"Wir fragen unsere kressköpfe": Warum Bauer-Multi-Chefredakteur Jan von Frenckell "Helden des Alltags" auszeichnet

 

Eigentlich ist Jan von Frenckell, der bei Bauer "auf einen Blick", "Fernsehwoche", "TV klar", "mein tv&ich", "tv pur" und "tvtop" als Chefredakteur vorsteht und auch die Serviceredaktion "Travel & Service" leitet, kein Typ, der das Rampenlicht sucht. Am Mittwoch steht er doch auf der Bühne des Hamburger Kehrwieder-Theaters und zeichnet zum sechsten Mal selbstlose Menschen aus. Im "kressköpfe"-Interview verrät er, warum!

kress.de: Herr von Frenckell, als Journalist ist man ja zur Distanz verpflichtet: Aber mit welcher Art von Alltagsgeschichten von Zivilcourage, Hilfsbereitschaft und Seelenstärke im Meistern von Schwierigkeiten kann man Ihr Herz erweichen?

Jan von Frenckell: Ich denke, dieses zu viel an Distanz hat sich in den vergangenen Jahren oft wie ein Schatten über die Leidenschaft vieler Journalisten gelegt. Mit anderen Worten: Zu viel Distanz kann auch wirklich zu viel sein. Ich denke, es geht darum, das richtige Maß zu finden. Mich berühren ganz viele Geschichten - sonst könnte ich den Job gar nicht machen.  

"Selbst mein Verein FC Bayern spielt so, wie die Politik in Deutschland gerade von vielen empfunden wird."

kress.de: Ihre Zeitschrift zeichnet Beispiele für vorbildliches, selbstloses Handeln aus. Wie kamen Sie in der Redaktion eigentlich auf diese Idee? 

Jan von Frenckell: Bewegende Geschichten über besondere Menschen sind Teil der Marken-DNA von "auf einen Blick". Und wenn man sich draußen umguckt, erkennt man sehr schnell, dass unsere Auszeichnung heute aktueller ist denn je. Wo gibt es denn noch Menschen, die das Zeug zum Vorbild haben? In der Politik sicher nicht, und selbst mein Verein FC Bayern spielt so, wie die Politik in Deutschland gerade von vielen empfunden wird. Insofern ist es wichtig, Menschen in den Vordergrund zu stellen, die nicht nur jammern, sondern anpacken und die nicht in Krisen versinken, sondern sie bewältigen. Natürlich geht es auch darum, unsere Marke zu stärken. Wir haben dutzende Prominente sowie Vertreter aus Wirtschaft und Medien zu Gast, die auf einen Blick so hautnah erleben können.  Wir wollen zeigen, wie lebendig, vielseitig und bewegend eine Traditions-Marke heute sein kann. Das ist wichtig!  

"Wir rücken Probleme in die richtige Dimension und zeigen, was im Leben wirklich zählt."  

kress.de: Welchen Beitrag kann Ihr Titel mit Aktionen wie diesen auch im sogenannten "echten Leben" leisten?

Jan von Frenckell: Rund 750.000 Menschen kaufen Woche für Woche "auf einen Blick". Da ist es doch phantastisch, wenn wir für Werte, die auf einen Blick verkörpert, ein Bewusstsein schaffen können und unseren Leserinnen und Lesern Menschen vorstellen, die Unfassbares geleistet haben. Wir rücken damit Probleme in die richtige Dimension und zeigen, was im Leben wirklich zählt.  

kress.de: Wie sind Sie auf die "Helden des Alltags" gestoßen und nach welchen Kriterien zeichnet die Jury Sie aus?

Jan von Frenckell: Mit einem kleinen, aber ziemlich phantastischen Team, suchen und finden wir unsere Helden. Wir haben über 200 Fälle anrecherchiert, 20 für "auf einen Blick" produziert, fünf stehen am Mittwoch stellvertretend auf der Bühne. Bei der Auswahl, egal ob bei den Lesern oder bei uns, geht es natürlich stark darum, welcher Fall am meisten das Herz berührt. 

kress.de: Wie wichtig ist diese Form von Leser-Blatt-Bindung für "auf einen Blick"? 

