner Morgenpost", die er bereits seit dem 1. Mai 2004 führt, hat er schon früh allen digitalen Experimenten im Netz viel Platz freigeräumt. 

Erdmann gehörte dabei auch zu den wichtigsten Förderern von Julius Tröger, der Anfang April erst als Head of Visual Journalism zu "Zeit Online" gewechselt ist. Tröger war Ressortleiter des "BM"-Interaktiv-Teams. Das Problem der Nachfolgesuche für Tröger erledigte Erdmann pragmatisch. Und fragte sein Interaktiv-Ressort, wen es denn aus seiner Reihe für die Leitung empfehlen würde. Die empfahlen die 25-jährige Marie-Louise Timcke, ein echtes Talent, das seit März 2017 im Interaktiv-Team arbeitet und dort das erste von Funke angebotene Volontariat "Datenjournalismus" absolviert hat.

Heute gilt die "Mopo" als eine der wichtigsten Experimentier-Labore im Land, was Datenjournalismus angeht. Für Veröffentlichungen wurde das Blatt mit unzähligen Journalistenpreisen ausgezeichnet, unter anderem den European Newspaper Award, den Thedor-Wolff-Preis, den Konrad-Adenauer-Preis, den Wächterpreis der deutschen Tagespresse oder den Design-Preisen der Society for Newsdesign und des ADC ausgezeichnet.

In den Mittelpunkt stellte Erdmann dabei immer wieder ein Thema: Berlin und seine Kieze. So führte Erdmann einen eigenständigen Lokalteil für Reinickendorf ein, in dem die "Morgenpost" eine hohe Verbreitung hat.

Trotz großer Anstrengungen konnte er aber die massiven Auflagenverluste bei der "Berliner Morgenpost", die früher Axel Springer gehörte und seit 2014 bei der Funke Mediengruppe erscheint, nicht aufhalten. Die "Berliner Morgenpost" (Nordisch+Tabloid), die an sieben Tagen erscheint, hat eine verkaufte Auflage von 80.574 Exemplaren (laut IVW; 1/2018). Als Erdmann die "Morgenpost" übernahm, verkaufte die Zeitung noch 153.135 Exemplare (IVW 2/2014; ein Minus von 47,38 Prozent).

Als neuer Chefredakteur Digital wird Erdmann, Jahrgang 1966, vor allem auf Qualität achten. Was er von einem guten Reporter erwartet, hat er im Gespräch mit JournalistenPreise.de bereits definiert: "Gute Schreibe, Recherchetalent - und vor allem Neugier. Letzteres kann man nicht lernen. Das hat man - oder eben nicht." 

Von Reportern erwartet Erdmann vor allem eine starke Position: "Ein Reporter braucht einen inneren Kompass, der ihn Geschichten einschätzen und Grenzen erkennen läßt. Das vielleicht etwas altmodische Wort dafür heißt: Haltung."

Mit Jörg Quoos, dem Chefredakteur der Funke Zentralredaktion, tauscht Erdmann sich schon heute eng aus. Die beiden kennen und schätzen sich noch aus gemeinsamen Springer-Tagen.

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