"Wir produzieren gar nichts mehr für den Weg Print": Wie Hans Stübinger und Dirk Waasen den Weka-Verlag auf den Kopf stellen

08.06.2018
 

Die Verlagsleiter Hans Stübinger und Dirk Waasen haben das ehemalige Fachzeitschriften-Haus Weka Media Publishing in kurzer Zeit radikal umgebaut. Printtitel wie Connect" sind nur noch ein kleiner Teil des Geschäftsmodells: Sie dienen als Sprungbrett für viel umfassendere Marken-Dienstleistungen. "kress pro" hat den stillen Riesen Weka unter die Lupe genommen.

"kress pro": Herr Stübinger, Herr Waasen, wenn man in Ihren Empfangsbereich tritt, fällt der Blick zunächst auf das Präsentationsregal mit den vielen Fachzeitschriften. Inwieweit ist Weka aber überhaupt noch ein Verlag?

Hans Stübinger: Wir als Weka Media Publishing standen vor vier bis fünf Jahren vor der Herausforderung, dass wir zu 99 Prozent von dem Geschäftsmodell des Publizierens in Print abhängig waren.

Dirk Waasen: Damals standen fast ausschließlich die Werbe- und Vertriebserlöse gegen die Kosten.

Stübinger: Wie bei allen Verlagen kommt dieses typische Verlagsgeschäftsmodell unter Druck. Auch wenn wir laut IVW im Vergleich zu unseren direkten Wettbewerbern noch immer ganz gut mithalten, mussten wir uns die Frage stellen: Wo soll für uns die Reise hingehen?

"kress pro": Und die Antwort?

Stübinger: Sie lautet konkret: Marken! Wir produzieren eigentlich gar nichts mehr für den Weg Print oder für den Weg Online oder fürs E-Paper. Wir produzieren Testergebnisse. Und schauen dann, was wir mit ihnen erreichen können.

Waasen: Meiner Meinung nach sind die meisten Verlage extrem in ihrem Geschäftsmodell gefangen. Sie konnten oft bislang gar nicht auf anderen Ebenen denken. Jeder sieht doch, dass die Auflagen rückläufig sind. Aber überall gibt oder gab es ja noch Speck in den Kosten. Früher saßen auf einem Ressort fünf Redakteure. Daraus wurden dann vier oder drei oder zwei. Und dann darf halt der Chefredakteur nicht mehr so oft zum Golfspielen oder zum Segeln gehen, wie er es früher vielleicht getan hat.

"kress pro": Was bedeutet der Wandel für Ihr Haus konkret?

Waasen: Nehmen wir als Beispiel die "Connect", unser Titel für Telekommunikation, die die Idee in unserem Markenverbund am weitesten trägt: Wir veranstalten mit der Marke im Mai inzwischen zum dritten Mal die Connect-Conference, auf der wir mit allen relevanten Netzbetreibern aus Deutschland und dem Ausland die Zukunft der Telekommunikation beleuchten. Inzwischen nehmen auch Glasfasernetz-Vertreter teil, wir erwarten rund 250 hochkarätige Gäste und bieten sieben Show-Cases rund um das Thema 5G. Mit "Connect" setzen wir heute schon Impulse für die Entwicklung des nächsten Mobilfunkstandards in Deutschland. Außerdem arbeiten wir mit dem Testlab der "Connect" an der Entwicklung von Smartphones, weil Hersteller an uns herantreten und fragen, was ein neues Gerät leisten muss, um in Deutschland erfolgreich zu sein. Wir bieten hier also Consulting an.

"kress pro": Ein weiter Weg weg vom klassischen Publizieren.

Waasen: In der Tat. Diese enorme Ausweitung gilt auch für unsere anderen Marken: Mit unseren Hi-Fi-Titeln veranstalten wir die "Deutschen HiFi Tage", weil wir garantieren können, dass wir mit unseren Zeitschriften eine perfekte Zielgruppe für eine solche Messe ansprechen und mit den Unternehmen in der Branche vernetzen. Unsere über lange Jahre aufgebaute Redaktionskompetenz ist heute der Schlüssel, der uns diese Geschäftsmodelle eröffnet. In Großverlagen laufen sich viele Ideen in den Gremien zu Tode, weil am Schluss niemand den Mut hat, sie auch tatsächlich umzusetzen. Wir sind agil genug, rasche Entscheidungen zu treffen.

kress.de-Tipp: Das Interview ist ein kleiner Teil der Titelgeschichte "Der radikale Wandel des stillen Riesen" aus der aktuellen "kress pro". Im Titelinterview mit kress-Autor Rupert Sommer erklären die Verlagschefs Hans Stübinger und Dirk Waasen, wie sie ihr "Testlab" aus der Redaktion herausgenommen und daraus ein eigenes Profit-Center gemacht haben. Sie verraten auch, wie sie ihre Mitarbeiter für den Wandel motiviert haben und welche (neuen) Anforderungen sie an Chefredakteure und Redakteure haben. Die neue "kress pro"-Ausgabe (mit diesen Inhalten) kann in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt gekauft werden - und ist auch im iKiosk erhältlich. Per E-Mail kann sie unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden. "kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. Zum "kress pro"-Abo.

Zu den Personen: Hans Stübinger und Dirk Waasen führen Weka Media Publishing (WMP) seit Juli 2017 als Verlagsleiter. Stübinger war vor seinem Wechsel in die Verlagsspitze seit 2014 Bereichsleiter für Operations & Digitale Medien. Dabei steuerte er die B2C-Vermarktung aller Marken und war für digitale Innovationen verantwortlich. Zuvor war er u. a. mehrere Jahre als Manager bei der Unternehmensberatung Accenture. Waasen kommt aus dem Journalismus und war seit 1991 redaktionell tätig. Nach mehreren verlagsinternen Stationen übernahm er 2004 die Funktion des Chefredakteurs der Telekommunikationszeitschrift "Connect". Zum Januar 2015 wurde er zudem als Bereichsleiter zusätzlich wirtschaftlich verantwortlich für die Magazine "Audio", "Colorfoto" und "Stereoplay" sowie für die Weiterentwicklung der verlagseigenen Marken Testlab (Testlabor) und FiFT (Fachinstitut für Telekommunikation).

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