Vor der Tarifverhandlung: Gewerkschaftsführer wirft Zeitungsverlegern "Fake News" vor

 

Ein Flugblatt der Zeitungsverleger sorgt unter Journalisten für erhebliche Missstimmung: Gewerkschaftsführer Klaus Schrage von der dju wirft den Verlegern "Desinformation" vor. Und sagt: "Das großspurig so genannte 'Tarifwerk Zukunft' ist auf Fake News aufgebaut."

Auf alles scheinen sich die Verleger heute einzustellen, auch darauf, dass die sechste Runde der Tarifverhandlungen für Zeitungsjournalisten, die heute um 12 Uhr in Berlin beginnen soll, die kürzeste Verhandlungsrunde in der Geschichte sein könnte. Grund der Verärgerung auf John Listen Seite ist ein Flugblatt des BDZV, dass in der vergangenen Woche einige Redaktionen erreichte.

Laut Klaus Schrage, Tarifkommissionsvorsitzender der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di, sei es aber mehr windschiefe Propaganda als Information.

Schrage hat das Flugblatt analysiert. So behaupte der BDZV, dass er "größtmögliche Verhandlungsbereitschaft" bewiesen habe, jetzt seien die Gewerkschaften am Zug. "Das ist falsch. Der BDZV ist uns nur mit kleinsten Schritten entgegengekommen", so Klaus Schrage. Er ergänzt: "Wer einen Abschluss will, muss zuerst ein Angebot unterbreiten, über das es sich überhaupt zu verhandeln lohnt. Das war bisher nicht der Fall. Also sind die Verleger am Zug."

Nach der fünften Verhandlungsrunde hatte BDZV-Verhandlungsführer Georg Wallraf sich sehr enttäuscht über den Abbruch gezeigt. Die Gewerkschaftsseite verkenne die wirtschaftlichen Spielräume der Verlage, betonte Wallraf. Tarifverträge müssten die gesamte Branche abbilden. Umso unverständlicher sei es, dass DJV und dju nicht auf diesen Dialog eingingen.

Schrage wirft den Verlegern vor, mit falschen Zahlen zu operieren. So betone der BDZV, dass er einen überproportionalen Gehaltsanstieg für Berufseinsteiger angeboten habe. 120 Euro mehr pro Monat entsprächen einem prozentualen Entgeltanstieg von 3,69 Prozent.

Jedoch verschweige der BDZV, dass sein Angebot für die gesamte Laufzeit von 30 Monaten gelten solle. Danach sollten für die unteren Entgeltgruppen Nullrunden folgen. Damit wird aus 3,69 Prozent 1,5 Prozent pro Jahr. "So wird das großherzige Extra ganz schnell zur billigen Mogelpackung", sagt Klaus Schrage.

Die Journalisten Gewerkschaften und die Zeitungsverleger verhandeln bereits seit dem 30. Januar 2018 über einen neuen Gehaltstarifvertrag für die rund 13.000 Zeitungsjournalisten. Um ihre Interessen durchzusetzen, haben in den vergangenen Wochen zahlreiche Redaktionen in ganz Deutschland immer wieder gestreikt.

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