Zeitungsforscher Horst Röper: Konzentration bei Tagespresse liegt bei über 60 Prozent

 

Die Konzentration der Tagespresse in Deutschland ist massiv angestiegen, der Marktanteil der zehn größten Verlagsgruppen an der Gesamtauflage beträgt inzwischen 61,6 Prozent. Das hat Zeitungsforscher Horst Röper mit seinem Dortmunder Formatt Institut herausgefunden. Die Analyse liegt kress.de vor.

In den vergangenen Jahren war der Anstieg der Konzentration moderat und bewegte sich im Bereich der Zehntelprozentpunkte, im ersten Quartal 2018 war sie gegenüber 2016 um 1,8 Prozentpunkte angewachsen. 

Mittlerweile beträgt der Marktanteil der zehn größten Verlagsgruppen an der Gesamtauflage 61,6 Prozent. Die fünf auflagenstärksten Verlagsgruppen erzielen innerhalb der Gattung Abonnementzeitungen einen Marktanteil von 38,6 Prozent, bei den Kaufzeitungen sind es sogar 99,6 Prozent. 

Innerhalb des von Röper und seinem Team verantworteten Rankings gab es jedoch nur wenige Verschiebungen. 

Gründe für immer mehr Fusionen einzelner Titel und Kooperationsmodelle unter den Verlagen sind weiterhin nachlassende Verkaufsauflagen und mangelnden Werbeumsätzen. 

Trotz des stabilen Werbemarkts in Deutschland nimmt der Umsatz mit Anzeigen und Beilagen weiter ab. 

Durch Preiserhöhungen steigende Vertriebserlöse, die mittlerweile rund 62 Prozent der Einnahmen von Verlagen ausmachen, können dies nur teilweise kompensieren. Daher setzen vor allem größere Verlagshäuser auf Einsparungen im Redaktionsbereich - Zentralredaktionen produzieren in der Folge Inhalte für ganze Ressorts für mehrere Titel. 

Innerhalb des Rankings der Top-10-Verlagsgruppen gab es nur wenige Veränderungen.

Deutschlands größte Tageszeitungs-Verlage im Jahr 2018

Rang 1: Axel Springer SE, Berlin, Marktanteil: 12,7 Prozent; Geschäftsführung: Mathias Döpfner (Vorsitzender), Stephanie Caspar, Julian Deutz, Jan Bayer, Andreas Wiele

Rang 2: Verlagsgruppe Stuttgarter Zeitung/Die Rheinpfalz/Südwest Presse, Ulm, Marktanteil: 10,7 Prozent; Geschäftsführer: Richard Rebmann (Vorsitzender), Alexander Paasch; Herbert Dachs; Holger Martens; Thomas Brackvogel

Rang 3: Funke Mediengruppe, Essen, Marktanteil: 7,9 Prozent; Geschäftsführung: Andreas Schoo, Ove Saffe, Michael Wüller

Rang 4: Verlagsgruppe Ippen, München, Marktanteil: 5,7 Prozent; Geschäftsführung: Dirk Ippen, Daniel Schöningh

Rang 5: Verlagsgruppe Madsack, Hannover, Marktanteil: 5,6 Prozent; Geschäftsführung: Thomas Düffert (CEO), Christoph Rüth (COO), Sven Fischer (CFO)

Rang 6: Verlagsgruppe DuMont, Köln, Marktanteil: 5,2 Prozent; Geschäftsführung: Christoph Bauer (Vorstandsvorsitzender), Stefan Hütwohl, Otto Christian Lindemann

Rang 7: Verlagsgruppe Augsburger Allgemeine, Marktanteil: 3,8 Prozent; Geschäftsführung: Andreas Scherer (Vorsitzender und Sprecher der Geschäftsführung), Alexandra Holland, Edgar Benkler

Rang 8: ddvg, Hamburg, Marktanteil: 3,4 Prozent; Geschäftsführung: Jens Berendsen, Matthias Linnekugel

Rang 9: Rheinisch-Bergische Verlagsgesellschaft/Rheinische Post, Düsseldorf, Marktanteil: 3,3 Prozent; Geschäftsführung: Johannes Werle (Vorsitzender), Patrick Ludwig (stellv. Vorsitzender) und Hans Peter Bork (CFO).

Rang 10: Verlagsgruppe Neue Osnabrücker Zeitung, Osnabrück, Marktanteil: 3,2 Prozent; Geschäftsführung: Axel Gleie, Joachim Liebler

Die Verlagsgruppe Ippen ist um zwei Ränge gestiegen (von Platz 6 auf 4) und hat Dumont von Rang 4 auf Rang 6 verdrängt. Größere Veränderungen der Besitzanteile innerhalb der Gruppen gab es vor allem bei Ippen:  Durch erneute Übernahmen ist die anteilige Gesamtauflage auf über 800.000 Exemplare (2016: 706 000) gestiegen. 

Gemeinsam mit dem Verlag der "Gießener Allgemeinen" hat Ippen in 2017 die Zeitungsholding Hessen gegründet. In diese wurden die Verlage der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen sowie der Gießener Allgemeinen eingebracht. Die Ippen-Gruppe hält 80 Prozent der Anteile, die Gießener 20 Prozent. Seit dem 1. April 2018 gehören zur ZHH zudem die "Frankfurter Rundschau", die "Frankfurter Neue Presse" sowie das "Rüsselsheimer Echo" (ehemals in Besitz der FAZ-Gruppe).

kress.de-Tipp: Die Ergebnisse werden zuerst in den von der ARD Werbung verantworteten "Media Perspektiven" veröffentlicht. Die Analyse vom Formatt-Institut kann kostenfrei hier heruntergeladen werden.

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