DJV-Chef Frank Überall kritisiert BLL-Geschäftsführer Christoph Minhoff: "Nur ein schlechter Witz"

 

Die persönliche Attacke von BLL-Geschäftsführer Christoph Minhoff auf den Theodor-Wolff-Preisträger Marc Neller ist seit Tagen eines der Gesprächsthemen im politischen Berlin. Während die Chefredaktion der "Welt am Sonntag" sich zum Angriff des obersten Lebensmittel-Lobbyisten offiziell nicht äußern will, nimmt DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall den Reporter in Schutz.

Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Spitzenverbands der deutschen Lebensmittelwirtschaft BLL und des Dachverbands der deutschen Lebensmittelindustrie BVE, hatte zuerst in einem Kommentar und dann in einem kress.de-Interview mit Bülend Ürük Reporter Marc Neller für den in der "Welt am Sonntag" erschienenen Bericht "Der Zuckerkrieger" angegriffen. Im kress.de-Gespräch blieb Minhoff bei seinem Standpunkt und wich keinen Zentimeter zurück.

Minhoff verteidigte sich unter anderem so: "Hier wurde vom Welt-Autor aus meiner Sicht eine rote Linie überschritten: Bildbezüge mit Kindern und Drogen, die Eindruckserweckung eines skrupellosen, gefühllosen, sich hinter der Maske des freundlichen Handelsvertreters versteckenden Mammonjägers mit ausschließlich verantwortungslos-merkantilen Absichten. Ich kenne den so beschriebenen Protagonisten gut und empfinde es als eine Verpflichtung, dieses Zerrbild nicht unwidersprochen stehen zu lassen. Mein Text belegt, dass billige, bösartige Propaganda gegen jeden jederzeit möglich ist. Auch jeder Verbandsvertreter könnte mit dieser Methode verunglimpft und diskreditiert werden."

Minhoff ist nicht irgendwer, der ehemalige Programm-Geschäftsführer vom Sender Phoenix ist seit Dezember 2012 einer der wichtigsten Lobbyisten in Berlin, sein Wort hat Gewicht, er hat direkten Zugang zu den politischen Entscheidern. Umso erschrockener sind viele Journalisten über den direkten Angriff auf "Welt"-Mann Neller, manche sprechen sogar von "AfD-Methoden".

DJV-Vorsitzender Frank Überall hat den Angriff auf den preisgekrönten Journalisten mit Entsetzen verfolgt: "Herr Minhoff spielt sich zum Rächer der Entnervten auf. Weder der 'Welt'-Kollege noch andere Journalisten müssen sich von einem Verbandslobbyisten erklären lassen, wie Journalismus funktioniert", sagt Journalistik-Professor Überall am kress.de-Telefon. Und ergänzt: "Kritik an Journalisten gehört zum Diskurs, aber es geht nicht an, dass der Verbandschef uns allen Ernstes vorschreiben will, wie und mit welchen journalistischen Mitteln berichtet werden darf und wie weit Kritik maximal zu gehen hat", betont der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands.

Für Frank Überall steht fest: "Das ist einfach nur ein schlechter Witz."

Ihre Kommentare
Kopf

Sebastian Frevel

20.06.2018
!

Offenbat hat Herr Minhoff hier einen wunden Punkt getroffen. Er will ja gar nicht vorschreiben, "wie und mit welchen journalistischen Mitteln berichtet werden darf". Da ist schon das erste Mißverständnis. Viel schwerwiegender ist aber, dass Prof. Überall anscheinend übersieht, dass Minhoff jedes Recht hat, sich einzumischen. Ok, ob die Parodie nun ein guter oder schlechter Witz war, dass kann er sehen wie er will.


Peter Höbel

Peter Höbel

crisadvice GmbH Unternehmensberatung für Krisenmanagement
Geschäftsführender Gesellschafter

23.06.2018
!

Bemerkt jemand das Paradox?
Frank Überall polemisiert ("schlechter Witz") gegen Christoph Minhoff für exakt jenes Verhalten, das er für sich selbst beansprucht: Zur Verteidigung eines Mitglieds (Neller) als Verbandschef (djv) "allen Ernstes" vorschreiben zu wollen, "wie weit Kritik maximal zu gehen hat".

Ebenso absurd ist, dass Überall dabei SEIN djv-Mitglied Minhoff, immerhin selbst gelernter und langjähriger Redakteur, diskreditiert.

Wer darf definieren, wer sich Journalist nennen darf?


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