Springers oberster Lobbyist Dietrich von Klaeden: "Verlegerrecht muss auch in den USA an Relevanz gewinnen"

 

Noch nie hat Dietrich von Klaeden, als Nachfolger von Christoph Keese seit Frühjahr 2017 Konzerngeschäftsführer Public Affairs, ein Interview gegeben. Für kress.de macht er eine Ausnahme und erklärt am kress.de-Telefon Chefredakteur Bülend Ürük von Rom aus, warum Axel Springer der News Media Alliance beigetreten ist, sagt, dass Amazon und Facebook nicht nur schlecht sind und macht klar, warum die Inhalte-Industrie als Einheit auftreten sollte.

kress.de: Warum ist Axel Springer der US-amerikanischen News Media Alliance beigetreten? 

Dietrich von Klaeden: Spätestens seit dem Erwerb der Mehrheit von Business Insider ist Axel Springer nicht mehr nur ein europäisches, sondern auch ein US-amerikanisches Unternehmen. Unser Ziel ist, auch in der digitalen Welt die Voraussetzungen für professionellen, unabhängigen Journalismus zu schaffen. Dafür ist entscheidend, national und international in den relevanten Märkten journalistische Bezahlmodelle als Standard erfolgreich zu etablieren. Dabei ist wichtig, dass die Marktteilnehmer in den USA und in Europa an einem Strang ziehen und gemeinsam für weltweite, das geistige Eigentum schützende und die journalistische Vielfalt fördernde Standards eintreten. Für dieses Ziel arbeiten wir in der News Media Alliance.

kress.de: Was bedeutet das konkret? 

Dietrich von Klaeden: Das bedeutet, dass die in Europa bereits weit gediehene Diskussion zur Einführung eines Verlegerrechts hoffentlich auch bald in den USA an Relevanz gewinnt. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Wir müssen deswegen weiterhin alles daran setzen, marktdominante Online-Plattformen wie Google, Amazon, Facebook und Apple auch auf dem Verhandlungswege davon zu überzeugen, dass es letztlich auch für sie von Vorteil ist, dass wir unsere auf ihren Plattformen genutzten journalistischen Inhalte so monetarisieren können, das die Qualität ihrer Herstellung gesichert ist.

kress.de: Sie kritisieren Amazon und Facebook, zeichnen diese aber gleichzeitig mit dem AS Award aus. Wie passt das zusammen? 

Dietrich von Klaeden: Facebook und Amazon dort, wo es Gründe zur Kritik gibt, zu hinterfragen und andererseits deren Gründern für ihre herausragende unternehmerische  Leistungen einen Preis zu verleihen, ist durchaus kein Widerspruch: Amazon-Gründer Jeff Bezos zum Beispiel hat aus einem kleinen Online-Buchladen eines der bedeutendsten Unternehmen geschaffen, das nicht nur 500.000 Menschen in Lohn und Arbeit bringt, sondern mit seinen Angeboten täglich das Leben von Millionen Menschen erleichtert. Wer den Amazon-Gründer auf angeblich unfaire Arbeitsbedingungen in seinen Amazon-Warenlagern reduziert, vernachlässigt dabei dessen unternehmerische Leistung und seine beeindruckende Persönlichkeit.

kress.de: Also keine pauschale Springer-Kritik an den großen US-Firmen? 

Dietrich von Klaeden: Nein, die hat es auch nie gegeben. Wir kritisieren diese Plattformen nicht dafür, dass sie so groß geworden sind. Die sind einfach sehr kreativ und schnell. Und von dieser Kreativität und Schnelligkeit können wir europäische Unternehmen lernen. Das ist ein echtes Asset, die Grundlage für erfolgreiches digitales Wachstum.

kress.de: In der News Media Alliance engagieren sich im Kern alle Branchen, die Inhalte erstellen. Heißt das eigentlich, dass Sie sich auch für Deutschland einen Zusammenschluss von BDZV, VDZ und weiteren Verbänden wünschen würden?

Dietrich von Klaeden: In den USA sind die Unternehmen in diesem Punkt tatsächlich weiter als bei uns. Sie haben es geschafft, einen Großteil der Inhalte-Branche zu einer schlagkräftigen Einheit zu schmieden. Aber auch unsere Verbände leisten in Berlin und Brüssel ausgezeichnete Arbeit, gerade weil sie in wichtigen Fragen eng und erfolgreich zusammenarbeiten.

Mit Dietrich von Klaeden, Konzerngeschäftsführer Public Affairs bei Axel Springer, sprach kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

Zur Person: Dietrich von Klaeden verantwortet die konzernweiten Public-Affairs-Aktivitäten der Axel Springer SE im In- und Ausland. berichtet als Konzerngeschäftsführer Public Affairs (Senior Vice President Public Affairs) direkt an den Vorstandsvorsitzenden Dr. Mathias Döpfner. Parallel zum Studium der Rechtswissenschaften, seiner Promotion und zum Referendardienst arbeitete von Klaeden zunächst als Reporter, Korrespondent und Moderator für den Norddeutschen Rundfunk. Nach dem Zweiten Staatsexamen folgten Stationen als Rechtsanwalt und Justitiar in der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck sowie als Pressesprecher und Marketingleiter des Südwestrundfunk. Seit 2007 arbeitet von Klaeden für Axel Springer. Dietrich von Klaedens Bruder ist Eckart von Klaeden, früherer Staatsminister im Bundeskanzleramt, und seit Ende 2013 Cheflobbyist der Daimler AG.

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