Jan von Frenckell: Sehr groß! Emotionen sind die Brücke zwischen Lesern und Blatt - und Emotionen schwingen da enorm mit. Das merken wir auch an der großen Resonanz unserer Leser, die jedes Jahr zunimmt.

kress.de: Wie gehen Sie mit den geschilderten Erlebnissen im redaktionellen Alltag um: Wie werden Sie die Geschichten weiterverfolgen? 

Jan von Frenckell: Tatsächlich bleiben wir an allen Fällen, die sich weiter entwickeln, dran. Auch nach der Gala. Manche unserer Helden haben nach unserer Preisverleihung riesige Präventions-Programme gestartet, die bundesweit arbeiten. Manche werden zu Talkshows und TV-Sendungen eingeladen, andere mit weiteren Preisen geehrt, einige haben sich, nachdem sie sich bei uns kennengelernt haben, zusammengeschlossen und planen gemeinsame Aktionen. Die "Helden" - wie wir die Aktion bei uns abkürzen, sind fast schon eine kleine Bewegung geworden.   

"Solche Geschichten müssen eine Herzensangelegenheit sein - sonst wird das nichts." 

kress.de: Was müssen gute Journalisten in Publikationen wie Ihrer leisten, um mit solchen Geschichten angemessen empathisch, aber nicht reißerisch umzugehen? 

Jan von Frenckell: Ich denke, man darf den Menschen, die in diesen Geschichten eine Rolle spielen, nicht nur das Gefühl geben, sie ernst zu nehmen - man muss sie tatsächlich ernst nehmen. Das tun wir! Solche Geschichten müssen eine Herzensangelegenheit sein - sonst wird das nichts. 

kress.de: Wie wichtig ist die "soziale Ader", wenn Sie selbst neue Mitarbeiter einstellen? 

Jan von Frenckell: Sie ist sicher keine Einstellungsvoraussetzung, aber jede Beschäftigung mit einem sozialen Hintergrund in der Vergangenheit, hat den Horizont erweitert und vor allem Kontakt zum echten Leben hergestellt. Das kann kein Studium.  

"Ich wäre schön doof, wenn ich nicht auch heute noch lernen würde."

kress.de: Wenn Sie auf die Stationen Ihrer bisherigen Vita zurückblicken: Wo und von welchen Kollegen haben sie am meisten gelernt und was hilft Ihnen im Tagesgeschäft am besten?  

Jan von Frenckell: Das ist ganz klar Franz Josef Wagner, mit dem ich jahrelang unter anderem bei "Bunte" zusammengearbeitet habe. Die Liebe zum Wort und die große Leidenschaft zum Beruf - das hat er entfacht. Aber ich wäre schön doof, wenn ich nicht auch heute noch lernen würde. Auch von meinem Team und meinen anderen Kollegen, mit denen ich bei der Bauer Media Group zusammenarbeite. Wir haben hier ein erfrischend geringes Konkurrenzdenken und ein extrem vertrauensvolles Verhältnis zwischen den Chefredakteuren. 

kress.de: Die Medienlandschaft ist spannend, hektisch - und oft raucht abends der Kopf: Wo und wie tanken Sie privat Ihre Batterien wieder auf? 

Jan von Frenckell: Ganz banale Antwort: beim Sport. 

kress.de: Sie führen ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk? 

Jan von Frenckell: Ich bin kein guter Netzwerker. Aber in meiner Position ist es wichtig, ansprechbar und auffindbar zu sein, für Kollegen, Partner, Leser - wie auch immer. Dabei helfen Communitys ebenso wie die klassischen Business-Netzwerke.

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