Urabstimmung: Bei Tageszeitungen drohen unbefristete Streiks

 

Die schleppenden Verhandlungen zwischen den Zeitungsverlegern und den Gewerkschaften um einen neuen Tarifvertrag drohen weiter zu eskalieren. Die Gewerkschaften rufen zur Urabstimmung auf, es drohen unbefristete Streiks.

"Aus unserer Sicht ist ein unbefristeter Streik das einzig bleibende Mittel, um auf die Verleger Druck auszuüben um endlich einen fairen und angemessenen Abschluss zu erreichen", betont Michael Busch, Vorsitzender des Bayerischen Journalisten-Verbands.

"Die Verleger gönnen ihren Redakteurinnen und Redakteuren nach sechs Verhandlungsrunden gerade mal eine Nullrunde, sieht so Wertschätzung aus?", fragt Wolfgang Grebenhof, stellvertretender Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV). Und Matthias von Fintel, Verhandlungsführer der dju in ver.di, stellt fest: "Nach intensiven Streiks in den vergangenen Wochen und Monaten bedarf es offenbar einer weiteren Eskalation, um die Verleger zu einer echten Reallohnsteigerung zu bewegen."

Wie kress.de am Dienstagmorgen gemeldet hatte, war auch die sechste Runde der Tarifverhandlungen für die rund 13.000 Tageszeitungsredakteure ohne Ergebnis unterbrochen worden; beide Seiten zeigten sich darüber offiziell enttäuscht.

"Wir sind heute bis an die Grenze des für die Verlage Vertretbaren gegangen", sagte Georg Wallraf, Verhandlungsführer der Zeitungsverleger.

An den Warnstreiks in den vergangenen Wochen hatten zahlreiche Journalisten teilgenommen. Alleine an einer bayernweiten Kundgebung am 24. April in München hatten über 500 Streikende ihren Wunsch nach einem neuen Tarifvertrag unterstrichen. Bayern stellt rund die Hälfte der streikenden Tageszeitungsredakteure bundesweit.

Kommt es bei der geplanten Urabstimmung zur geforderten Mehrheit, können die Gewerkschaften ihre Mitglieder auffordern, für unbestimmte Zeit die Arbeit niederzulegen.

"Das Votum der dju-Tarifkommission zeigt die Entschlossenheit der Kolleginnen und Kollegen, für mehr Geld und damit auch eine angemessene Wertschätzung zu kämpfen. Die Verleger lassen uns keine Alternative zur Verschärfung des Arbeitskampfes. Nach sechs Verhandlungsrunden wollen sie noch nicht mal die Inflationsrate wirklich ausgleichen", kritisierte Gewerkschaftsführer Matthias von Fintel.

Die Journalisten-Gewerkschaften und die Zeitungsverleger verhandeln bereits seit dem 30. Januar 2018 über einen neuen Gehaltstarifvertrag. In die Verhandlung hat sich erstmals auch intensiv eine Gruppe von Jungen Journalisten eingebracht. Vor der fünften Verhandlungsrunde hatten sie die Zeitungsverleger an ihre gesellschaftliche Aufgabe erinnert. Sie wollen wertgeschätzt werden und warnen: "Nehmen Sie unseren Idealismus nicht für selbstverständlich. Denn wir werden das sinkende Schiff im Notfall verlassen. Versuchen Sie nicht länger, den Journalismus kaputtzusparen. Sonst müssen Sie bald alleine an Ihrer Zukunft schrauben", heißt es in einem Manifest, das Newsroom.de im Original veröffentlicht.

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem Newsletter "kressexpress". Kostenlos abonnieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Inhalt konnte nicht geladen werden.