Strategie: Warum Netflix auf extreme Leistungskultur setzt

07.06.2018
 

Der Streamingdienst Netflix hat sich vom Start-up zum Weltmarktführer mit 125 Millionen Abonnenten gewandelt. "kress pro" hat die Besonderheiten des Geschäfts untersucht. 

Netflix ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte: Das kalifornische TV-Imperium hat inzwischen mehr als 125 Millionen Abonnenten weltweit. Allein im 1.  Quartal 2018 kamen 7,4 Millionen Abonnenten dazu. Im 2. Quartal möchte Gründer und Vorstandschef Reed Hastings 6,2 Millionen weitere Abonnenten gewinnen. Davon sollen die meisten aus dem Ausland kommen.

Der Erfolg schlägt sich im Ergebnis des 1.  Quartals nieder: Der Umsatz legte um 43 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar zu. Das ist der höchste Anstieg, seit Netflix 2007 ins Streaming-Geschäft eingestiegen ist. Der Überschuss explodierte um 63 Prozent auf 290 Millionen Dollar. Geholfen hat die leichte Erhöhung der Abo-Preise. In den USA stieg der Einstiegspreis um einen Dollar auf 10,99 Dollar. Auch im Ausland, das für die Hälfte der Erlöse sorgt, hob man die Preise an. Hastings strebt eine operative Marge (EBIT) von 10 bis 11 Prozent im laufenden Jahr an. Um rund 30 Prozent wuchs der Umsatz in den vergangenen drei Jahren im Schnitt.

Einer der Eckpfeiler der Netflix-Strategie ist die extreme Leistungskultur. Um der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein, müsse Netflix "auf allen Zylindern laufen, wir müssen die High-Performance-Kultur beibehalten", betont Content-Chef Ted Sarandos.

Dazu verfolgt Netflix eine aggressive Kündigungspolitik. Schon wenige Wochen oder Monate nach einer Einstellung werden häufig sofort Kündigungen ausgesprochen, wenn Vorgesetzte mit den neuen Mitarbeitern nicht zufrieden sind.

Die ehemalige Talent-Managerin Patty McCord hat die knallharte Kündigungspolitik in dem Buch "Powerful" beschrieben. Alles ist ausgerichtet auf hochmotivierte und begabte Mitarbeiter. Es geht darum, die besten Mitarbeiter einzustellen, um mit ihnen die Probleme von morgen zu lösen. Auf der Website beschreibt Netflix die Kultur so: "Um erfolgreich zu sein in einem Dream-Team, muss man effektiv sein. Es geht nicht notwendigerweise darum, hart zu arbeiten." Wer nur B-Leistung erbringe, wenn A-Leistung gefragt sei, erhält eine großzügige Abfindung. Der Vorstand möchte unter keinen Umständen schlechte Mitarbeiter behalten. Auf der Personal-Website Glassdoor ergibt sich folgendes Bild: Netflix biete viel Freiheit, es gebe kaum Micro-Managing, heißt es. Dagegen leiden viele Mitarbeiter aber unter der Furcht, gefeuert zu werden

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