Job-Kolumne: Positiv bleiben in einer negativen Welt

 

Eine schlechte Nachricht scheint die nächste abzulösen: Es ist nicht leicht, in einer negativen Umgebung oder mit negativen Menschen um sich herum positiv zu bleiben. Mediencoach Attila Albert über verschiedene Strategien, mit Negativität umzugehen, und ihre Vor- und Nachteile.

Für einen Journalisten hat es schon immer zu Beruf gehört, sich vor allem mit Krisen und Dramen zu beschäftigen - mit dem, was man gemeinhin als "schlechte Nachrichten" bezeichnet: Unglücke, Intrigen, Fehler und Verfehlungen aller Art. Doch wie soll man selbst positiv bleiben in einer negativen Welt? Ebenso gilt das im persönlichen Umfeld: Wie reagieren auf negative Menschen, denen man nicht entkommen kann - auf die ständig verbitterte Kollegin, die unglückliche Mutter, den nörgelnden Chef?

Vielen würden schnell allerlei praktische Ratschläge einfallen: "Grenz Dich da mehr ab", "Das hat nichts mit Dir persönlich zu tun", "Du musst auch an Dich denken". Doch zuerst geht es darum, wie Sie sich selbst zu Negativität stellen: Ihre innere Einstellung. Aus ihr leitet sich - mehr oder weniger bewusst - ab, wie Sie sich fühlen und was Sie tun. Nehmen Sie sich also die Zeit, einmal für sich selbst darüber nachzudenken. Nur dann ist es tatsächlich möglich, dass Sie einen der Ratschläge auch wirklich umzusetzen.

Grundsätzlich gibt es sieben Varianten, mit Negativität umzugehen:

  1. Unter den Umständen leiden, sich müde und erschöpft fühlen. Typische Handlung: Sie ziehen sich aus Facebook zurück, weil Sie es nicht mehr aushalten.

  2. Sich über andere empören, Schuld verteilen und sich streiten. Typische Handlung: Wütende Gespräche, bei denen es nur noch ums Rechthaben geht.  

  3. Trost in der Ablenkung suchen, damit Sie sich besser fühlen. Typische Handlung: Konfliktthemen meiden, lieber den nächsten Urlaub planen.

  4. Sich wegen der Konflikte inspiriert fühlen, anderen zu helfen. Typische Handlung: In einem Verein mitarbeiten, "damit verändern wir wenigstens etwas".

  5. Pragmatisch die Folgen für sich überlegen. Typische Handlung: Umzugspläne machen oder eine nun sinnvolle berufliche Veränderung planen.

  6. Die Sache philosophisch betrachten. Typische Handlung: Sie machen sich Gedanken über die Menschen an sich - "sind wir nicht alle mal so, mal so?"

  7. Ganz distanziert herangehen. Typische Handlung: Sie sehen den Konflikt als normalen Teil des Lebens, der vorbeigehen und vom nächsten abgelöst werden wird.

Jede dieser Varianten werden Sie schon einmal praktiziert haben, und das ist auch normal. Grundsätzlich hat aber jeder eine Grundtendenz, wie er an Situationen herangeht. Diese Tendenz lässt sich übrigens auch messen. Das Energy Leadership Index (ELI) Assessment, ein 85 Fragen umfassender Fragebogen, ermittelt diese Tendenz. Wie Sie mit Negativität umgehen, ist übrigens nicht fixiert, sondern lässt sich verändern. Da bedeutet: Sie können immer lernen, an Konflikte auch positiver heranzugehen, also weniger darunter zu leiden.

Wer anderen hilft, fühlt sich auch selbst besser

Welche Variante ist nun die Beste? Die Varianten 1 (Opfer) und 2 (Konflikt) aus der obigen Liste sind am anstrengendsten, da langfristig kräftezehrend. Die Varianten 3 (Selbstsorge) bis 7 (absolute Objektivität) sind, in aufsteigender Reihenfolge, kraftspendend: Sie tun zwar etwas, fühlen sich danach aber erfrischt und aufgeladen. Je höher Sie also in dieser Skala nach oben kommen, desto weniger stresst sie eine negative Situation. Praktisches Beispiel: Wenn Sie sich weniger streiten, dafür praktisch anderen helfen, fühlen sie sich besser.

Eine Ressortleiterin entschied sich, sich nicht mehr über all die schlechten Nachrichten und beleidigenden Kommentare auf der Seite, die sie betreute, zu ärgern oder daran zu verzweifeln. Sie reduzierte stattdessen ihre Arbeitszeit auf 80 Prozent und begann, sich an diesem Tag ehrenamtlich um ein Flüchtlingskind zu kümmern (dafür erhält sie eine kleine Aufwandsentschädigung.) Seitdem belasten sie schlechte Nachrichten spürbar weniger. Sie wechselte von Variante 1 auf Variante 4 und zieht Kraft aus dieser Veränderung.

Ein Chefreporter hat die Negativität der letzten Jahre bisher so bewältigt, dass er praktisch an jedem freien Tag auf Reisen war. Die Ziele wurden immer exotischer und aufwendiger, zunehmend auch zu teuer. Über politische Themen wollte er selbst mit Freunden nicht mehr sprechen. Schließlich begann er aber, sich für diejenigen, die anders als er selbst dachten, zu interessieren: Er befragte sie offen und interessiert, wie er es als Reporter auch tat - und es war, als fiele eine Last von ihm selbst ab. Er wechselte von Variante 3 auf Variante 6.

Es gibt also verschiedene Varianten, mit negativen Situationen umzugehen - und manche sind geeigneter als andere, vor allem im Bezug auf Nachhaltigkeit (wie fühlen Sie sich selbst damit) und Wirkung (überzeugen Sie andere oder schrecken Sie andere eher ab). In vielem ist Negativität daher wie schlechtes Wetter: Sie können sie selbst vielleicht nicht verändern, aber immer für sich und andere das Beste daraus machen.

Zum AutorAttila Albert (45) begleitet mit seiner Firma Media Dynamics seit mehreren Jahren Medienprofis bei der beruflichen und persönlichen Neuorientierung. Albert hat selbst mit 17 Jahren als Journalist zu arbeiten begonnen. Anfangs bei der "Freien Presse" in Chemnitz, eine der größten deutschen Regionalzeitungen, später insgesamt 23 Jahre bei Axel Springer, unter anderem als Textchef und für Sonderaufgaben bei der "Bild"-Bundesausgabe, danach als Autor bei der Ringier AG in Zürich. Berufsbegleitend hat er sich in den USA zum Coach ausbilden lassen sowie vorher ein dreijähriges Webentwickler-Studium absolviert.

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