"Wirtschaftsjournalist"-Chefredakteur Wolfgang Messner vergibt Zeugnisse in der Tichy-Affäre

14.08.2018
 

Die Tichy-Affäre hat eins gezeigt: In eigener Sache agieren Alpha-Journalisten oft noch unbeholfener als Politiker, Behördenchefs oder Wirtschaftsbosse. Chefredakteur Wolfgang Messner liefert im Editorial des aktuellen "Wirtschaftsjournalist" eine Betrachtung in Noten. 

Ein globaler Handelskrieg droht, Dieselmotoren machen krank und die Flüchtlingsdebatte überlagert alles. Wirklich wichtig für die Branche ist anderes: nämlich dass ein Ex-Politiker einen Preis abgelehnt hat. Willkommen in der Tichy-Äffare. Wenn Sie wissen wollen, wie alles wirklich lief, lesen Sie die Titelgeschichte dieser Ausgabe. Wenn Sie wissen wollen, wer jetzt wie dasteht und sich welche Noten verdient hat, lesen Sie einfach weiter:

1. Friedrich Merz

Der Ex-Politiker (Friedrich Merz), der schon lange keiner mehr ist, sondern ein Repräsentant von Blackrock, des Mega-Giganten im weltweiten Großkapitalismus. Er hatte den ihm von der Ludwig-Erhard-Stiftung angetragenen Preis für seine angeblichen Leistungen um die soziale Marktwirtschaft abgelehnt. Angeblich weil ihm der Rechtsblogger Tichy nicht in den Kram passt. Danach schwieg Merz .

Betragen: Ungenügend. Mitarbeit: Mangelhaft.

2. Ursula Weidenfeld

Man hätte erwarten dürfen, dass die in der Jury versammelten tough cookies des bundesdeutschen Top-Journalismus wissen, was in so einem Fall zu tun ist. Zusammenstehen, einen neuen Preisträger suchen und die Klappe halten oder, wenn das nicht möglich ist, Transparenz schaffen und in die Vorwärtsverteidigung wechseln. Aber weit gefehlt. Die Jury-Vorsitzende Ursula Weidenfeld und mit ihr die Juroren Rainer Hank ("FAS"), Nikolaus Piper ("SZ") und Ulric Papendick (Kölner Journalistenschule) traten zurück und duckten sich weg. Davor aber kam auf wundersame Weise eine interne Mail der Jurymitglieder an das "Handelsblatt", die die Schuld für die Blamage auf Tichy schob. Die Jury mit ihrer hilflosen Vorsitzenden Weidenfeld hoffte wohl, dass die Affäre von selbst vorübergehen möge. Motto: Dieser Tichy ist als Stiftungsvorsitzender echt nicht mehr tragbar. Darauf hätte man auch schon vorher kommen können. Tichy aber wurde erst im November im Amt bestätigt.

Betragen: Ausreichend. Mitarbeit: Mangelhaft.

3. Roland Tichy

Bleibt Roland Tichy, der mit seinem Rechtsaußen-Blog polarisiert, sich aber auch eine seltene Immunität gegen Kritik angeeignet hat. Er hätte von sich aus gehen können, um die Stiftung Zeugnisvergabe! nicht weiter zu beschädigen. Tichy aber hat viel für die Stiftung getan und er weiß, dass die Mitglieder hinter ihm stehen. So fühlt er sich stark und als Teil der wertkonservativen Welt, als der er sich begreift, braucht er die Anerkennung und dieses Ehrenamt. Daher bleibt er erst mal oben auf.

Betragen: Ausreichend. Mitarbeit: Gut.

Fazit: Hätte irgendein Politiker, eine Behörde oder ein Unternehmen in einer Krise so agiert, hätten die Protagonisten der Tichy-Affäre sicher viel zu schreiben gehabt. Inklusive kluger Ratschläge. 

kress.de-Tipp: Der Text von Chefredakteur Wolfgang Messner ist das Editorial des neuen "Wirtschaftsjournalist". Die Titelgeschichte befasst sich damit, wie der Streit um den Ex-"WiWo"-Chef Roland Tichy die Ludwig-Erhard-Stiftung beschädigt. Und wer jetzt alles dumm dasteht. Im Heft geht es auch um Erkenntnisse und Ergebnisse aus der aktuellen LAE-Studie. Eine Inhaltsangabe finden Sie in unserer Bildergalerie. Die aktuelle Ausgabe des "Wirtschaftsjournalist" (4/2018) können Sie in unserem Newsroom-Shop oder im iKiosk bestellen. Der "Wirtschaftsjournalist" (Chefredakteurin: Wolfgang Messner, Herausgeber: Johann Oberauer) erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer.

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