Personalberaterin Sabine Schuhmann: "Ein Master ist kein Garant für eine glänzende Karriere"

16.10.2018
 

Woran erkennt man einen schlechten Chef? Welche Fehler sollten Talente vermeiden? An welchen Defiziten arbeiten? In der Karriere-Reihe des "PR Report" gibt es Rat von renommierten PR-Profis. Warum Sabine Schuhmann von der Schuhmann Personalberatung eine solide Praxisausbildung empfiehlt.

Wenn ich heute 25 Jahre alt wäre, würde ich ... 

... weniger darauf schauen, wo ich in kurzer Zeit viel Geld verdiene, sondern - schon parallel zum Studium - noch mehr zielführend Praxiserfahrung sammeln, davon ein Jahr im angelsächsischen Ausland verbringen und tief in die dortige Kultur eintauchen.
 
Nach welchen Kriterien sollte man seinen ersten Arbeitgeber auswählen?
Nach dem Neigungswinkel der Lernkurve in den ersten 12 Monaten.
 
Der größte Fehler, den Berufsanfänger/Young Professionals in der Kommunikation machen können, ist ...
... die erste Stelle nur nach räumlicher Nähe, Opportunität, dem Wohlfühlfaktor oder dem Einstiegsgehalt aussuchen. Oder das Thema "flexible Arbeitszeiten" als Einbahnstraße missverstehen.
 
Ein Mitarbeiter begeistert sie, wenn ...
... er als Kandidat für einen Kommunikationsjob "kontrollierte" Dynamik mit Neugierde und Empathie paart und dabei authentisch bleibt. Bei unseren eigenen Mitarbeitern ist es zudem das Mitdenken und Denken in Lösungen.
 
Mit Blick auf den Nachwuchs/Young Professionals: Wo/bei welchen Kompetenzen sehen Sie die größten Defizite?
Pauschal gibt es darauf eigentlich keine Antwort. Das sichere Gespür für Rechtschreibung bei Texten, die deutlich über die Länge eines Tweets hinausgehen, hat nicht zugenommen, was - zugegeben - die alten Hasen mehr stört als die Generation Z. Im einen oder anderen Fall wünscht man sich etwas mehr Verbindlichkeit.
 
Welche Kompetenzen brauchen moderne Kommunikatoren unbedingt?
Viele der alten Kompetenzen werden auch in der Moderne gebraucht, andere kommen verstärkt dazu. Zwei Beispiele: Aus der Flut an täglichen News schnell falsche von richtigen unterscheiden und priorisieren können und der Umgang mit Big Data. Daten-Analysen, Messbarkeit und KPIs werden wichtiger.
 
Welche Kompetenzen haben im Vergleich zu vor zehn Jahren an Bedeutung verloren?
Der Pressesprecher mit den Visitenkarten der zehn relevantesten Chefredakteure seiner Branche im Jackett wird heute nur noch selten gesucht.
 
Welche Kompetenzen kommen in der Kommunikation niemals aus der Mode?
Anderen zuhören und die richtigen Fragen stellen können. Und komplexe Inhalte in zielgruppengerechten Content herunterbrechen.
 
Digitale Kompetenzen braucht heute jeder. Was heißt Digitalkompetenz eigentlich konkret?
Die hat viele Ebenen. Man muss dabei den digitalen Spezialisten vom Allrounder unterscheiden. Der Allrounder muss in erster Linie wissen, wie er die ungezählten Kanäle für seine Botschaften, seine Kampagne zielführend einbindet und wie er die Effizienz überprüfen kann. Die konkrete Umsetzung übernimmt dann der "Digi", der die Welt der digitalen Kanäle beherrschen muss.
 
Müssen moderne Kommunikationsprofis (künftig) programmieren können?
Nein. Sie müssen aber den Programmierern sagen können, welche Informationen sie aus Big Data benötigen, diese richtig interpretieren und in zielgruppengerechte Kommunikationsstrategien einfließen lassen.
 
Welche Aufgaben in der Kommunikation werden künftig von Maschinen/Künstlicher Intelligenz erfüllt?
Das Schreiben von Standardtexten. Deshalb ist das oben erwähnte Defizit in der Rechtschreibung in ein paar Jahren wahrscheinlich keines mehr.
 
Eine Fähigkeit, die ein moderner Kommunikator unbedingt braucht, aber an der Universität nicht lernt:
Softskills und komplexes Projektmanagement. Unis können aber nicht alles leisten. Dafür ist eine solide Praxisausbildung in Form eines Trainees oder Volos im Anschluss da. Den Studenten sollte deshalb von ihren Lehrkräften nicht zu sehr vermittelt werden, der Master in Kommunikation sei schon der Garant für eine glänzende Karriere.
 
Einen schlechten Chef erkennt man an ...
.... daran, dass er nur Mitarbeiter für sein Team aussucht, die deutlich schwächer sind als er selbst und die ihm mutmaßlich nicht gefährlich werden können
 
kress.de-Tipp: Seien Sie dabei beim großen PR Report Camp in Berlin! Am 13. November, am Tag der Verleihung der PR Report Awards, bringt der PR Report in der Hauptstadt Young Professionals, Berufseinsteiger und Studenten mit potenziellen Arbeitgebern zusammen. Das Karriereforum steht unter dem Motto "Was mit PR? Dann aber gleich richtig!"  Am Start sind Bayer, Bertelsmann, Bosch, Brunswick, Commerzbank, DAPR, Fischer-Appelt, GK Personal- und Unternehmensberatung, Hill + Knowlton Strategies, Klenk & Hoursch, Kommpassion, Loesch Hund Liepold, Pioneer Communications, Porsche, PRCC, Schuhmann Personalberatung und Thyssen-Krupp.

Auch sonst gibt es an diesem Tag ein abwechslungsreiches Programm:
 
25 Top Cases - das leisten Deutschlands PR-Profis: Eine Auswahl der besten Projekte des Jahres - präsentiert von ihren Machern.
 
PR Report Werkstatt: Es wird gehämmert, geschraubt und gefeilt - verschiedenen Sessions und Workshops der PR Report Werkstatt zeigen, wie moderne PR-Arbeit funktioniert. Mit dabei sind Weber Shandwick, WhatsBroadcast / MessengerPeople, Mynewsdesk, Lautenbach Sass, Exit, Hill + Knowlton. 
 
Das Finale von #30u30: Der Jahrgang von 2018 tritt in Zweierteams im Finale des diesjährigen Wettbewerbs gegeneinander an und kämpft um die Trophäen in der Kategorie "Young Professional des Jahres".

Der "PR Report" erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "PR Report"-Chefredakteur ist Daniel Neuen, Herausgeber Johann Oberauer.

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