Jobkolumne von Attila Albert: Sind Sie ein Problem-Denker?

 

Die Idee kann noch so gut sein, doch manchen fällt nichts anderes dazu ein, als sofort auf mögliche Probleme hinzuweisen - "so einfach ist das nicht", "das wird schwierig". Aber diese Angewohnheit frustriert und demotiviert andere und am Ende sogar sie selbst. Mediencoach Attila Albert über Wege, nicht länger ein "Problem-Denker" zu sein.

Ein Ressortleiter, seit fünf Jahren in der Position, bemerkte eines Tages, dass er auf fast alle Vorschläge seiner Mitarbeiter die gleiche Erwiderung hatte: "Ja, aber das Problem ist…" Er bemühte sich daraufhin, weniger negativ zu erscheinen, und korrigierte sich selbst: "Ich meine, die Herausforderung ist…" Es lief aber in beiden Fällen darauf hinaus, dass er vor allem mögliche Schwierigkeiten aufzählte, damit jede Idee schwächte oder ganz zerredete. Ihm war selbst klar, wie demotivierend das auf seine Umgebung wirken musste. Aber es schien ihm unmöglich und auch unverantwortlich, nicht früh auf Probleme hinzuweisen. 

Wer immer nur an Probleme denkt, ist sich in den meisten Fällen selbst darüber klar, dass diese Angewohnheit problematisch ist. Die Empfehlung, positiv zu denken, ist seit mehr als 150 Jahren populär und kommt in immer neuen Varianten wieder zur Sprache, sei es in Büchern, Artikeln oder Vorträgen. Trotzdem ist es nicht einfach, positiv zu denken, wenn man gleichzeitig realistisch sein will. Zu einem gewissen Teil ist Problem-Denken bei uns zudem kulturell bedingt, wird als normal gesehen und auch erwartet. Amerikanische Aufgedrehtkeit - "everything is great!" - würde aufgesetzt und unpassend wirken.

Prüfen Sie, ob Sie selbst ein Problem-Denker sind

Hier geht es also darum, eine gesunde Balance zwischen Vorsicht und Aktivität zu finden: Gute Vorschläge erkennen, prüfen und erst danach beurteilen. Nicht, wie es oft geschieht, sie mit "Ja, aber das Problem ist…" direkt nach der Ankündigung zu erledigen. Prüfen Sie also zuerst, ob Sie selbst ein Problem-Denker sind. Einige typische Hinweise darauf:

●      Sie ertappen sich dabei, dass Sie ständig von Schwierigkeiten reden: "Das Problem ist", "das wird schwierig", "so einfach ist das aber nicht".

●      Nur wenig Zeit und Energie verwenden Sie dagegen darauf, mögliche Lösungen für die Probleme zu erarbeiten (z.B. Zeitplan, Budget).

●      Oft präzisieren Sie die möglichen Probleme nicht einmal, sondern verweisen auf Allgemeinheiten - "keine Zeit", "kein Budget".

●      Viel Zeit und Energie nutzen Sie stattdessen dafür, auf die Schuld anderer oder die schwierigen Umstände für Sie hinzuweisen.

●      Gleichzeitig stellen Sie frustriert fest, dass Sie gewisse Probleme dadurch nun schon seit Monaten oder sogar Jahren vor sich herschieben.

●      Wegen Ihres Frustes neigen Sie immer wieder einmal zu emotionalen Ausbrüchen (Wut, Vorwürfe), die aber letztendlich nichts ändern.

Gründe, kein Problem-Denker zu bleiben, gibt es viele. Als Führungskraft demotivieren Sie kreative und engagierte Mitarbeiter. Langfristig werden sie verstummen oder sich abwenden und zu einem Team oder in eine Firma wechseln, die ihre Ideen unterstützt. Sie werden den Ruf eines ewigen Nörglers bekommen und sich selbst ärgern, dass Sie so negativ eingestellt sind. Die gute Nachricht ist: Problem-Denken kann man ablegen. Sie sollen sich dabei nicht verstellen (zum Beispiel mechanisch "Herausforderung" statt "Problem" sagen), sondern Ihre berechtigten Bedenken anders an- und einbringen.

Machen Sie sich klar, dass es immer Probleme gibt

Als erstes sollten Sie sich klarmachen, dass Problem-Denker eine Banalität verkünden. Ja, es gibt Probleme - und zwar immer. Es gibt kein Projekt, bei dem keine Schwierigkeiten wahrscheinlich sind: Von privaten Unterfangen (z. B. abnehmen, Schulden reduzieren, Job wechseln) bis zu beruflichen Vorhaben (z.B. Abteilung umbauen, Firma gründen). Sie können sich diesen Hinweis also sparen und gleich zum nächsten Schritt übergehen: Was genau sind mögliche Probleme und was für Möglichkeiten könnte es geben, sie zu lösen?

Fast alle Hinweise auf Probleme fallen in die Kategorien "kein Geld" oder "keine Zeit". Auch hier müssen Sie daher nicht allgemein darauf hinweisen, dass es da Schwierigkeiten geben könnte. Es gibt sie immer in mindestens einer, oft in beiden Kategorien. Stattdessen sollten Sie sich auch hier besser um Konkretisierung bemühen. Bei beiden Themen, Zeit und Geld, heisst das: Wie viel wird gebraucht, wie viel ist vorhanden, und wie könnte man die Differenz überbrücken? Stellen Sie also Pläne und Budgets auf.

Verschwenden Sie wenig Zeit mit Vorwürfen

Fast alle Problem-Denker sind damit beschäftigt, die Schuld anderer anzusprechen: Der Kollege macht viel weniger als man selbst, der Chef ist maßlos in seinen Wünschen. Die Firma ist zu langsam, die Branche hat keine Ideen, man gehört zu einer Gruppe, die klar benachteiligt wird. In vielen Punkten werden Sie damit sogar Recht haben, es nützt Ihnen nur nichts. Sie verschwenden Zeit und Sympathien, die Sie dringend benötigen, wenn Sie jammern und klagen. Sie gewinnen Zeit und Unterstützer, wenn Sie handeln.

Zuletzt sollten Sie über den Tag auf Ihre Sprache achten, denn sie verrät Ihr Denken. Wie oft würgen Sie Ideen ab, indem Sie sofort auf Probleme zu sprechen kommen? Werden Sie hier offener und neugieriger. Jemand hat eine Idee? Schön. Fragen Sie ehrlich interessiert nach, wie er sie umsetzen würde. Nehmen Sie sich einen Zettel und notieren Sie, was schon da ist (z.B. ein Vorschlag) und was Sie nun wissen wollen und benötigen (z.B. Zeitplan, Budget, Verantwortliche). Und ärgern Sie sich dabei nicht, wenn Sie doch wieder einmal "Problem" sagen. Lächeln Sie über sich selbst - und werden Sie neugierig auf Lösungen.

Zum AutorAttila Albert (45) begleitet mit seiner Firma Media Dynamics seit mehreren Jahren Medienprofis bei der beruflichen und persönlichen Neuorientierung. Albert hat selbst mit 17 Jahren als Journalist zu arbeiten begonnen. Anfangs bei der "Freien Presse" in Chemnitz, eine der größten deutschen Regionalzeitungen, später insgesamt 23 Jahre bei Axel Springer, unter anderem als Textchef und für Sonderaufgaben bei der "Bild"-Bundesausgabe, danach als Autor bei der Ringier AG in Zürich. Berufsbegleitend hat er sich in den USA zum Coach ausbilden lassen sowie vorher ein dreijähriges Webentwickler-Studium absolviert.

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