Wie Laterpay-Chef Cosmin Ene nach dem "Spiegel"-Verlust durchstarten möchte

 

Laterpay, der 2010 gegründete Dienstleister für die Vermarktung von Online-Inhalten, hat sich zuletzt radikal neu orientiert – hin zum Technologie- Unternehmen. Erlöse aus den USA müssen jetzt den Wegfall des "Spiegel"-Auftrags auffangen. Im aktuellen gedruckten "kress pro" erklärt Laterpay-Chef Cosmin Ene, welche Lehren er aus dem jüngsten Auf und Ab gezogen hat und wohin die Reise beim Pay-Geschäft nun geht. 

Bislang operierte Ene nach dem "Bierdeckel-Prinzip", das er über die Jahre hinweg vielen wichtigen Vorzeigekunden andienen konnte. Wie in der Stammkneipe kann man über das Laterpay-Prinzip erst einmal anschreiben lassen, bevor es dann nach einer vordefinierten Anzahl von abgerufenen Artikeln ans Bezahlen geht. Verlage oder Blogger können über Laterpay digitale Inhalte teilweise schon für niedrige Cent-Beträge verkaufen, ohne dem User eine Vorabregistrierung oder sofortige Bezahlung abzuverlangen. Webseiten-übergreifend sammelt man dann als Leser von Pay-Inhalten einen bestimmten Betrag an, der erst später einen Bezahlprozess auslöst. Methode: Lieber niemanden vorschnell abschrecken. Eintrittsschwellen senken. Abkassiert wird dann ohnehin später.

"Das Bierdeckel-Modell haben die User gut verstanden", sagt Cosmin Ene heute – acht Jahre nach der Unternehmensgründung. Und doch musste Laterpay mit seinen aktuell rund 50 Mitarbeitern Federn lassen. Und sein Kern-Geschäftsmodell neu ausrichten – weg von Transaktionserlösen für Verlage, an denen Laterpay über ein jeweils neu auszuhandelndes Revenue-Share-Modell mitverdiente, hin zu honorierten technologischen System- und Beratungslösungen. 

Aktuell laufen – als Reaktion auf die Kundennachfrage und die Erfahrungen der Verlage – die von ihm entwickelten Flatrate- und Zeitpässe-Modelle am besten, wie Cosmine Ene im Gespräch mit dem aktuellen gedruckten "kress pro" (05/2018) betont. Ein Reflex auf den Zeitgeist: Mediennutzer haben sich an die Flexibilität etwa von Netflix und Amazon Prime mit den unproblematischen kurzen Kündigungsfristen gewöhnt. "Die Nachfrage nach Flatrate-Modellen ist groß", sagt Ene. Entsprechend hat er seine Angebotspalette für Verleger massiv umgeschichtet. "Wir haben die Bierdeckel auf Zeitpässe erweitert."

Nun steht für den Digitalunternehmer Cosmin Ene vor allem die weitere Expansion auf den nordamerikanischen Medienmarkt auf dem Fahrplan. "Das US-Geschäft nimmt an Fahrt auf: Die Integration bei einer bekannten US-Medienmarke ist bereits abgeschlossen. Diese startet nach ihrem Relaunch in den nächsten Wochen offiziell mit uns in den Verkauf ihrer Online-Artikel." Dem Vernehmen nach soll es sich um ein reichweitenstarkes Debattenportal handeln, Ene nennt seinen Kunden nicht. "Wir konnten die Technologie-Führerschaft aus dem deutschen Markt heraus exportieren", sagt er nun. "Ich würde mich freuen, wenn es über eine Made-in-Germany-Technologie finanzierbaren Qualitätsjournalismus in Deutschland gibt."

kress.de-Tipp: Wie die langjährige Zusammenarbeit mit dem "Spiegel" konkret ablief und welche Schlüsse Laterpay daraus für weitere Publisher-Kunden auf dem deutschen Markt gezogen hat, erfährt man im ausführlichen Hintergrundbericht im neuen "kress pro".

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