Auf dem Weg zum Dienstleister: Wie Vogel-Chef Matthias Bauer den Budgets der Kunden folgt

10.08.2018
 

Matthias Bauer, Chef der Vogel Communications Group, sagt im Interview mit "kress pro", wie er das einstige Fachmedienhaus umbaut.

"kress pro": In einem Satz formuliert: Wofür steht die Vogel Communications Group?

Matthias Bauer: Wir sind ein umfassender Dienstleister für B-to-B-Kommunikation, der Unternehmen bei ihrer digitalen Transformation berät, begleitet und unterstützt, indem wir zeitgemäße Kommunikationsstrategien für sie erarbeiten und umsetzen.

"kress pro": Und wofür steht Vogel ausdrücklich nicht?

Matthias Bauer: Das haben wir im Zuge unserer Neupositionierung tatsächlich auch definiert. Vogel versteht sich zum Beispiel nicht als Fachmedienhaus und nicht als Einzelunternehmen, daher ist der Namensbestandteil "Communications Group" wichtig. Vogel ist kein solitärer Anbieter ausschließlich von Information oder Wissen oder Marketing. Wir wollen Kommunikation im Paket liefern und nicht als Einzelangebot.

"kress pro": Worin besteht der eigentliche Unterschied zu vorher?

Matthias Bauer: Die Möglichkeiten und die Kanäle, zu kommunizieren, haben sich vervielfacht - und damit auch die Bedürfnisse unserer Kunden. Ein Beispiel: Wenn ein Unternehmen 20.000 Ingenieure ansprechen wollte, hat es die früher über Anzeigen im "Maschinenmarkt" erreicht.

"kress pro": Und das funktioniert nicht mehr?

Matthias Bauer: Fachzeitschriften erreichen immer noch einen hohen Anteil an Fach- und Führungskräften, aber sind nur ein Kanal unter vielen. Firmen geben spürbar weniger Geld für Print- und Online-Anzeigen aus. Hinzu kommt, dass sie stärker selbst über eigene Plattformen kommunizieren. Daraus ergibt sich für uns: Wir müssen in der Vermarktung konsequent von der Zielgruppe aus denken. Ein Perspektivwechsel, der für Vogel nicht neu ist, den wir aber jetzt kompromisslos vollzogen haben.

"kress pro": Ihr Geschäft war in den vergangenen Jahren stets profitabel. Ist es nicht teuer und riskant, auf bislang eher ungewohntes Terrain vorzustoßen?

Matthias Bauer: Wirtschaftlich geht es uns gut, das stimmt, und deshalb können wir auch investieren. Vogel ist aber in den vergangenen Jahren nicht mehr nennenswert gewachsen. Das bisherige Kerngeschäft bröckelt und was in Print verloren geht, lässt sich durch Onlinewerbung nur schwer wettmachen. Indem wir unser Portfolio in der B-to-B-Kommunikation ausbauen und als Dienstleister agieren, folgen wir den sich verschiebenden Budgets der Kunden. Das bringt uns bessere Wachstumschancen.

"kress pro": Sie sagen, Vogel kann nun nahezu alle modernen Kommunikationsmittel und -wege anbieten, die ein Unternehmen braucht. Was heißt das konkret?

Matthias Bauer: Unsere Kunden müssen heute fit sein in vielen Disziplinen, sei es PR und Corporate Publishing, Social Media und SEO, Live-Kommunikation, Webcasts und Intranet. Es geht rasend schnell: Plötzlich sprechen alle über Chatbots oder fragen sich, wie sie mit künstlicher Intelligenz umgehen sollen. Wir haben vor Jahren damit begonnen, entsprechende Kompetenzen, Qualifikationen und marktbezogene Angebote zu entwickeln. Davon profitieren wir heute.

"kress pro": Bislang hat Vogel überwiegend durch den Verkauf von Werbefläche in Print und Online sein Geld verdient. Welche Folgen hat die neue Strategie für die Vermarktung?

Matthias Bauer: Wir verkaufen keine Medien mehr, sondern bedarfsgerechte Kommunikationslösungen für unsre Kunden. Die Aufteilung nach Medienmarken ist passé. Die neue Struktur besteht aus Teams, die sich um unterschiedliche Zielgruppen kümmern. Es gibt insgesamt sechs solcher Verkaufsteams sowie eine Unit "Customer Development", die sich aufs Neukundengeschäft konzentriert, und im "Sales Executive" werden Unternehmen mit hohem Umsatzvolumen betreut.

kress.de-Tipp: Das Gespräch ist ein Auszug aus einem Interview, das Roland Karle mit Vogel-Chef Matthias Bauer für "kress pro" geführt hat. Darin sagt Bauer auch, wie er die Mitarbeiter auf dem Weg zum Dienstleister mitnimmt, mit wie vielen Kunden Vogel im Geschäft ist und was vom Publishing übrig bleibt. Die "kress pro"-Ausgabe 6/2018 kann in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt gekauft werden - und ist auch im iKiosk erhältlich. Per E-Mail kann sie unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden. "kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. Zum "kress pro"-Abo.

Zur Person: Der Manager Matthias Bauer, 37, ist seit Januar 2018 Sprecher der Geschäftsführung der Vogel Communications Group und zuständig für digitale Transformation. Zum Führungstrio gehören zudem Florian Fischer (Publishing) und Günter Schürger (Services, VCC, Personal). Bauer studierte BWL an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt (2001 bis 2005) und stieg dann bei Vogel im Controlling ein. Nach Stationen in der Vogel Future Group und als Leiter des Web Developments wurde er 2010 Director International Business & Strategy. Danach trieb Bauer die Entwicklung des Standorts Berlin mit inzwischen vier Agenturen – New Generation Network (ngn), Schoesslers, Intergr8, Vogel Corporate Media – und Vogel Ventures voran. Berufsbegleitend absolvierte er ein Executive-MBA-Studium mit Schwerpunkt Medien.

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