dpa-Chef Peter Kropsch im Interview: "Wir entwickeln uns von einem Lieferservice zu einem Marktplatz"

 

Die Deutsche Presse-Agentur GmbH, die Kerngesellschaft der dpa-Gruppe, hat 2017 den Umsatz auf Vorjahresniveau gehalten. Der Jahresüberschuss ging zurück, liegt aber immer noch bei 1,2 Mio Euro. "Wir sind kein Shareholder-Value-Unternehmen, das einen maximalen Gewinn schreiben will", sagt Geschäftsführer Peter Kropsch im Gespräch mit Bülend Ürük. Zugleich spricht Kropsch über den Sinn und Zweck einer Nachrichtenagentur und wie er das Gesicht von dpa verändern will.

kress.de: Herr Kropsch, zum siebten Mal in Folge schreibt die Deutsche Presse-Agentur schwarze Zahlen. Wenn es der dpa gut geht, kann es den Medien im Land doch gar nicht so schlecht gehen, oder?

Peter Kropsch: Bei uns gilt der Leitsatz Unabhängigkeit durch wirtschaftliche Stärke. Mit unserem Gewinn beweisen wir, dass dpa als große Gemeinschaftsredaktion der deutschen Medien funktioniert.

kress.de: Ihnen geht es also gar nicht darum, Jahr für Jahr steigende Gewinne zu verkünden?

Peter Kropsch: Genau. Wir sind kein Shareholder-Value-Unternehmen, das einen maximalen Gewinn schreiben will. Unser Ziel ist es vor allem, unseren 180 Gesellschaftern einen Mehrwert zu bringen. Unser Member Value liegt darin, dass wir zunächst einmal in unsere Produkte investieren. Wir wollen den dpa-Basisdienst, das Kernprodukt des Unternehmens, so groß wie möglich halten, um möglichst eine umfassende Abdeckung anbieten zu können.

kress.de: Obwohl Sie zum Wohle Ihrer Besitzer denken, machen Ihnen Ihre Eigentümer Konkurrenz. Funke oder Madsack verkaufen anderen Medien schon heute News.

Peter Kropsch: Die Kunst einer Nachrichtenagentur wie dpa besteht darin, alle bedienen zu können. Wir haben alleine 55 Standorte in Deutschland, 31 Standorte in Europa, 35 in Asien, Nahost, Australien, 18 in Afrika, 23 in Amerika und das ist unser Alleinstellungsmerkmal, das hat niemand sonst. Als dpa wollen wir alle immer unterstützen, das ist der Sinn und Zweck einer Nachrichtenagentur. Und eins ist doch längst Fakt - im Digitalen findet ein permanente Rollentausch statt. Heute bist du Kunde, morgen Lieferant, heute Partner, morgen Mitbewerber. Wir müssen die redaktionellen und vor allem technischen Voraussetzungen schaffen, dass wir in dieser Art von Umwelt mitspielen können.

"Das Nachrichtenagentur-Geschäft ist ein Infrastruktur-Geschäft"

kress.de : Also haben Sie keine Angst vor Zeitungsketten, die irgendwann sagen könnten, jetzt sind wir groß genug, wir brauchen dpa nicht mehr?

Peter Kropsch: Nein. Schauen Sie sich doch die Angebote an. Dort finden Sie jede Menge Stücke mit unseren Autorennamen - nur meist ohne das dpa-Kürzel. Wir sind und bleiben einer der entscheidenden Nachrichtenlieferanten. Das Nachrichtenagentur-Geschäft ist aber letztlich kein Margengeschäft, sondern ein Infrastruktur-Geschäft. Wir bieten Zuverlässigkeit, Vollständigkeit und Schnelligkeit. Was News angeht, sind wir ein Powerhouse. Gehen Sie mal in den Newsroom, wenn irgendwo eine große Nachrichtenlage ausbricht. Dann arbeiten alle Hand in Hand, wir sind dann weniger eine Redaktion, sondern eine Einsatzorganisation, die auch die richtigen Leute vor Ort hat. Da bleibt die dpa einzigartig.

kress.de: Was hat sich 2017 vor allem bei dpa geändert?

