Wie der "Weser-Kurier" bezahlpflichtige Services wie die "Mein Werder"-App aufbaut

12.06.2018
 

Der "Weser-Kurier" will mit seinem "Mein Werder"-Angebot zur Nachrichtenquelle Nummer eins über den Bundesligisten Werder Bremen werden. Das Angebot ist ein wichtiger Baustein der digitalen Strategie, die auf bezahlpflichtige Services zu neuen Themen setzt. "kress pro" hat die Erweiterung zur Zeitung in einem Case untersucht.  

Der "Weser-Kurier" experimentiert seit geraumer Zeit mit Apps rund um Werder. 2014 hatten mehrere Verlage eine App in Zusammenarbeit mit der Softwarefirma Infomantis auf den Markt gebracht. Mit den sechs Variationen "Mein 96", "Mein SVW", "Mein Schalke", "Mein VfB", "Mein FCA" und "Heja BVB" sollten die Fans der jeweiligen Vereine mit Nachrichten versorgt werden, und zwar mit solchen aus den lokalen Tageszeitungsredaktionen der Städte, in denen die Vereine zu Hause sind. Der "Weser-Kurier" nahm das gemeinsame Template für "Mein SVW" in Anspruch. Bereits im Mai 2014 wurde aus der "Mein SVW"- die "Mein Werder"-App. Die Anwendung hatte jenseits der News unter anderem schon einen Liveticker, Tabellen, Statistiken und Features für die Fan-Community zu bieten. Für das Update unter neuem Namen warb der "Weser-Kurier" mit der Möglichkeit, Videos anzuschauen, und mit einer "Fanwall", auf der sich die Nutzer verewigen konnten. Die Mediengruppe setzte auf ein Abo-Modell: Nach einem kostenlosen Probemonat wurden für ein Jahresabo mit Werbeeinblendungen 0,89 Euro fällig, für eines ohne 4,49 Euro.

Sonderlicher Erfolg war der App allerdings nicht beschieden. "Diese App lief mäßig", gibt Döbler zu. "Dieser mäßige Erfolg steht im Widerspruch zu der Tatsache, dass sich ganz Bremen um diesen Verein dreht." Warum also dümpelte eine gut programmierte App mit augenscheinlich interessanten Inhalten vor sich hin? Döbler, der Anfang 2015 den Chefredakteursposten übernahm, glaubt, die Antwort gefunden zu haben. Sein Ansatz: "Statt zu fragen: 'Welche Inhalte haben wir im Haus, die wir noch irgendwie verkaufen können?', haben wir uns gefragt: 'Was braucht der Nutzer?' Ein eigentlich trivialer Gedanke, der in unserer Branche allerdings nicht sehr weit verbreitet ist." Heraus kam, dass der User nicht nur Inhalte des "Weser-Kuriers" haben will, sondern alles über Werder. Das Ende der App als Ausspielungsort der Zeitungsinhalte war gekommen.

Alter Name, neues Programm: Im Spätsommer 2017 hat der Verlag die "Mein Werder"-App neu aufgelegt. "Relaunch" hört Döbler nicht gern, das sei der Launch für ein komplett neues Produkt gewesen. Jetzt gilt "Digital first". Eigene journalistische Inhalte über den Verein werden zunächst für die App produziert. Teile davon wandern abends - mehr oder weniger verändert - auf die für das Thema Werder reservierte, tägliche Zeitungsseite, die inzwischen ebenfalls "Mein Werder" heißt. Für die Produktion der Inhalte hat der "Weser-Kurier" eigens eine elfköpfige Redaktion rekrutiert und in der Weser-Kurier Digital GmbH untergebracht. In das Team wurden unter anderen Christoph Sonnenberg von der "Bild", Patrick Hoffmann von Madsack und Michael Baltes von der Syker "Kreiszeitung" geholt. Aus der früheren Sportredaktion des "Weser-Kuriers", in der jetzt nur noch fünf Leute arbeiten, wechselte lediglich der frühere Ressortchef Marc Hagedorn als Redaktionsleiter hinüber. Die Mannschaft kümmert sich ausschließlich um die Profiabteilung des Fußballclubs und erzählt täglich bis zu zehn eigene Geschichten. Insgesamt landen pro Tag 20 bis 30 Storys auf der App. Ziel ist laut Döbler Vollständigkeit in der Berichterstattung: "Wir wollen erreichen, dass der Werder-Fan sagt: 'Wenn ich etwas über Werder wissen will, dann reicht mir diese App, da steht alles drin.'" Deshalb speist sich der Nachrichtenfluss auch aus anderen Quellen.

kress.de-Tipp: Im Case in der aktuellen "kress pro" spricht "Weser-Kurier"-Chefredakteur Moritz Döbler auch über "beträchtliche Investitionen" für die "Mein Werder App". "kress pro"-Autor Uwe Förster geht zudem auf die Finanzierung des Projekts ein und widmet sich der Nutzung der von Neofonie entwickelten App-Plattform jenseits von "Mein Werder". Die entsprechende "kress pro"-Ausgabe (mit diesen Inhalten) kann in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt gekauft werden - und ist auch im iKiosk erhältlich. Per E-Mail kann sie unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden. "kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. Zum "kress pro"-Abo

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