Armin Mahler: "Ich wollte Wolfgang Büchner nicht gewinnen lassen"

 

27 Jahre lang war Armin Mahler der Leiter des "Spiegel"-Wirtschaftsressorts und sechs Jahre lang der Vorsitzende der mächtigen Mitarbeiter KG. Im Interview mit dem "Wirtschaftsjournalist" spricht Mahler auch über die schwierigste Zeit seines beruflichen Lebens: die Auseinandersetzung mit dem damaligen "Spiegel"-Chefredakteur Wolfgang Büchner.

"Wirtschaftsjournalist": Als Wolfgang Büchner 2014 "Spiegel"-Chefredakteur war, wollte der Sie loswerden und bot Ihnen eine Millionensumme an. Warum haben Sie abgelehnt?

Armin Mahler: Na ja, Millionensumme. Lassen wir das mal so stehen. Ich hatte nicht vor, den "Spiegel" zu verlassen. Ich war bei einem Anwalt, und der hat mich gefragt: "Was wollen Sie? Geld? Oder wollen Sie bleiben?" Ich habe gesagt, ich wolle bleiben. Darauf hat er gesagt: "Sie gehen am nächsten Morgen sofort wieder in die Konferenz und tun so, als ob nichts wäre."

"Wirtschaftsjournalist": Das konnten Sie?

Armin Mahler: Es war sicher die schwierigste Zeit meines beruflichen Lebens, und ich würde aus heutiger Sicht sagen, ich möchte sie nicht missen. Aber das sagt sich leicht im Rückblick, wenn alles gut gegangen ist. Andererseits war das Angebot wirklich nicht schlecht, und wenn ich es darauf angelegt hätte, wäre es sicher noch besser geworden. Ich hatte also keine Existenzängste. Da kämpft es sich schon mal leichter.

"Wirtschaftsjournalist": Sie hätten einen langen Ruhestand genießen können.

Armin Mahler: Oder noch mal was anderes machen, mit einer Startsumme, die nicht schlecht war. Aber das wollte ich nicht, und ich wollte Büchner nicht gewinnen lassen.

"Wirtschaftsjournalist": Es gab Unterschriftenlisten gegen Büchner - einmalig in der "Spiegel"-Geschichte.

Armin Mahler: Und es gibt auch Leute, die sagen, es sei Büchners verhängnisvoller Fehler gewesen, dass er mich und Lothar Gorris, den Leiter des Kulturressorts, rausschmeißen wollte.

"Wirtschaftsjournalist": Mit Ihnen wollte er brachial die Macht der KG brechen.

Armin Mahler: Das weiß ich nicht, aber jedenfalls hat er die KG falsch eingeschätzt und dass ich dort und in der Redaktion Rückhalt hatte. Das war nicht gerade klug. Aber ich bin ja eigentlich kein Revolutionär.

"Wirtschaftsjournalist": Manchmal sind die Leisen die Revolutionäre.

Armin Mahler: Merkwürdig, dass er sich ausgerechnet mich ausgesucht hatte. Aber wenn Gorris und ich gegangen wären, wäre er vielleicht mit seinen Plänen durchgekommen.

"Wirtschaftsjournalist": Also sind Sie geblieben, um ein Zeichen zu setzen?

Armin Mahler: Ja. Ich wollte nicht, dass er damit durchkommt.

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