Peter Kropsch: Vor allem unser Bildergeschäft. Wir haben die internationale Bildversorgung umgestellt. Früher hatten wir einen Lieferanten, jetzt ist es ein ganzes Netzwerk. Mit unseren Partneragenturen sind wir quasi die Arterien des weltweiten Nachrichtenflusses.

kress.de: Aber gerade bei Bildern gibt es wahnsinnige Konkurrenz.

Peter Kropsch: Das stimmt, Material ist genügend da, es geht jetzt um die Konfektionierung. Wir haben unseren Bilddesk in Berlin massiv ausgebaut. Es geht nicht mehr um die Menge, sondern um die Kuratierung. Unser Team sucht die 300, 400 besten Bilder aus 15.000, 20.000 Motiven jeden Tag aus.

"Agentur heißt ja nicht notwendigerweise nur selbst produzieren"

kress.de: Was steckt hinter dpa-Connect?

Peter Kropsch: Das ist unser zentrales Infrastrukturkonzept. Die Idee: wir entwickeln uns von einem Lieferservice zu einem Marktplatz. Gerade da wollen wir uns noch mehr öffnen.

kress.de: Wollen Sie dann zukünftig im dpa Stream auch Material von Dritten aufnehmen?

Peter Kropsch: Genau. Agentur heißt ja nicht notwendigerweise nur selbst produzieren, sondern Agentur heißt einfach den Bedarf mit dem Angebot zusammen zu führen.

kress.de: Also wird die dpa noch stärker ihr Gesicht verändern?

Peter Kropsch: Auf jeden Fall. Wo sind neben dem Journalismus unsere Kernkompetenzen? Wir sind schon längst Rechtehändler, Formatierer, wir gehören zu den besten im Bereich Metadaten. Nachrichtenagenturen haben immer mit Metadaten international gearbeitet, das ist in unserer DNA. Und wenn in Zukunft eine Mediengruppe zusammenarbeitet, sollte sie dafür die dpa-Infrastruktur nutzen, natürlich.

kress.de: AP verschickt schon seit Jahrzehnten auch Reportagen ihrer Mitgliedsverlage an ihre Kunden.

Peter Kropsch: Ja, der Unterschied ist aber, dass wir heute die Möglichkeit haben, sehr einfache Technologien einzusetzen. Das ist keine Rocket Science mehr.

kress.de: Mit Performing Content wagen Sie sich auf neues Feld, Sie wollen Medien helfen, Abos zu verkaufen.

Peter Kropsch: Wir wollen nicht nur helfen, neue Abos abzuschließen, sondern vor allem auch alte Abonnenten zu behalten. Kundenbindung ist wie ein Marathonlauf. Es hilft ja nichts, wenn ich einen Kilometer schnell laufe, ich muss 42 Kilometer gute Leistung abliefern. Wir setzen uns heute wesentlich intensiver als in der Vergangenheit damit auseinander, was unsere Nachrichten bei den Kunden unserer Kunden auslösen. Wir wollen helfen, dass Leser im Netz loyale Kunden werden. Da werden wir zuerst Erfahrung sammeln, die ersten Schritte werden wir mit Serviceinhalten machen.

Zur Person: Peter Kropsch, Jahrgang 1965, ist seit Januar 2017 Geschäftsführer der Deutschen Presse-Agentur. Davor war der gebürtige Österreicher Geschäftsführer von APA in Wien. Chefredakteur von dpa ist seit Anfang 2014 Sven Gösmann, früher Chefredakteur von "Rheinische Post".

Hintergrund: Die dpa-Gruppe hat ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2017 auf 136,7 Millionen Euro leicht gesteigert. Im Vorjahr waren es 136,2 Millionen Euro. Bei der Deutschen Presse-Agentur GmbH, der Kerngesellschaft des Konzerns, lag der Umsatz mit 93,6 Millionen Euro leicht unter dem Vorjahresniveau (2016: 94 Millionen Euro). Der Jahresüberschuss ging von 1,4 Mio Euro (2016) auf 1,2 Millionen Euro zurück.

Mit Peter Kropsch sprach Bülend Ürük.

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