Zeitungs-Newsletter nach der DSGVO: 80 Prozent der Empfänger verloren?

 

Zahlreiche Firmen, darunter auch Medienunternehmen, holten sich vor Inkrafttreten der europäischen Datenschutz-Verordnung die erneute Zustimmung für den Versand ihrer Newsletter. Doch warum? Experten warnen, dass dabei bis zu 80 Prozent der Kunden verloren gingen. Auf kress.de bezieht der Gesamtvertriebsleiter der "Süddeutschen Zeitung", Mario Lauer, Stellung. Der "Zeit"-Verlag sah dagegen keine Veranlassung für solche Aktivitäten und begründet das ebenfalls auf kress.de.

Als "Gefahr, einen Großteil ihrer Empfängerliste einfach zu vernichten" sieht Christian Schmidt, Geschäftsführer des E-Mail-Marketing-Anbieters "CleverReach" das Vorgehen vieler Unternehmen. CleverReach ist mit mehr als 180.000 Kunden in 152 Ländern einer der führenden Newsletter-Dienstleister. Schmidt sagte in einer Videobotschaft: "Im Moment bekomme ich jeden Tag tausende E-Mails mit der Bitte, meine Einwilligung zum Newsletter zu bestätigen, obwohl die Versender diese vorher bereits rechtskonform erhoben haben." Er warnte seine Nutzer ausdrücklich davor, "bis zu 80 Prozent Ihrer Kunden zu verlieren". Denn statistische Erhebungen bestätigten "eine durchschnittliche Öffnungsrate von 20 bis 30 Prozent". Er könne sich gut vorstellen, "dass ein Großteil der Empfänger diese E-Mails einfach unbestätigt löscht".

Selbst die relativ wenigen, die die Newsletter öffnen, müssten dann noch einmal das Double-Opt-in-Verfahren aktivieren. Erfahrungsgemäß tun auch das nicht alle. Schmidt fragt sich, "warum gerade jetzt viele Unternehmer panikartig reagieren". Damit liefen sie Gefahr, "relevanten Umsatz zu verlieren". Der CleverReach-Geschäftsführer spricht von einem "Panikstrom", von dem sich viele hätten "anstecken lassen".

kress.de hat bei der "Süddeutschen Zeitung" nachgefragt, die ebenfalls Ihre Newsletter-Abonnenten gebeten hatte, den künftigen Versand noch einmal zu bestätigen. Gesamtvertriebsleiter Mario Lauer antwortet ausweichend, wie sich die Empfängerzahl dadurch verändert hat: "Die Zahlen möchte ich nicht veröffentlichen. Es sind viele - es werden aber hinterher weniger sein als vorher."

Auf die Frage, warum sich die SZ für den Versand dieser Bestätigungs-Mail entschieden habe, sagt Lauer: "Wir nehmen das Thema Datenschutz sehr ernst. Deshalb haben wir unsere Mail-Adressen noch einmal genau unter die Lupe genommen." Das Medienhaus habe sich folgende Fragen gestellt: "Woher stammt das Opt-in? Können wir es klar diesem Newsletter zuordnen? Können wir ganz sicher sein, dass das vorliegende Opt-in den aktuell gültigen Vorschriften entspricht?" Da man dies nicht bei allen Mail-Adressen "eindeutig klären" konnte, "haben wir uns entschieden, die Bezieher des Abo-Newsletters noch einmal um Ihre Zustimmung zu bitten".

Auf Nachfrage bestreitet Lauer aber, dass sein Unternehmen Sorge gehabt habe, der Verteiler könne zumindest teilweise nicht datenschutzrechtkonform zustande gekommen sein: "Klares Nein. Der Abo-Newsletter geht zum weit überwiegenden Teil an Abonnenten der 'Süddeutschen Zeitung'." Diese seien "im Rahmen der bisher gültigen Vorschriften verwendet" worden. Lauer weiter: "Diese Vorschrift hat sich geändert, also haben wir uns für den oben skizzierten Weg entschieden."

Doch wie passt das zusammen, mit dem, was Datenschützer und Newsletter-Dienstleister wie CleverReach beruhigend mitteilen, wer bisher schon seine Empfängerliste datenschutzrechtlich sauber zusammengestellt habe, brauche eine erneute Bestätigung nicht einzuholen? Lauer konkretisiert, der "Hintergrund der wiederholten Einholung der Opt-ins ist die veränderte Risikolage bezüglich möglicher Strafzahlungen". Hier habe sich "die Vorschrift" geändert: "Wir wollen kein Risiko wegen unklarer Rechtslagen eingehen."

Bei der Wochenzeitung "Die Zeit" sah man das dagegen gelassener. Johanna Schacht, Referentin Unternehmenskommunikation, sagte zu kress.de: "Aus Sicht des 'Zeit'-Verlages und von 'Zeit-Online' sieht die DSGVO solche Maßnahmen nicht vor." Dementsprechend habe sich das Hamburger Medienhaus dazu entschieden, "derartige Bestätigungen nicht erneut einzuholen". Daher könne das Unternehmen auch "keine Aussagen über die Auswirkungen solcher E-Mailings auf die Anzahl der Empfänger treffen".

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