Noch immer kein neuer Tarifvertrag: Gewerkschaftsführer wirft Verlegern "respektlose Haltung" vor

 

Enttäuscht zeigt sich Georg Wallraf, Verhandlungsführer der Zeitungsverleger, nachdem auch die sechste Runde der Tarifverhandlungen ohne Ergebnis unterbrochen wurde: "Wir sind heute bis an die Grenze des für die Verlage Vertretbaren gegangen." Das sehen die Vertreter der Journalisten anders, sie sprechen von "der absolut respektlosen Haltung der Verleger".

"Wir sind heute Nacht über alle Schmerzgrenzen gegangen, um einen tragfähigen Kompromiss zu erzielen. Diese Bemühungen sind an der absolut respektlosen Haltung der Verleger gescheitert", stellte der Verhandlungsführer der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di, Matthias von Fintel, fest.

Die Verhandlungskommission der dju in ver.di sei bereit gewesen, ihre Forderung auf zweimal 2,8 Prozent Gehaltserhöhung in 24 Monaten und eine Mindesterhöhung für Berufseinsteiger von 150 Euro zu reduzieren: "Mit diesem Entgegenkommen wollten wir die Verleger zu einer deutlichen Reallohnsteigerung und dem nötigen Attraktivitätszuwachs für Jungjournalisten bewegen", erklärte von Fintel laut einer Aussendung. Doch die Zeitungsverleger hätten sich auch in über 14 Stunden Verhandlungsgesprächen nicht über ihre Maximallinie bewegt, mit der sie eine erwartete Inflation ausgleichen wollten.

So sollten in einer Laufzeit von 32 Monaten die Gehälter im Mai 2018 allenfalls um 1,7 Prozent und im Januar 2019 um 2,2 Prozent steigen. Dazu käme eine Einmalzahlung von 500 Euro: "Gerechnet auf eine so lange Zeit stellt das Verleger-Angebot noch nicht einmal deren eigene Absicht eines Inflationsausgleichs dar. Damit verweigern die BDZV-Verhandler der Redaktionsarbeit von Zeitungsjournalisten nach wie vor die finanzielle Anerkennung. Die Zeitungsstreiks der vergangenen Wochen und Monate machen hingegen deutlich, dass es ohne ein solches Signal keinen Abschluss geben wird. Eine Attraktivitätssteigerung der Zeitungsarbeit ist eine Zukunftsfrage für die Branche", machte von Fintel deutlich.

"Die zentralen Forderungen der Gewerkschaften haben wir adressiert. Umso unverständlicher ist es, dass heute auf dieser Basis keine Einigung möglich war", sagt dagegen Georg Wallraf: "Wir appellieren an DJV und dju, die Gespräche zügig fortzusetzen, um im Interesse aller einen Tarifabschluss zu erreichen."

Die Vertreter des Deutschen Journalisten-Verbands zeigen sich ebenfalls weiterhin gesprächsbereit: "Beim vorliegenden Angebot sehen wir zwar Schritte auf uns zu. Echtes Aufeinander-Zugehen hätte aber weiter gehen müssen. Der Vorschlag der Verleger ist noch nicht zustimmungsfähig", betonte DJV-Verhandlungsführer Kajo Döhring. "Wir werden nun beraten, wie wir konkret weiter vorgehen."

Heute wird die Bundestarifkommission der dju in ver.di über das weitere Vorgehen beraten. Ein neuer Termin für die nächste Tarifverhandlung steht noch nicht fest.

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